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Der Israelit · 1903-12-03 · Heft 96 (3.12.1903) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 96 (3.12.1903)
Date
1903-12-03
Page
– (sequence 25)
Language
German
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is^^8öE«^>LWsÄ^tsL-!ü»'> 44. Jahrgang rille Aeikage zu M 96 des „Israelit". Der Prozeß gezra die KiMMN ErceLeate». Kischinew, 24. November. Heute wurden neue Zeugen vernommen, welche zugeben mußten, daß die Juden nicht nur nirgends die Angreifer waren, sondern gänzlich wehrlos dem Ueberfall gegenüberstanden. Im Vordergründe des Interesses stand die Frage nach den barbarischen Verstümmelungen. die an vielen Leichen wahrgenommen worden sind. Als diese Beweise erschrecklicher Rohheit bekannt wurden, rief dies selbst in Rußland eine allgemeine Entrüstung hervor. Es erschien hierauf in den „Birschewija Wjedomosti" eine anscheinend von amtlicher Seite ausgegangene Berichtigung, wonach die Meldungen über diese Akte der Brutalität als unwahr bezeichnet werden. Heute war der Urheber jener Berichtigung, Ober-Gouvernementsarzt Doktor P r e j a - taikowitsch, unter den vernommenen Zeugen erschienen. Auf die Frage, woher er wisse, daß die Brutalitäten nicht geschehen seien, antwortet Zeuge, er habe zwar selbst die Leichen nicht gesehen, aber die ihm unterstehenden Aerzte hätten 22 jüdische Leichname, die im Spitale der jüdischen Gemeinde untergebracht waren, besichtigt und an keiner Verstümmelungen gefunden. Auf weitere Fragen muß Dr. Prejatatkowitsch jedoch zugestehen, daß diese Besichtigung eine nur zu oberflächliche gewesen, und daß dieselbe eine Grundlage für das Dementi in den „Birschewija Wjedomosti" nicht bilden konnte. Präsident: Auf wessen Veranlassung haben Sie die Berichtigung veröffentlicht? — Der Zeuge antwortet anfangs ausweichend, bei wiederholter Fragestellung gibt er an. daß er ohne Auftrag, aus eigener Initiative, die Kundgebung publizirt habe. Der fslgende Zeuge, Vizepolizeimeister D o w - gal, will die Polizei entlasten, indem er behauptet, die Juden hätten eine aggressive und herausfordern oe Haltung. angenommen. — Advokat Karabisch e w ski : Wie kommt es dann, daß geradeaus Veranlassung des Zeugen 60 Christen verhaftet wurden, während kein Anlaß zur Verhaftung auch nur eines Juden sich ergab? Wie kommt es ferner, daß den Christen gestattet war, mit Revolvern sich zu bewaffnen, während es den Juden verboten war? Ist es ferner wahr, daß. der. jüdische Arzt Charik abgewiesen, wurde, als er um die Erlaubniß einkam, Waffen zu tragen, während ein christlicher Kollege anstandslos die Erlaubniß erhielt? — Der Zeuge gibt diese Thatsachen zu. — Kar a b tschewski: Warum hat Zeuge keine Maßregeln zur Verhinderung der Excesse getroffen? — Zeuge: Ich hatte nur dann interveniren können, wenn mir dies vom Gendarmerieoberst C h a nfenkow befohlen worden wäre. - . Ter Publizist Ascheschow, ein in Rußland bekannter Schriftsteller, der sich unmittelbar nach den Excessen drei Monate lang in Kischinew aufgehalten und die Stimmung aller Kreise der Bevölkerung studirt hat, bestätigt als Zeuge, daß der Polizei lange vor Ostern der bevorstehende Ausbruch der Excesse genau bekannt war. die Organe der Behörden aber zum; Schutze der Juden absolut nicht das Geringste thun wollten, ferner, daß Pronie einige Tage vor dem Osterfeste eine Proklamation: „Ein Wort an meine christlichen Bruder'" veröffentlichte, in der er die Christen gegen die Juden aufhetzte. Der Zeuge legt ein Exemplar des Pamphlets auf den Tisch vor den Gerichtspräsidenten. Aehnlich äußert sich bezüglich des Verhaltens sowohl der Polizei wie des Militärs der christliche Ingenieur Z i g a n k o. ebenso der Chef der Verwaltung der Klosterdomänen im Gouvernement Brssa» rabien, G u r j e w; dieser ist an den verhängnißvollen Tagen selbst durch die Straßen gegangen, hat angesichts der furchtbaren Gewaltthätigkeiten die Polizisten ausgefordert, den überfallenen Juden Hilfe zu leisten,, jedoch ohne den geringsten Erfolg. Nach langen Bemühungen gelang es ihm. den Adelsmarfchall von Beffarabien. Kurpenski, zu bewegen, daß er sich zum Gouverneur begebe, um dessen Intervention anzurufen. Auf die Frage, was er über die vor den Excessen bestandenen Beziehungen zwischen Juden und Christen wisse, erklärt der Zeuge: Seit fünfzig Jahren kenne ich Beffarabien; ich schwöre bei allem, was mir heilig ist. daß inir nichts bekannt ist. daß den Juden als solchen jemals etwas zur Last gelegt worden wäre; es gibt natürlich auch unter den Juden solche, die mit dem Strafgesetz in Konflikt gerathen. ich gestehe aber offen, daß solche Elemente gerade unter den Juden in viel geringerer Zabl Vorkommen, als in den anderen Devölkerungsschichten. Ich glaube, sagt Gurjew ferner, daß unter den Griechen, Armeniern und Bulgaren hierzulande Gesetzesübertretungen und Betrugereien in bedeutend größerem Matze sich ereignen, als. bei den Juden. Die Reichthumer der letzteren werden , fast immer durch soliden Handel, äußerste Sparsamkeit und. ausgesprochenen Familiensinn erworben.. Diejenigen Juden, welche mit Pachtungen. auf dem Lande.sich befassen hwas mit Rücksicht auf die gegen die Juden bestehenden Ausnahmsgesetze nur in nichtoffizieller Weise geschehen kann), arbeiten immer sehr fleißig; sie behalten stets das Interesse, der Gutsbesitzer neben dem eigenen im Auge und leben im Frieden mit der bäuerlichen Bevölkerung; es ist mir nicht ein Fall

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