Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-12-07 · Heft 97 (7.12.1903) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 97 (7.12.1903)
Date
1903-12-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449979--59602-2523859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Li-sL 44. Jahrgang. ge zu 97 des „< 44 Mch MA«ßk! M Bsloili'li Suttner 06er Lit MtMchtllMWttil _ . Wie«, 1. Dezember. Unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Freiherrn von Seiler fand am 28. November. Abends, im Saale des Wissenschaftlichen Klubs die diesjährige Generalversammlnng des «Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" statt, der unter anderen Baronin Verta Suttner, Hofräth Prof. Nothnagel. Superintendent Professor Seberiny und Baron Doblhoff anwohntrn. Nach Begrüßung der Antvesenden erstattete der Schriftführer, Oberinspektor Engel, den Jahresbericht, welcher zunächst der Ereignisse in Kischinew gedenkt. Zur Linderung der dort durch Mord und Plünderung entstandenen Roth habe der Verein sein Scherflein durch Widmung eines Geldbetrags beigetragen. Auch zu den turbulenten Szenen in «einer parlamentarischen Körperschaft", wider die Hetze gegen die Aerzte und die Vivisektion hat der Verein Stellung genommen. Der Jahresbericht wurde einstimmig genehmigend zur Kenntniß genommen. Baron Doblhoff führte hierauf m einer mit großem Beifalle aufgenommenen Rede aus, daß in den letzten Sitzungen des niederösterreichischen Landtages sich eine förmliche Schreckensherrschaft breit gemacht hat. Dieselbe Partei, welche die konfessionelle Frage überhaupt, in unsere moderne Zeit als Kampsesmittel geschleudert hat, erkor sich zum Objekt vehementer Angriffe ^dre Männer der Wissenschaft, sie suchte das weltberühmte Ansehen der Wiener medizinischen Schule durch unbegründete Angriffe herabzudrücken. Solchen Vorgängen gegenüber stillzuschweigen, wäre ebensoviel, als sich zum Mitschuldigen derselben zu machen. Es dürfe nicht ruhig zugesehen werden, daß unter dem Vorwände der Bekämpfung des Judenthums der modernen Bildung und Wissenschaft direkt in's Gesicht geschlagen wird. Es sei tief zu bedauern, daß die Vertreter der Negierung kein Verdammungsurtheil gegen den Inhalt und die Form der verübten lleberfälle des hochgeachteten Aerztestandes vorzubringen hatten. ' Redner beantragte folgende Resolution: „Die heute hier Versammelten geben ihrer Entrüstung Ausdruck Wer die unberechtigten Angriffe auf die'.Vertreter des ärztlichen Standes, welchen sie den „Stolz unserer Hauptstadt" nennen; sie erhoffen von den Behörden im Interesse der'' Ordnung, 'auf Grund gesetzlicher Basis, Hintanhaltung solcher Aus-' wüchse; sie protesiiren auch gegen den Mißbrauch des , Buchdruckes, durch welchen diese gehaltlosenBeschimpfungen und gehässigen Hetzreden in der Oeffentlichkeit'; verbreitet werden zum Schaden für die Klarheit der" Begriffe in der Bevölkerung und nur geeignet, die Achtung zu untergraben, welche jedermann den'Ver- ' tretern der Wissenschaft und in erster Linie dem ätzt-' lichen Stande schuldet." Die Resolution wurde ohne - Debatte einhellig unter starkem Beifall angenommen, ''v; Hofrath Prof. Nothnagel sprach zunächst dem?j/_ Vorredner seinen wärmsten Dank aus für das rührend " zu nennende Interesse, welches er in feinen Aus-. führungen für die Humanitätsideen bekundethabe. // Hofrath Nothnagel bemerkte im weiteren Verlaufe sei-^ £ ner Rede, es wurde bereits die Frage aufgeworfen; ob/ — unser Verein noch eine Existenzberechtigung habU' da;J seine Kräfte leider nicht ausgereicht hätten, den Antisemitismus zu bekämpfen. Unsere Existenzberechtigung ‘• - / haben wir bereits dadurch erwiesen, daß wir uns ton-' stituirt haben. Die Auflösung des Vereins wäre ein Fehler. Eine der Ursachen, warum wir nichts geleistet ' haben, ist die. daß wir in unserem Kampfe nur den " Marionetten gegenüberstehen, aber nicht jenen Mach--''' len, die sie lenken. Wir müssen uns auch ferner er--'-' -'- halten. Eine andere Frage, die hier aufgeworfen tourde, war die, was wir thun können, um den Verein ' -' - wieder mehr in die Oeffentlichkeit treten zu lassen.;v Zu diesem Zwecke wäre es angezeigt, ein Komitee ein- Zusehen, welches hierüber berathen und Vorschläge zu ' - erstatten hätte. Baronin Suttner erklärte, es war ihr sehr schmerzlick, hierher zu kommend ste habe es aber---- sür ihre Pflicht gehalten, zu kommen; sie sei dies dem '- Andenken ihres verstorbenen Gatten schuldig, an dein Verein, den ihr Gatte begründet, festzuhalten. - In :iseinem letzten Willen habe er ihr aufgetragen, weiter - > zu arbeiten für die Ziele der Menschlichkeit. Wenn! < alle zurücktreten sollten, dann werde sie die Letzte sein in - diesem Vereine. (Lebhafter Beifall.) Baronin Sutr- ' -'^ ner empfahl, öfters öffentliche Versammlungen abzü--! '- halten, zu welchen auch den Feinden der Zutritt zu gestatten sei. selbst auf die Gefahr, gesprengt zu werden. Jeder solche Verein sei ein Kampfverein und dürfe seinen Gegnern nicht ausweichen. (Beifall.) Iw - das von Hofrath Notnnagel vorgeschlagene Komitee wurden sodann folgende Herren gewählt: Varon Dobl- ' hoff, Oberinspektor Engel und Nordbahnbeamter Waldstein. Zum Schluffe sprach Professor Seberiny /[ über den Zusammenhang zwischen Jüdenthüni Christenthnm:.; ’ ■■■:' . •.;;'i i . .... o' .T;rj : .■ ....;v'iC''- yi:T yJSftfih.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.