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Der Israelit · 1903-12-07 · Heft 97 (7.12.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 97 (7.12.1903)
Date
1903-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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entschuldigte, ihnen seine Vorliebe für sie betheuerte und versprach, sie künftig noch besser behandeln zu wollen. F e u i 1l11 o «. ichtung. Von Friedrich Rott.!2 Es war nahezu Mitternacht, als Müller in mißinuthigster Stimmung nach Hause kam. Die Kinder schliefen längst, nur seine Frau war noch auf und begrüßte ihn mit freundlicher Herzlichkeit. „Du scheinst sehr müde zu sein, wie ist es Dir ergangen?" Er zuckte die Achseln. „Hungrig bin ich, seit heute Früh um acht Uhr habe ich nichts gegessen." ,.Den ganzen Tag hast Du nichts gegessen?! Da wasche Dich nur gleich und setze Dich zu Tisch, das Essen ist warm." Er entsprach ihrer Aufforderung, während sie einige einfachen, aber einladend dampfende Speisen auttrug und ihm vorlegte. Dann setzte sie sich ihm gegenüber und beobachtete mit stiller Befriedigung, wie er seinen Hunger stillte. Aber wenn er sonst hungrig und müde heim kam, pflegte er hoch schon während des Essens, wie sie es nannte, aufzuthauen und ihr zu berichten von den mehr oder minder wichtigen Ereignissen seiner Reise. Heute jedoch blieb er wortkarg und ernst. Arcb sie schwieg, denn sie hatte nichts Erfreuliches zu Lenckien. „Willst Du nicht noch etwas essen?" Er schüttelte den Kopf und deutete mit dem Finger auf seine sich bcivegenden Lippen, ein Zeichen, daß er bereits das Tischgebet sprach. Als er dasselbe beendet hatte, fragte er: ..Hall Tu nicht gehört,- ob das mit dem Wochenmarkt schon entschieden ist?" „Ja," sagte sie, indem sie das Geschirr auf dem Tische zusammen räumte, „es ist bereits entschieden." „Nun, und —?" Sie zuckte die Achseln. „Es ist. wie man es hat erwarten können." „Wie? — Was? — Ich meine, was ist beschlossen worden? .Bleibt es, wie es war?" „Nein." erwiderte sie, schwer aufathmend, „es bleibt nicht wie es war — der Wochenmarkt, ist verlegt worden — auf Samstag." „Daß der Donner sie sollt erschlagen alle miteinander auf.einmal!" schrie er, indem er mit der gev.i:i ballten Faust auf den Tisch schlug, daßdieTelle^ ' klirrten. „O, dieses Rischus! Dieses Rischus! Jetzt-' haben wir nicht einmal den Sabbat mehr).-7^,Nichts einmal den einen Tag!"— •/ f Sie erblaßte bis ayf die Lippen. „So mußt Du nicht reden, der Sabbat - öleibtA,>. uns, den kann kem Mensch uns rauben. Nult der Vier-"'"' '" dienst des Mochenmarktes entgeht 2. f-x;> Er brach in ein wildes Hohnlachen — „Recht so, recht so, der Sabbat bleibt-un^nu, werden wir am Sabbat das Geschäft aufmÄchew müssen." ... .. -. „Heinrich!" flüsterte sie mit von Thronen fast erstickter Stimme, „sprich nicht so! — ich bitte Dich ÜjnA Himmelswillen!" . ’ ’ ’ „Warum soll ich nicht so reden? — Wegen meiner red' ich nicht so, aber aufmachen muß ich das Geschäft am Wochenmarkt, gleichviel, ob er am Freitag vder-Äui^ Samstag ist, sonst könnten wir mitsammt unseren' Kindern verhungern." „Wir werden nicht verhungern. Weißt. Du detm. ,,Vl nicht, daß Gott schon unseren Vorfahren in der. Wüste//,.< am sechsten Tag doppelte Nahrung für den stebMen< Tag mitgegeben hat? Und derselbe Gott wird'auchuns—" .; ' i- -iitVc „Nun jo, ich weiß schon, derselbe Gott hat auchAM uns bis jetzt , am Freitag für den Sabbat Nahrung-^^ gegeben. Aber Du siehst doch, daß Er's jetzt -nichb'n.-: mehr will, sonst hätte er's nicht zugegeben, daß der^ Wochenmarkt auf den Sabbat verlegt wird.. Oderhat-' ',A Er's vielleicht zugeben müssen? — Das wäre mir eM-. '(i schöner Gott!" •.~.rr-. «Heinrich, ich beschwöre Dich! versündige DWAM nicht! — Ich gebe ja zu, es ist eine schwere Prüfung«, - auf den Berdienst des Wochenmarktes zu verzichte^ " Aber Du wirst sehen, wir werden nicht hungern, dek^ selbe Gott, der die Arbeit am Sabbat verboten hat»., der ist es auch, der der Arbeit unserer Hände Gelingens <>.* :cverleiht und —" „Und so weiter!" siel er mit rohem Lachen ein. „Du redest gerade so, ' wie unser Rabbiner auf der Kanzel. Der kann's thun, der kann so reden, kann den Mund aufsperren, daß ihm die gebratenen TaubA hineinfliegen, aber unsereiner? — Schau, Resi^ Du.-— mußt mir das Herz nicht noch schwerer mgchyk]tfhtß?IM; ohnedies schon ist. — Weiß Gott, ich lasse mir die Sab-^ ^- batruhe nicht gerne rauben —- aber — was föit-maftip n thun?" -V tu-■ -v» „Gottes Gebot soll man halten, um. jeden Preis, er wird schon helfen^ daß wir nicht verhungert ipit un- ' fern Kindern." . . ... {r „Du redest, wie Du's verstehst. Dir' liegt 'es^tW' auf, Frau und Kinder zu ernähren^ aber'mir da sind mir heute unterwegs hunderzweiundsechzig^fffÄ Kronen gestohlen worden, daß ich nicht einen' .Sechser

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