Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1903)
- Date
- 1903-12-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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•■ ---'^- .*■ Kellers Peter v. S t r n v e schreibt das Nachfolgende: „Baron don Löwendal erschien in Kischinew zwei bis drei Monate vor dem Krawall. Seine Mission erschien von vornherein räthselhaft. Er war sowohl von der lokalen Polizeibehörde, wie auch vom Gouverneur gänzlich unabhängig, hatte eine große Wohnung inne und ein ganzes Heer geheimer Agenten zur Verfügung. Gleichzeitig wußte man, daß die Gendarmerie nach wie vor ihrem bisherigen Geschäfte — der Entdeckung und Verhaftung politischer unzuverlässiger Personen — nachging. Baron Löwendal hatte mit diesen Dingen nichts zu schaffen. Wer ist also dieser Löwendal, und was will er also in Kischinew? Die Gesellschaft und das Tschinowniktum stand vor einem Räthsel. Sein offizieller Titel war Chef der Schutzabiheilung, allein wer braucht in Kischinew eine Schutzabtheilung? Hier gibt es weder eine Universität mit ihrer ewig unruhigen Jugend, noch große Fabriken mit ihrem dräuenden Proletariat: die Bevölkerung der Stadt ist vielmehr friedlich , und etwas phlegmatisch, und jede revolutionäre Regung ist ihr unendlich fern. Die guten Kischinewer sagten sich daher in Bezug auf Löwendal: „Vcrwuthlich mußte für den Baron eben ein Posten kreiirt werden, und da hat man ihn hierher geschickt." Darauf erwiderten aber die Schlaueren: „Wozu braucht er aber in diesem Falle da den ganzen Stab geheimer Agenten, unter dem sich sogar Frauen befinden?" So blieb die Mission des Barons Löwendal bis Ostern ein tieles Geheimniß, welches mit dem Beginn des Judcnkrawalles plötzlich, freilich auch ganz vollständig entschleiert wurde. Die Agenten des Barons standen an der Svitze der einzelnen Banden, die über die einzelne Stadttheile vertheilt waren, und von den jede ihre eigene Nummer hatte. Zahlreiche Zeugen haben vernommen, wie einzelne Plünderer einander die Nummern zugerufen haben. „Du, gehe nach Nummer 15 oder 18" u. s. w., hieß es. Während seine Agenten so die Massen geleitet haben, stellte sich Baron Löwendal an die Spitze der gelammten Administration, um ihre Thätigkeit lahm zu legen. Vom ersten Beginn des Krawalls bis zu seiner Beendigung residirte der Baron im Gouvernementsgebäude. und man weiß von Leuten, die während der Zeit dort waren, daß Löwendal den Gouverneur von jedem tbatkräftigen Eingreifen zurückgehalten hat. Nur aus diesem Grunde hat Herr v. Raaben während des Krawalls kein einziges Mal seine Residenz verlassen. Eine gut unterrichtete Persönlichkeit tbeilt dem J8. T." folgende Tbatsache mit: Als gleich nach Beginn des Krawalls eine jüdische Deputation beim Gouverneur erschien und diesen um Schutz bat, da rief dieser ohne Zöoern: „Sofort, meine Herren, lasse ich den Wagen verfahren, um aus der Straße zu erscheinen!" In demselben Augenblick aber tauchte schon Baron Löwendal auf, nahm den Gouverneur bei Seite und sprach mit ihm längere. Zeit, woraus Herr v. Raaben wie verwandelt erschien. Frostig entläßt er die jüdische Deputation, läßt den inzwischen vorgefahrenen Wagen vor dem Portal lange warten und gibt schließlich Ordre, wieder auszuspannen. Eine weitere jüdische Deputation wurde nicht mehr empfangen: der Gouverneur saß in seinem Palais und „wartete auf. Antwort vom Herrn Minister". Die Antwort kam, aber erst nachdem der Pöbel sämmtliche jüdischen Wohnungen zerstört hatte und nun dazu hinüberging, die Juden selber auszurotten. Nach gethaner Arbeit beeilte Herr v. Plehwe sich, den Gouverneur als den Sündenbock hinzu stellen 'in der Hoffnung, dadurch die öffentliche Meinung auf eine falsche Spur und von dem eigentlichen Urheber des Krawalls abzulenken. Die Untersuchungsrichter erhielten den Befehl, Löwendals Agenten nicht anzurühren. Diese wurden auch, falls sie zufällig unter die Verhafteten geriethen, unverzüglich wieder in Freibeit gesetzt, selbst wenn gegen sie die schwersten Verdachtsmomente Vorlagen. - So wurde unter anderem ein Agent Löwendals entlassen, obgleich ein Patrouillenoffizier ihn als Bandenführer angegeben hatte. Diese Agenten wußten eben viel zu viel, als daß man ihnen hätte etwas anhaben können.. Baron Löwendal selber verschwand gleich nach dem Krawall geräuschlos aus Kischinew. Der Mohr hatte seine Arbeit gethan und hatte in Kischinew nichts mehr zu suchen. - vermischtes Amsterdam, 27. November. Wie trfi soeben erfahre, soll Herr D. Abrahams, das verdienstvoll» Mitglied der Pckidim und Amcnkalim für die Armen de^ beilia»n Landes zum Kirchenrath (Vorstand) der hiesigen jüdischen Gemeinde gewählt werden. Jakabkaloa. Neu ns ist nach v'crmonatlicher Untersuchnngshast aus freien Sufi aeseijt wurden Wie bekannt, wurde er beschuldigt ein christliches Mädchen ermordet zu haben. Briefkasten der Redaetion. I. in Berlin: In dem Neliaionsbüch des Herrn Rabbiner Bnmberge r—Wünbura finden Sie Abbildungen, wie die Tesillin richtig ru tragen sind. Auch »vir sind Ihrer Ansicht, daß derartiae Abbildungen in den Synagogen angeschlagen werden mühten. I. N. J5.: Obst, welches m,n auch in rohem Zustande essen konnte. darf, wenn in Dünsen eingemacht, überall bezogen iverden, vorausgesehf. daß das Steinobst stets gemalten ist und Aepscl oder Birnen zerschnitten sein müssen. Bei ganzen Flüchten ist stets zu befürchten, daß Würmer darin sind. — Gemüse müssen, abgrseben von solchen die Würmer oder dergleichen enthalten können, schon wegen 5TO stets, unter Aufsicht conseivlrt werden. A. B. in Z.: Daß Schube UVM sein können, iß bekannt, namentlich mit wollenen, Futter v.rschcne. Die Züge aus Gummistoff können auch Welle enthalten, weiden jedoch in «ns.rer Z. it.meistens aus Vanmwolle gemacht. ->Vv-Schube kann man auf Verlangen bei Max Bier, Frankfurt a. M. Hascngasse haben.