Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1903)
- Date
- 1903-11-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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2101 sen Gemeinden wird als Muster die Monographie der Gemeinde Bogdaneschti im Bezirke Tutova, welche der dortige Lehrer verfaßt hat, empfohlen. Diese Monographie schließt mit der Anzahlung der Maßregeln, die zu ergreifen wären, um den Zustand der Gemeinde zu verbessern. Es werden aufgezahli: Bau eines Schullokals, Versorgung der Wege und. Straßen, Errichtung einer Sparkäffe und schließlich „Vertreibung der Juden aus der Gemeinde.* Nun ist es interessant zu erfahren, was eigentlich diese Juden verbrochen haben. Man schlägt in derselben Monygraphie nach und findet, daß in der erwähnten Gemeinde ein Jude wohnt, der Kurzwaarenhändler ist. Warum ist nun dieser Punkt in die sozusagen Mustermonographie eingeschaltet worden? Doch wohl nicht, um die Verfasser sämmtlicher anderen. Monographien zu veranlassen, ihn aufzunehmen. damit man dann ein Argument gegen die Juden habe? Jedenfalls ist es bedauerlich, daß solche antisemitischen Tendenzen von den offiziösen Blättern sogar in das offizielle Organ des Staates übergegangen sind. Sprechsaal. Vad - K iss ingrn-NLrnberg. Mein Studienkollege, Herr Dr. med. Wilhelm Sternberg in Neuenahr-Berlin, schreibt in seinem lesenswerthen Schriftchen „Die Zuckerkrankheit, die Judenkrankheit u. s. w.": „Es gebührt dem Badearzt in Kissingen, Dr. P. Münz, das Verdienst, die Troponwerke in Mühlheim veranlaßt zu haben, lediglich vegetabilisches, den rituellen Ansprüchen entsprechendes Tropon ... herzustellen." Wohl findet sich in meinem „Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze" eine diesbezügliche Bemerkung, so daß Herr Dr. Sternberg zu seiner Annahme berechtigt erscheint. Meine Unterhandlungen mit den Troponwerken haben sich aber später zerschlagen, weßhalb ich mich veranlaßt sah, schon früher auch im „Israelit" und jetzt in dem soeben erschienenen Schriftchen „Künstliche Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit" darauf Hinzuwersen. Um Jrrthümern vorzubeügen, sei darum nochmals betont, daß die Tropon-Werke kein rituelles Präparat in den Handel bringen. Die Stellungnahme des Religionsgesetzes zu den modernen Nährpräparaten wird in der letztgenannten Schrift, die im Verlage von Joh. Wirth-Mainz erschienen ist, eingehend beleuchtet.; . 7Dr. P. Mü nz, Bad-Kiffingen-Nürnberg. ' $ e ullltto ft. Wi W M HM WG 7 - - i l ■' i-.’. 2oi Von Heinrich Lebermann. (' V: /| Um jene Zeit erkrankte auch Herr Raphael/.Meirr Vater wollte ihm einen Krankenbesuch machen^ trenn er'/ zählte früher zu seinen hochstehendsten Freunden. /.Abex^. er fand doch nicht den Muth dazu, weil der Kranke" glauben könne, es gereiche meinem Vater zur Befriedigung, ihn so zu sehen. Während es sich mein Vater überlegte, ob er den Besuch machen solle oder nicht, .kauf, der Geschäftsführer des Erkrankten und bat - rneinE Vater im Namen seines Herrn, er möge, sich zu ihm bemühen, er habe eine dringliche Sache mit'ihm zu reden. =-v. _ . Mein Vater begab sich sofort zu ihm hin und traf, ihn schwer stöhnend auf seinem Krankenlager. AlZ der? Kranke seiner ansichtig wurde, sprach er zu ihm:? - - / „Alter, einstiger Freund! Ich weiß, daß Ihr? wisset, daß ich Euer Verfolger war und. Euch große'.' Schrecken bereitet habe. Ich habe Euch Euere Ehre genommen, ich habe Euch arm und dürftig gemacht,: fast hätte ich über die ganze Judenheit Unheil 'gebracht. Aber trotz alledem, Gott weiß es und ist Zeuge/daß meine eigentliche Absicht keine so schlechte war:/Es kam aber so, wie die Welt sagt: gibt man einem Da/ mon den Finger, so zieht er die ganze Hand/ nach«: Theurer Freund! Ich sage zu Euch. wie. Haman zu Mordechai sagte: Ihr habt mit Eurer Hand voll Mehl ' mehr ausgerichtet, als ich mit schweren Tausenden meines Geldes bewirkte, denn Gott war mit Euch und hat die Heilung schon vor dem Schlag gesandt. - Und nun, heiliger Mann, erbarmt Euch über mich und nieine Seele und verzeiht mir, auch bittet für mich zu Gott, daß er mich von meiner Krankheit genesen lasse, damA ich noch gut machen kann, was ich verdorben habe.":/ Auf diese mit heftigem Schluchzen gesprochenen Worte entgegnete mein Vater: „Ich verzeihe Euch aus vollem Herzen, und werdeauch zu Gott für Euch beten, daß Er Euch von Eurer Krankheit heile." / ' Mit diesem letzten, übermenschlichen, Zuge hat. der treue Sohn das Lebensbild seines Vater, abgeschlossen. Wir haben, ihm nur noch Weniges.nachzutragen. ' Unser Held trug auch nach seiner Entlassung aus? -dem Gefängniß und nach der Genesung von seiner-schweren Krankheit noch lange Zeit die MärtyrerkroM.'^Hr verkaufte sein Silber, sein Haus und selbst seine/Synagogenplätze, um seinen Verpflichtungen'Nachkommen zir können. Er hatte aber noch die Befriedigung, daß seine