Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1903)
- Date
- 1903-10-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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das Verhaltmß zu den Nachbarparteien und betont dabei, daß man durchaus geneigt sei, mit den anderen antisemitischen Richtungen Frieden zu halten und diesen Frieden nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern. Weiterhin verwahrte der Redner die sächsischen Parteigenossen gegen den Vorwurf, daß sie beim letzten Wahlkartell ihre Selbstständigkeit aufgegeben hätten. Das Kartell habe Niemanden gezwungen, seinem Parteiprogramm untreu zu werden. Wenn trotzdem die Sozialdemokratie mit Ausnahme eines einzigen Kreises ganz Sachsen erobert habe, so sei dies anderen Gründen zuzuschreiben, bei denen die Affaire der Kronprinzessin Louise, die Aenderung des Landtagswahlrechtes und der Steuerzuschlag, der prompt einige Tage vor der Reichstagswahl erhoben worden sei, nicht die geringste Rolle gespielt hätten. Auch in Hessen seien Verluste zu verzeichnen. Ganz besonders schmerze die Partei der Verlust des Marburger Kreises an Herrn von Gerlach, da dieser Kreis der erste war, den die Antisemiten seinerzeit erobert hätten. Kontrollirbare und unkontrollirbare Gerüchte seien darüber im Umlauf, weßhalb der Abgeordnete Dr. Böckel seine Bewerbung um den Kreis zurückgezogen, und wem er alles sein Mandat angeboten habe. Die letztere Angelegenheit besonders sei sehr merkwürdiger Art, denn auch ihm, Zimmermann, sei der Kreis unter bestimm-- ten Voraussetzungen angeboten worden, er habe aber abgelehnt, weil er der Ansicht sei, daß ein Wahlkreis nicht zu kaufen sei. (Bewegung.) Es wurde dann der Parteileitung Entlastung ertheilt und der Antrag des Gesammtvorstandes angenommen, die Partei künftighin wieder: „Deutsche Reformpartei" zu bezeichnen, sowie eine Durchsicht des Parteiprogramms von 1896 vorzunehmen. Bei dem nun folgenden Bericht des Abg. Werner über die Thätigkeit der Reichstagsfraktion bemängelte es Redakteur Kammer, daß die antisemitischen Abgeordneten zu wenig Radau im Reichstage machten und zu wenig zum Fenster hinausredeten. Insbesondere wünschte er in Bezug auf die Soldatenmißhandlungen und die Lieferungsvergebungen an die Handwerker ein entschiedenes Vorgehen. (Beifall.) Auch ° die Justiz müßte schärfer herangenommen werden, so weit sie die Antisemiten mit Ausnahmegesetzen behandele. Zum Parteivorsitzenden wurde wieder der Chefredakteur Zimmermann-Dresden gewählt. Trier, 18. Okt. own rww tfport sv p** E' ♦rrro mn rue nun n:o c»o kjp Auch von ihm könnte man sagen, daß die Herrlichkeit und die Pracht mit seinem Tode gewichen ist aus der alt-orthodoxen Gemeinde Trier, deren Grundfeste und Stütze er gebildet hat fast ein halbes Jahrhundert. Carl Oppenheim ist nicht mehr. Vollendet hat er als ein Paradigma wahrer Bescheidenheit und Frömmigkeit, als gelehrter Talmudist und Menschenfreund, dem gleichzeitig ein geistvoller und kerniger Humor innewohnte. Carl Oppenheim wurde in Hanau geboren am 2?. Juli 1820 als Zweitältester Sohn des Juweliers Isaak Daniel Oppenheim, bekannt unter dem Namen Rabbi Isaak Oppenheim. Der junge Oppenheim erhielt eine sorgfältige Erziehung und Ausbildung sowohl in profanen, wie auch in talmudischen Wissenschaften, in welch' letzteren Disziplinen die Lamdonim Herz Grebenau, Abraham Stern uns Moses Preßbnrger ihn unterrichteten. Kaum 26 Jah^e alt, erhielt Carl Oppenheim von Rabbiner Felsenstein in Hanau das Chower-Diplom ausgestellt. Das Ideal altjüdischen Lebens hat stets in allen Berufszweigen den Mitgliedern der Familie Opvenheim vorgeschwebt und auch in der Kunst durch den Onkel Carl Oppenheims, den berühmten Maler Prof. Moritz Oppenheim, eine symbolische Tradition gefunden. Die Herausgabe der hebräischen Dichtungen S. T. Oppenheims und die von echt jüdischem Geiste durchwehten Reden dessen Sohnes als deutscher Reichstagsabgeordneter haben nachhaltigen Eindruck auf den jungen Neffen und Vetter Carl Oppenheim hinterlaffen und ihn zu nachahmungswerthen Studien in den Wissenschaften des Judenthums angespornt. In dem bedeutenden Juwelengeschäfte seines Vaters, der mit hervorragenden Persönlichkeiten,' wie mit Kaiser Napoleon III., geschäftlich in Beziehung stand, hatte sich Carl Oppenheim auch große Sachkenntniß erworben, und nach dem Tode seines Vater im Jahre 1849 siedelte er nach Frankfurt a. M. über, um sein Juwelengeschäft dortselbst bis 1859 fortzuführen. In diesem Jahre .führte er seine Gattin, geborene Fanny Schloß aus Trier, mit der er in glücklichster Ehe lebte, als Gattin heim und betrieb auf Wunsch seiner Frau und deren Familie sein Geschäft in Trier. 46 Jahre verlebte er hier geachtet, geliebt und gekannt von Jedermann, ob Jude oder Nichtjude. Er und Rabbi Lemle Schloß mit Rabbi Michel Lewy bildeten das talmudische Dreigestirn der alten Kebilla Triers. Nun ist auch dieses erloschen. Kurz nach Jom Kippur, den er noch fastend verbrachte, begab sich Carl Oppenheim auf sein Krankenlager, von dem er nicht wieder aufstand. Er starb an Altersschwäche. 83 Jahre alt. frisch an Geist, der ihn nicht verlassen bis zum letzten Athemzuge. und der fortleben wird dauernd und ewig. Er gereiche uns allen zum Segen. .nsi-d pnx 131 Briefkasten der Kedaetion. „SDlo": Das Auslöschen des Lichtes ist am Sabbat streng oerboten. A. L. in N.: Wie Sie sehen, in heutiger Nummer dankend verwerthet. Frdl. Gruß. Briefkasten der Expedition. M. G. in A.: Betrag, dankend erhalte». I. S. in Liöge.: Mk. 16.— dankend empfangen.