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Der Israelit · 1903-11-30 · Heft 95 (30.11.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 95 (30.11.1903)
Date
1903-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. Jahrgang . M 95. Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudentyum. Begründet von *>r tr^mawi in IStainj. Montag, den 11 Kislew 5664. SO. November L90S. Wissenschaft des )ude»thums.^ 0 flesh, fleah how art thou fisbified. ShakesPeare. «Gesegnet seist Du Gott, der Du uns Deine Lehre der Wahrheit gegeben und ewiges Leben dadurch in unsere Mite gepflanzt hast, gesegnet seist Du Gott, der die Thora gibt." Kürzer und.prägnanter als in dieser Brocho durfte wohl nirgends das Wesen unserer Thauro ausgesprochen sein. Mt Seiner Thora hat uns Gott zugleich jene Unsterblichkeit verliehen, die uns selbst zu den beredsten Zeugen für Gottes Dasein. und Walten stempelt. Die Thora und das Befolgen ihrer Gesetze war es freilich, das uns den Haß einer Welt zugezogen. «Warum heißt der Berg, auf dem uns die Thora gegeben wurde, Sinai?" fragen unsere Weisen. «Weil die Sino, der Hatz gegen Israel, seinen Nährstoff und seine Quelle von hier aus bekam." Freilich brachte uns die Thora all die tausendfältige Marter - und das Elend, das seit mehr als einem Jahrtausend Israels nur allzugctreuer Begleiter in der Golußnacht war und ist. Wohl war's nur das treue Hangen an der Thora, welches vor etwas mehr wie 800 Jahren in unseren Gegenden unsere Ahnen.der fanatischen Wuth eines rasenden Pöbels — eines hohen und niederen — zu Obfern werden ließ. Ein paar Tropfen. Wasser und sie.waren gerettet, wenn sie ein pflichtvergessenes Leben dem Tode für Gott und Sein Gesetz vorzogen. Und doch und trotz alledem ist unser Gesetz ein «Ez Chajim", ein Baum des Lebens, dessen Bepflanzung und Hütung allein es möglich machte, daß Israel in all diesen Sturmen nicht nur nicht zu Grunde ging, sondern glücklich und zufrieden in seinen Ghettomauern lebte. Die Thora, unser Eins und Alles, *) Einige Neformrabbiner gründeten in Berlin eine fo&ift Jttir Forderung des Judenrhums-. dieser Gesellschaft seren die vorjteharden Zeiten mit auf den Weg gegeben. konnte man ihm nicht rauben. Und wie erklärt sich das Wunder, daß eine Lehre, ein geistiges Eigenthum, ein Volk vor dem materiellen Untergang schützt? Weil Gott die Thora heute noch gibt. Wir gebrauchen in> der Brocho die Präsensform «Nausen". Weil das' Gesetz eben nicht nur auf dem Pergament todt und kalt vermodert, sondern weil es im frischen Leben bei jedem Schritt und Tritt sich geltend macht, weil es nicht nur im seidenen Thoramäntelchen gut verwahrt — aber auch begraben — liegt, sondern weil es jeden Moment unseres Daseins, all unser Thun und Lassen, regelt und ordnet. Das ist's, was sein Studium so anregt, daß - es kein für's Leben unfruchtbares, sondern das Nöthigste für's Leben selbst ist. Das macht unsere Thora zu unserm Lebensbaum. Doch „mhorsajich mimeajich jezeu." Was uns eine Welt voll Feinde und Hasser nicht zu rauben vermochte, versuchten uns unsere eigenen Brüder zu entreißen. Als am Anfang des vorigen Jahrhunderts die Reformbewegung in unseren Kreisen anfing, da wußten die Wortführer der neuen Bewegung recht gut, daß sie keinen geeignetes Boden für ihre. Be- . strebungen finden würden, so lange das Thorastudium in Jsrael's Kreisen heimisch. war. Um nun die' Thora zu verbannen aus unserer Mitte, wurden zwei Wege eingeschlagen. Der erste war, unser Gesetz für antiquirt und sein Studium für lächerlich zu erklären. So schroff wir auch diesem Standpunkt gegenüber-- stehen, und so wenig wir auch diese Anschauung vertheidigen wollen, so muß doch jeder anerkennen, daß sie . wenigstens in sich folgerichtig, daß sie konsequent ist. Wer erklärt, der Thora den Laufpaß zu geben, der thue es. aber er nehme nicht eine Afterlehre und spreche:- «Bis jetzt war das. was unsere Väter und Ahnen, wasdie Tenoim und Amoroim, was die Rischonim und Achoronim lernten und lehrten, eine unwissenschaftliche.. Spielerei. Das eigentliche, wissenschaftliche, systema?- tische Thorastudium, das beginnt mit uns, und anno I des eigentlichen Thoralernens ist die heutige .Zeit..

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