Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1903)
- Date
- 1903-09-29
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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R9 M*3~ 1-C/M OSE 29. €>cpi. 1903] e* [»?• 43. ZeitgernÄde von F. I. Krsszewski in autorisirter Uebertragung 45J Jakob hatte sich inzwischen im Stübchen etwas umgesehen, in dem Alles die an Noth grenzende Armuth verrieth. Auf einem kleinen Kamine standen einige schwarze Töpfchen, die bewiesen, das; Lia sich das Essen selbst bereite. Da lag ferner ein Stückchen vertrockneten Brodes, ein Holzlöffel in einer halbzerbrochenen schwarzen Schüssel. Ueöer der Thür stand eine Kanne, halb in Scherben. Etwas getrocknetes Leinenzeug hing im Winkel an den Sprossen einer alten Leiter. Trotzdem war es hier noch ziemlich rein und erträglich. Durch das geöffnete Fenster sah man in das Grün des Gartens. Zwitschernde Schwälbchen flogen an ihm vorüber. «Ihre Familie schickt mich hierher," begann Jakob nach einer Weile. „Die Eltern ... sie waren vielleicht zu streng gegen Sie; aber auch sie tragen noch, obschon sie schweigen, Liebe und Erbarmen für ihr armes Kind im Herzen!— Sie leiden hier Noth?" „Nein! nein!" antwortete das Mädchen. „Mir geht es hier ganz gut. Hier Hab' ich Ruhe. Niemand sicht, Niemand fragt nach mir! J.m Anfänge war es schlimm. Jetzt haben sich die Leute schon an mich, wie ich an sie gewöhnt!" „Wenn nicht Jhret-, so muß ich um Ihres Kindes willen, dem diese Noth nur schaden kann, Sie aus dieser ^herausreißen. Deßhalb kam ich hierher. Sie - mäßen eine Stelle annehmen und eine bessere Wohnung ' beziehen." Lia sah ihn mit großen, thränenfeuchten Augen an. — „Aber mir geht es ja ganz gut! Mir fehlt es an nichts!" „Ich habe hier das dazu bestimmte Geld!" fuhr Jakob fort. „Ich will es nicht! Ich will von Niemandem Geld!" entgegnete stolz das Mädchen. „Ich verlange kein Almosen.' Ich verdiene genug für mich und mein Kind!" Sie zeigte auf die Wiege. „Ich kann nichts annehmen!" „Bedenken Sie doch," unterbrach sie Jakob, „daß es sich hier nicht um Sie selbst, sondern um das Leben des Kindes handeln kann! Sehen Sie doch, wie elend es ist, wie leidend! Ihre Arbeit und Sorge schaden ihm!" „Was soll ihm das Leben?" fragte leise und traurig Lia. „Soll es mit meiner Schmach auf der Stirn unter die Leute gehen? Für mich ist es Nahrung und Trost! Ihm aber wäre besser, o besser ..* Schluchzen unterbrach ihre Worte: „Nicht ziemt es sich, zu verzagen und an Gott zu verzweifeln!" sprach Jakob. „Sie traf zwar das Unglück durch einen schlechten Menschen, aber. . „Ach ja!" unterbrach ihn Lia. ,Z)urch einen grundschlechten Menschen! Und ich glaubte ihm, und ich liebte ihn so sehr!" ' Sie rang' schluchzend die Hände und rief dann plötzlich: - v «Nicht wahr? Sie na nuten ihn doch einen schlechten Menschen? Sie kommen doch nicht von i h m? Davor möge Gott bewahren!"