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Der Israelit · 1903-10-19 · Heft 83 (19.10.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 83 (19.10.1903)
Date
1903-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. Jahrgang. M 83. rnm: Kentratdas orthodoFe Zudentyum. Begründet von VZzfymatm in Mrstnz. Montag, den 28. Tischri 5684. IS. Oktober 1908. Die Erde und die Menschheit. Von Dr. Hermann Klein. 'b jixt na 'v '2 „Denn gleich den Wassern zu Noah's Zeiten ist dies mir." Der Prophet vergleicht das Geschick des jüdischen Volkes mit einem katastrophalen Ereigniß der Vorzeit, und irren wir nicht, so ist in diesem Vergleich der Sinn der Leiden des jüdischen Volkes ausgesprochen, das Ziel, dem es zugeführt werden soll, angegeben, der Zweck, für den es unterdrückt wird, angedeutet. Unsere Weisen machen folgende räthselhafte Bemerkung: ns p pan xrn rnu p nm *6 jw ’-.sn am pn Dvv xmr ne mpDJ liip bv D-!X y>pp;B>3 --ND NVV 'ID p pxn xs>in bv xn Di Gott sprach zur Erde, daß sie einen Fruchtbaum hervorbringe, dessen Geschmack dem der Frucht gleiche, ste hat aber einen Baum hervorgebrachi, dessen Geschmack von dem d<»r Frucht verschieden war. darum, als Adam verflucht wurde, ward auch sie des Fluches theilhaftig. Zur Erklärung dieser Midraschstelle dürfte sich vielleicht folgender Gedankengang empfehlen lassen. Zwischen Natur und Menschheit sollte nach dem weisen Schöpfungsplane Gottes vollständige, Harmonie herrschen. Ist doch die ganze Natur nach einem Worte der Weisen nichts weiter als das Kleid der Menschheit. Wie das Kleid sich den jeweiligen Formen des Menschenkörpers anbequemen muß, so sollte auch die Natur sich den jeweiligen Gestaltungen des Menschheitskörpers anpassen. War also im ursprünglichen Plane der Schöpfung der Gedanke vorherrschend, daß der Mensch im Stande der Unschuld verharre, daß er diesseits „von gut und böse" bleibe, daß er kampflos das Gute übe, daß er gleichsam ein 'iv rwrv v® p ein süßer Baum sei, der nur süße Früchte hervorbringen könne, daß er ohne jeden Aufwand von irgendeiner Anstrengung gut sei, so sollte auch die Natur süße Früchte hervorbringen, die ihre Süßigkeit nicht der besonderen Pflege des Baumes, sondern seiner natürlichen Süßigkeit verdanken sollen. Als aber Gott eingesehen, daß der Mensch kraft der ihm von Gott verliehenen Freiheit fallen, daß er die* Kenntniß des Bösen sich erringen, daß er nicht mehr -kampflos das Gute üben wird, daß er ein bitterer Baum werden dürfte, dem die süße Frucht nur durch besondere Pflege, durch unermüdliche Arbeit, durch, rastlose Thätigkeit und durch planmäßige Erziehung, entzogen werden dürfte, so ward zu seinem Heile auch' die Natur geschwächt. Auch sie sollte fortan nur bittere Bäume hervorbringen, die, wenn sie süße Früchte tragen sollen, der aufmerksamsten Pflege, der fortwährenden Bearbeitung, der unermüdlichsten Sorgfalt bedürfen. - Diese anstrengende Thätigkeit zur Gewinnung seiner Nahrung, dieser fortwährende Kampf um's Dasein, sie sollten dem Menschen den Kampf um's sittliche Dasein erleuchten, sie sollten ein Ablenkungsmittel sein, daß der Mensch nicht immer auf die verführerische Stimme des nun einmal gekannten. aber nicht erkannten Bösen höre, daß er nicht ständig den Einflüsterungen der erwachten Sinnlichkeit ausgesetzt sei, daß die Arbeit ihn vor sich selbst schützen möge, daß er durch den Kampf für den Kampf erstarke, daß der Reichthum der Natur, die Ueppigkeit und verschwenderische Fülle, ihrer Erzeugnisse ihn nicht ver-. weichliche. Aber trotz dieser Vorsicht erwies sich die . Natur noch immer als zu üppig. Die Menschheit fand . nicht genügende Ablenkung, sie sank von Stufe zu Stufe, die himmelschreiendsten Thaten wurden verübt, unerhörte Frevel besudelten den Tempel der Gottesnatur und die Erde ward eine Stätte der Sünde. Die Menschheit ward für den Untergang reif und mit der Menschheit büßte auch die. Erde,. die jungfräuliche Frische und Kraft ging ihr verloren, mit dem Kinde

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