Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1903)
- Date
- 1903-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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44» Jahrgang.? M 96, Ein Zentral-Hrg an für das orthodoFe IudentHum. Begründet von?>r. tcfcnmitw in Mt«?«?. Donner ft ag, den Rückblick auf das 8665. Vln Vovlvsg, grhaltcn in »»„Bereinigung zur.Pflege jüdischer .LebenSanschauung" {-SS rfcm) zu'Frankfurt a. M. »Bon Jsaae^Breuer.^) Meine Herren! Ehe ich meine eigentliche Rede von Stapel lasse, möchte ich mich zunächst mit Ihnen über den Zweck, den sie verfolgen, sowie über den Rahmen, den sie einhalten soll, verständigen. Es ist eine solche Verständigung, ein gleich dringendes Bedürfniß für das Publikum sowohl, als auch für den Redner. Wohl kann sie häufig vorausgesetzt werden, wenn entweder der Ort der Zusammenkunft bezeichnend genug ist, oder schon der Titel der Rede gleich einen Küchenzettel abgibt. Beide Bedingungen aber treffen in unserem Falle nicht zu. Dieser unser durch Jahre langen Gebrauch uns lieb gewordene Ort ist im Grunde genommen höchst charakterlos und gibt seinen Raum allen Parteien, ohne Unterschied des Ranges und der Konfession. Und was den Titel unserer Rede anbelangt, der Ihnen bekannt ist, so ist er allerdings sehr vielsagend, denn er besagt alles und mithin gar nichts. Wir wollen das sofort an einem Beispiel erläutern. Wenn sonst ein Verein an der Spitze seines Programms erklärt, er wolle einen Rückblick halten über das verflossene Jahr, so ist das in den meisten Fällen -dahin zu verstehen, daß der Verein seine eigene Thätigkeit in dem vergangenen Zeitabschnitt zu Jedermanns Besten prüfend überschauen will. Nun denn, meine Herren! Das ist nicht der Zweck, der uns heute Abend hier zusammengeführt hat. Nicht, als ob sich über die Thätigkeit unseres '2X* ribw nichts sagen 1) Mit Veröffentlichung, dieser! Rede ^entsprechen wir einem vielfach an unS Hecangetretenen Wunsche. 14. Kislew 5664. 3. Dezember 1903. ließe. Im Gegentheil! Gar segensreich war sein Wirken im Winter 63, und auch sein Schlaf im Sommer war nicht minder gesegnet. Ja, wir glauben. unS keiner unwürdigen Schmeichelei schuldig zu machen, . wenn wir kühnlich behaupten, heilvoller ist selbst der Schlaf unseres rftru im Sommer, als das rege Gethue so manchen Vereines im Winter, und auf sein Erwachen paßt das Wort unserer Weisen, das sie auf unseren dritten Erzvater gesprochen: ,wq spy s'p'i m»08 rrbrr vwo *npn Aber dennoch will unser Verein nicht davon reden, weil es ihm widerstrebt, von sich selbst zu reden. .Vielmehr hinaustreten wollen wir in die Welt und unseren Blick über's weite Erdenrund , schweifen lassen und uns fragen: Was ging vor in der Welt im Jahre 63, wie ging es vor, und was hat es uns gebracht. Wir können es uns aber nicht verhehlen, daß uns gleich anfangs schon,- da dieser Plan uns vorgelegt wurde, schwere Bedenken dagegen ergriffen. Vier Wochen sind es bereits her, daß wir das alte Jahr ' zu Grabe getragen?) und diese vier Wochen, sind sie nicht die ereignisreichsten, die herrlichsten des ganzen Jahres? Es hat jeder Einzelne von uns, getreu dem göttlichen Gebote, in den ersten zehn Tagen seinen Blick in das vergangene Jahr versenkt, Freud und Leid an sich vorüberziehen lassen, sich gefragt, wieso er das Leid verdient und ob die Freude keinen Unwürdigen getroffen und hat mit mannhaftem Entschluß sich Besserung gelobt für eine neue und reine Zukunft. Es haben dann die darauf folgenden Freudenfeste uns vollends in's neue Jahr geleitet, und gerade die Erinnerung an diese Freudenfeste ist es ja, die unS auch heute noch beschäftigt,' die uns immerdar erwärmen soll in den kalten, stillen Wochen des Winters, bis wieder die Stimme der Turteltaube vernommen wird im neu auftauenden Lande. Ist es nun nicht gänzlich verfehlt, einem verehrungswürdiaen Publiko zuzumuthen, sich der nächsten Vergangenheit zu entschlagen, um noch- 2) Die Rede wurde am N"1 *a gehalten.