Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1903)
- Date
- 1903-10-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ceiltral-Organ für das orthodoxe Judenthum. kälter für die israet. Schule. 22. Okt. 1903.1 lNr. 12. VGllK'liilil ml Serfnni — Iifkiliiiü&iülle KrzikhNgMitttl Ronferenzvortrag von G. Gewährung und Versagung sind von großer Wichtigkeit.im menschlichen Leben. Denn wie viele Wünsche hat manches Menschenherz? Wie viele Bitten werden täglich ausgesprochen? Gar mancher Wunsch und manche Bitte wird erfüllt; allein viele Wünsche und Bitten müssen versagt werden; gar manchen Herzenswunsch, manches sog. Bedürfnis muß der Mensch sich selbst versagen; denn es ist eben oft unmöglich, sich und anderen alle Bitten und Wünsche zu gewähren. Gewöhnlich wird im Leben nur dann etwas gewährt, wenn der Mensch sich zu einer Gegenleistung bereit finden läßt, d. h. wenn er arbeitet und schafft. Thut er dieses und ist er dabei sparsam, so kann er auch sich manches gewähren, was dem Müßiggänger versagt bleibt. Wenn im menschlichen Leben Gewährung und Versagung .im allgemeinen so wichtig sind, warum sollten sie nicht auch für die Erziehung bedeutungsvoll sein? Inwiefern Gewährung und Versagung in letzterer Beziehung so bedeutungsvoll sind, soll im Nachfolgenden dargelegt werden. - Gewährung, Gestattung, Darreichung, Versagung, Entziehung und Abwehr. Es sind beide Erziehungsmittel, mit denen zunächst die pädagogische Kinderpflege zu thun hat. Sollen beide für die Erziehung eine Bedeutung haben, so wird sich der Erzieher vor allem darüber Klarheit verschaffen: was darf ich dem Zöglinge gewähren und was muß ich ihm versagen? Der Erzieher darf, vielmehr soll dem Zöglinge alles gewähren, was ihm nöthig und heilsam ist; er versagt ihm alles, was verderblich und gefährlich werden könnte. Dem- Zögling wird also zunächst eine einfache, gesunde, kräftige Nahrung in entsprechender . - Menge gereicht, denn nur ein richtig ernährter Körper t. . ist im Stande, das zu leisten, was das Leben von ihm fordert. Da nach Dr. Gust. Jäger und anderen Autoritäten auf medizinischem Gebiete die Leistungs- und Widerstandsfähigkeit des lebenden Körpers mit. dem Eiweißgehalt zu-, dagegen mit dem Wasser- und Fettgehalt abnimmt, so ist leicht einzusehen, welche Nahrungsstoffe-für den Zögling die besten sind. Neben, einer richtigen Ernährung muß demselben auch eine passende Kleidung gegeben werden; diese soll den nöthigen Schuh gegen Kälte gewähren. Sie darf aber nicht . zu warm sein, damit der Zögling nicht verweichlicht werde. Der Schnitt der Kleidung sei so, daß sie bequem zu tragen ist und der Zögling durch sie nicht in der , Bewegung gehindert wird. Soll nämlich derselbe gesund bleiben, so ist ihm vor allem auch Bewegung zu gewähren. Das Vedllrfniß nach Bewegung ist bei der Jugend bekanntlich groß, und es wird dem Erzieher nicht schwer werden, dasselbe zu befriedigen und die Bewegung zu regeln. Da sich durch Bewegung Ermüdüng einstellt, so gewähre man dem Zögling auch bie.. nöthige Ruhe und Erholung. Sehr kräftigend wirkt - auf denselben ein gesunder Schlaf, der ihm im wohl- ' durchlüfteten Zimmer bei leichter Bedeckung und in einer den Lebensjahren entsprechenden Dauer zu gewähren ist. Ebenso wichtig wie die genannten Fak- . toren ist für das leibliche Wohl des Zöglings die Reinlichkeit, von. der das Gesundbleiben des Menschen in hohem Grade abhängt/ Welchen wohlthätigen Einfluß , regelmäßige Waschungen und Bäder auf.den menschlichen 5körper ausüben, ist bekannt; nur beachte man , bei den genannten pädagogischen Maßnahmen die.. Forderungen der Gesundheitslehre und' sehe immer darauf, daß die natürlichen Bildungseinflüsse dem Er- ' 4