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Der Israelit · 1903-12-10 · Heft 98 (10.12.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 98 (10.12.1903)
Date
1903-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'ZaSZXa&XSSgm 44. Jahrgang. JS2 98 GenLrak-Hrgan für das orthodoxe Ir Begründet von Nr. Drhrnann in Donnerstag, den 21. Kislew 5664. 10. Dezember 1803. Minsen mV TT IcfWIc. Der Tod hat Deutschland und der gesummten gebildeten Welt den Altmeister der Geschichtsschreibung, den glänzenden Darsteller versunkener Welten, der aus nahezu verwischten und verwitterten Inschriften eine große Vergangenheit vor unserem bewundernden Auge erstehen ließ, entrissen. Mit Bewunderung lesen wir insbesondere den, fünften Band seiner „Römischen Geschichte", den er 1885 erscheinen ließ, in dem er dreißig Jahre nach Veröffentlichung des dritten Bandes den Faden der Geschichte des römischen Volkes, so schwer es ihm auch sein mochte, dort aufnahm, wo er ihn fallen lassen mußte, wie er sich in der Vorrede zu diesem Bande selbst ausdrückt. Er schildert hier die römischen Provinzen in der Kaiserzeit von Cäsar bis Diokletian. Welche Summe von gelehrter Arbeit hier aufgespeichert ist, wie er in seiner glänzenden Schreibweise uns von Italien nach Spanien, von Gallien, Germanien, Britannien in die Donauländer, dann wieder nach Griechenland und Kleinasien, an den Euphrat, den Jordan und den Nil nach Egypten und Nordafrika führt, uns überall Land und Leute kennen lernen läßt, das in dem Rahmen eines Zeitungsartikels darzustellen, ist wohl kaum möglsch. „Gehe durch die Welt und sprich mit jedem," dieses Wort Firdusis, es prangt als Motto auf dem Titelblatte des fünften Bandes der römischen Geschichte, und es kennzeichnet , ihn richtig. Das elfte Kapitel dieses Bandes beschäftigt sich nun mit „Judäa und den Juden" (von Seite 487 bis 552). Man kann, wenn man das wahrhaft glänzende Kapitel liest, nicht gerade behaupten, der große Geschichtsschreiber sei von allen Vorurtheilen frei geblieben, die man selbst bei Männern, welche auf den Höhen der Wissenschaft wandeln, findet, wenn sie sich mit den Juden und ihrer Geschichte beschäftigen. Er hat vor allem das Wesen der jüdischen Tradition verkannt, weil er sie gleich Schürer, ’ Delitzsch und anderen nichtjüdischen Gelehrten, zu wenig oder gar nicht kannte, ihm ist die Wische Staatengrün- ' düng nach dem Ende des Exils eine „klerikale Restaü- ' ' ration", das hasmonäische Staatswesen ein „Kirchenunstaat", für die Bedeutung der Erhebung des Juden- . thums gegen die seleucidische und römische Fremdherrschaft hat er wenig Vcrstandniß, nichtsdestoweniger' wird man gerade in unserer Zeit dieses Kapitel mit ' großem Interesse lesen, denn entbehrt es auch der ' Wärme und der Begeisterung, so erfreut es andererseits durch die ruhige Objektivität, mit welcher der wahre ' ' ' Geschichtsschreiber von der hohen Zinne der Wissen- / schaftlichkeit die Geschichte des jüdischen Volkes . bis . zum Ausgange des dritten Jahrhunderts betrachtet," * fern von jeder Polemik, aber auch Apologetik, die gerades' die Behandlung jüdischer Geschichte oft ganz ungenietz-'' bar machten. Da ist es nun interessant, zu lesen, wie '' Mommsen dem jüdischen Staate in Palästina die Juden in der Diaspora gegenüberstellt. Dort das starre '.. Festhalten an der jüdischen Nationalität, hier die hellenisirenden Tendenzen. Wenn aber Mommsen von einer :V jüdischen Propaganda, von einem Bekehrungseifer.in ' 'c'"■ dieser Zeit spricht und diesen dem des Christenthums . . ':V und des Islams in späterer Zeit gleichstellt, so könnte . dies aus dem jüdischen Schriftthum kaum erwiesen, werden. Die Rabbinen Judäas betrachteten den TäH/2 an dem die griechische Bibelübersetzung, genannt Sep-' tuaginta, entstanden war, als einen Unglückstag, und . doch wurde die Bibel gerade durch diese Uebersetzung der ganzen gebildeten Welt der damaligen Zeit ßugänglich. Wurde diese Uebersetzung von den Griechisch ' '' sprechenden Juden Egyptens gleichsam als der erste an das Heidenthum gesandte Apostel betrachtet, so fürch- " '' teten die Lehrer Palästinas von ihr eine ■ Verkennung der wahren Lehre des Judenthums. Es werden wohl andere Motive gewesen sein, die da- * mals zur Verbreitung des Judenthums beitrügen, als

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