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Der Israelit · 1903-11-26 · Heft 94 (26.11.1903) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 94 (26.11.1903)
Date
1903-11-26
Page
– (sequence 25)
Language
German
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MM für bflsefc A y 0 N~3^ S £ S vS** IIS %Sj|<WWO [Ät. 53 26.9lo». 1803. J mm kl ■i! /' sArlmkeßv. '?¥&' Sft33C von JA. JCfcifjF. l Nachdruck verboten. Es war im Herbst . . . Sie gingen den schmalen Steg hinab, der über die Alster führte --dicht aneinandergeschmiegt, an dem ulten Arbeiter Vorüber, der das gelbbraune Laub zusammenfegte, das Von den Bäumen herubergeweht. Sie schritten mit fröhlichen Gesichtern achtlos über das welke, abgestorbene Leben, und hatten nur Augen einer für den andern. Der alte Mann sah schmunzelnd den Beiden nach, in denen er ein Hochzeitspärchen Vermuthete. Aber nein — Alfred und Helene Neuburg feierten heute schon die zweite Wiederkehr ihres Hochzeitstages und darum waren sie, weil sie diesen Tag immer im Hause der Eltern der jungen Frau, wo ihnen ihr Glück erblüht war, verlebten, nach Hamburg gekommen. Die junge Frau war sonst nicht für das Reisen. Die einzigen Ausflüge, die sie ab und zu unternahmen, waren diejenigen in’S Elternhaus, wo auch ihres Mannes Heimath war, denn er selbst besaß keine Eltern mehr. Sie war ein echtes, rechtes Hausmütterchen, das Vorbild des „Viederweibes" der Bibel, so jung sie war. Emsig und fleißig schaltete und waltete sie daheim, ihrem Manne so ein wahres Heim schaffend, das ihn festhielt und niemals den Wunsch nach Vergnügungen außerhalb desselben in chm rege werden ließ — nach alt-jüdischer Tradition. So standen nun diese beiden Menschen in glücklichem, wunschlosen Schweigen da unten, blickten dankbaren Herzens in die reizvolle Landschaft hinaus und aus das Wasser, auf dem schlanke Salonboote leicht dahinglitten wie auf goldigem Grund, denn die Sonne sprühte und funkelte auf den krausen Wellen. Plötzlich zog Alfred Neuburg den Arm seiner Gattin etwas fester an sich, und als sie fragend zu ihm aufblickte, lenkte er durch eine kleine Geberde ihren Blick auf die andere Seite: „Sieh mal. Lenchen, dort ist noch Jemand außer uns, der mir außerordentlich bekannt vorkommt. Ich kann mich aber wirklich seiner nicht erinnern." Aufmerksam blickte sie nach der angedeuteten Richtung, vermochte aber auch den Fremden, einen jungen, schlanken Mann mit bleichen, von Leid vertieften Zügen, nicht zu erkennen. In diesem Augenblicke wandte der junge Mann ihnen sein Gesicht zu und erblickte die beiden Arm in Arm Dastehenden. Er erröthete, drehte sich plötzlich wieder um und schien dem Paare keine Beachtung schenken zu wollen. . Sie. gingen nun langsam in einiger Entfernung an ihm vorüber. Plötzlich schlug sich Alfred mit der flachen Hand vor die Stirn: „Ich hab's, Helene, wahrhaftig, er ist's!" „Wer denn. Alfred?" Er zog sie ein Stück mit sich fort und erzählte dann gedämpften . Tones:. „Weißt Du noch, daß ich vierzehn Tage vor unserer eignen die Hochzeit eines Freundes mitmachen sollte! Erinnerst Du Dich? Er hieß Adolf Meyechoff! Die junge Frau soll bildschön gewesen sein, aber er heirathete sie gegen den Willen seiner Eltern, die sehr religiöse Leute sind und sich dann ganz von ihm zurückzogen — denn sie war Christin. Eine solche Pietätlosigkeit konnten sie ihrem einzigen Sohne, dem sie manches Opfer gebracht hatten, nicht verzeihen."

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