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Der Israelit · 1903-10-19 · Heft 83 (19.10.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 83 (19.10.1903)
Date
1903-10-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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RsSV% •rr ' $) } für A g o i 1-C^.vy O S E S v>~ 'lMLSL l-rr. 45 IS. Okt. 1905 ^xlU Zeitgemälde von I. I. Kküszewski in autorisirter Uebertragung 47J Am selben Tage begab sich Herr Heinrich, trauriger, als sonst, nach seiner Gewohnheit dans Tavaut soiree um Musa zu besuchen. Es war -dies schon seine vertrauliche Stunde, in welcher sogar Sofronow nicht Zutritt hatte. Musa hatte ihre Zeit so methodisch eingetheilt, daß diejenigen, die sie allein bei sich empfing, einander niemals dort trasen. Heinrich erhielt einmal für immer l’avant soiree zum Eigenthum. Meist traf er Musa ganz allein, ohne die Mutter, in ihrem Zimmer, und konnte daher ungestört mit ihr plaudern, ihre schönen, wenn auch ziemlich großen Hände küssen, und mit ihr lachen und scherzen. Die Unterhaltung war hier weit vertraulicher, als im Salon und für Beide höchst angenehm, da sie . stets miteinander sympathisirten. Auch diesmal traf er, wie gewöhnlich,' Musa mit einem Buche auf der Chaise longue. Er aber war heute so auffallend verstimmt über die Entdeckung, die er gemacht, daß Musa sofort die Wolken auf seiner Stirn bemerkte und ihn fragte: „Was ist Ihnen, Herr Heinrich? Sie sind ja heute so verdüstert!. Sind etwa Ihre Papiere an der Börse so gefallen? Öder hat Sie irgend eine Balleteuse verrathen an die — Epaulettes?" „Wie grausam sind Sie, gnädiges Fräulein, mich für einen solchen Egoisten zu halten!" „O nein! Nur für einen höchst verständigen, praktischen Mann!" „Diesmal aber sind meine Traurigkeit und mein Schmerz nur reines Mitleid über den Fall eines Mannes, der „Den Fall eines Mannes? Ist das Etwas Interessantes?" - „Nur zu sehr!" ' „Betrifft es einen Bekannten?" „Einen Ihrer guten Freunde, liebes Fräulein!" „Nun, so sprechen Sie ohne Zögern!" „Um Herrn Jakob handelt es sich!" „Um dessen Fall? Was ist das? Wohl die Geschichte mit der Mutter?" „O nein!" „Also um etwas Neues?!" „Um etwas ganz Neues, und Originelles! Herr Jakob, dieser unser fleckenloser Heiliger hat, wie sich ergeben, insgeheim eine-Geliebte, und wahrscheinlich sogar schon — kleine Familie!" „Aber das ist doch sicher nur pure Verleumdung!" „So sagte auch ich! Leider aber ist es Thatsache, Wahrheit, untrügliche Wahrheit!" „Aber das ist ja doch bei ihm rein unmöglich! Das kann nicht sein!" „Es beweist nur, daß auch er sich immer nicht gleich bleibt!" „Aber ich bitte, erzählen Sie mir doch die Einzelheiten. Wer und was ist sie? Jung, schön, Blondine, Brünette, welchem Stande,.von welcher Erziehung?" „Ein einfaches, schlichtes Judenmädchen aus N. N. Die Tochter eines Kaufmannes, noch sehr jung und wunderschön!" „Aber wann konnte denn das geschehen?" fragte Musa neugierig.

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