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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1753 ihr erfüllt, auch leicht den Ausdruck, das Rechte und Gottgeweihte zu thun. Und so sprachen sie zu dem erröthenden Mädchen: „Wir Beide lieben Dich mehr wie unser Leben, da aber nur einer von uns Dich besitzen kann, so wähle zwischen uns und der Andere wird in Ergebung sein Schicksal tragend Ohne sich einen Moment zu besinnen, sprach Bascha: „Ich habe aus unseren Gesprächen entnommen, daß Sie, Freund Abraham, noch treu und fest an den Gesetzen unseres Gottes hangen, daß für Sie die vom Sinai unter Donner und Blitz uus gewordene Thora noch ebenso heilig und erhaben ist, wie sie es den um den nieöeren Berg stehenden sechsmalhunderttausend Mann gewesen, während für Sie, Herr Bere, das Gesetzbuch der Juden keinen größeren Werth hat, wie beispielsweise der Zend-Avesta der Perser oder der Mahabharata der Inder oder der Homer der Griechen. Ich reiche deßhalb Ihnen, Herr Abraham, meine Hand und hoffe, daß das geistige Band, das uns vereint, eine sicherere Gewähr für nnser zukünftiges gemeinsames Leben bietet, als die körperliche Zuneigung, die wir uns ja auch entgegenbringen. Ich habe in der Stunde des Unglücks gelernt, den Körper dem Geiste unterzuordnen, und ich bitte Sie, mich deßhalb nicht für eine' kalte, berechnende Natur zu ballen. Mein Herz schlägt ebenso warm für Sie," schloß sie schelmisch ihre Rede, „wie wenn ich. Abraham Pinezower ließ sie den Satz nicht vollenden. Stürmisch schloß er sie an sein Herz, während Bere Maraules sich traurig aus dem Zimmer stahl. Ein halbes Jahr waren Bascha und Abraham verlobt. Ihr Verlobter miethete ihr eine elegante Wohnung und führte ihr seine Mutter zu, die von Allen unterrichtet wurde, auch die Eltern Vascha's scheuten die weite Reise nicht, und glänzend wurde die Hochzeit gefeiert. Abraham war Besitzer einer großen Maschinenfabrik, er beschäftigte ausschließlich jüdische Arbeiter, die Samstags feierten und dafür am Sonntage arbeiteten. Einige Wochen nach der Hochzeit bat Bascha ihren Mann, ihr die Fabrik einmal zu zeigen. Von der Gießerei kamen sie in die Dreherei und von hier in die Schmiede. Doch was ist das? Die junge Frau bekommt einen Ohnmachtsanfall. Ein rothglllhendes Eisen beleuchtete grell das Gesicht von Jainkel, dem Grobschmied, der in der Fabrik Pinczowers für neun Dollars die Woche beschäftigt ist. Auch er hat die junge Frau wiedererkannt und erbat vom Werkführer sofort seine Entlassung. Was aus ihm noch geworden, ob ein Zionist oder ein Sozialist, wir wissen es nicht zu sagen. Doch nach einiger Zeit erschien er wieder in Bubnow, seinem Heimathstädtchen, wo er Jeden warnt, nach Amerika zu fahren: ..Ich kann nur sogen, Amerika ist auch kei Gan Eden und die gebratene Taiblech fligen eim dort aach nit in's Maul." Wev Iu8e. Zeitgemälde von I. I. Krsszewslri in a utorisirter* Übertragung. 46t . . „Wieso?" fragte Jakob. „Darauf gibt doch schon der Name der Mutter die Antwort!" „Bah! Das ist Alles recht schön!" entgegnete Samuel kalt. „Nur erbarme Dich! Sei nicht wieder allzu gefühlvoll und kompromittire Dich nicht umsonst! Sie selbst kann kein Opfer von Dir verlangen. Und Du begreifst nicht, wie schon der Anblick dieser einfachen Frau in. der Welt Dir, wie uns. Deinen Verwandten, und Deiner Zukunft schaden kann. Die Menschen sind eben voller Vorurtheile!" . „Lieber Herr!" sagte Jakob, „ich sage Euch grad heraus, daß, was mich betrifft, ich mich darum durchaus nicht kümmere! Diejenigen, denen der Anblick meiner Achtung vor der Mutter etwa zuwider sein sollte, gehen mich ganz und gar nichts an! Im Gegenthcile, wenn dies 'ein Probirstein ihrer Achtbarkeit sein soll, bin ich froh, daß ich Gold vom Messing unterscheiden kann!" ,.Du warst immer so ein Stück Poet," antwortete Tilda's Vater. ' „Du mußt aber die Sachen nehmen, wie sie sind, schlechtweg als Prosa. Die Welt, sobald sie den Juden wittert, freut sich, wenn er wenigstens schon etwas verwittert -ist. Und hier wird sich dies auch bald zeigen unter der Jarmulka." „Ich aber werde mich heut und'' allezeit .meiner' israelitischen Herkunft nicht schämen. Darin werde ich der Welt keine Zugeständnisse machen. Für die Sünden der Eltern, wenn davon die Rede sein kann-, sollen die Kinder nicht büßen! Und. in unserer Vergangenheit gibt es auch vollauf sie ausgleichenbe Ver-

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