Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1903)
- Date
- 1903-09-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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44. Jahrgang. ZM sMlUIW ßl!>it Ätttchcs ks mhükW UkchWs. (Bericht über den am 24. Juni abgehalteneu BereinStag.) (Fortsetzung.) Von Angelegenheiten allgemeiner Bedeutung, welche unsere Vereinigung wahrend dieser Berichts-. Periode beschäftigten, sei insbesondere Nachstehendes hervorgehoben. Bezüglich der vor einiger Zeit hervorgetretenen Bestrebungen zur Ermöglichung einer geeigneten Fortbildung israelitischer Lehrer — namentlich in kleineren Landgemeinden — auf dem Gebiete jüd. Wissens wurde seitens eines auf Veranlassung des Herrn S. Geis zu Frankfurt a. M. Zusammengetretenen Komitees dem Vorstande eine diesbezügliche Darlegung unterbreitet und insbesondere die Förderung bezw. Errichtung von Fortbildungskursen, wie sie bereits in vereinzelten Rabbinatsbezirken bestehen, sowie eventl. auch die Errichtung von Ferienkursen für Lehrer in Frankfurt a. M. durch unsere Vereinigung beantragt. Diese Angelegenheit fand bei dem Vorstande eine ihrer Bedeutsamkeit entsprechende eingehende Erwägung. Im Hinblick auf die vielseitigen Schwierigkeiten geeigneter Maßnahmen, und da in dieser Hinstcht erheblich divergirende Ansichten bei dem genannten Komitee selbst sich ergeben hatten, gab der Vorstand zunächst im Wege eines diese Angelegenheit klarlegenden Rundschreibens weiteren fachkundigen Persönlichkeiten Gelegenheit, sich zur Sache zu äußern. Es gingen hierauf bei dem Vorstande dankenswerther Weise zwanzig zum Theil eingehend motivirte gutachtliche Aeußerungen über diese Frage ein, von welchen lvir eine — nämlich hie des Herrn Realschuldirektors Dr. Lange-Franksurt a. M. — in unseren „Mitteilungen" im Wortlaut veröffentlichten, da in derselben fast sämmtliche in den anderen Gutachten behandelten Punkte vortrefflich zusammengefaßt, zu lichtvoller Betrachtung gelangten. Der Vorstand ist nach eingehender Berathung zumeist aus den in den gutachtlichen Aeußerungen geltend gemachten Gründen zu dem Beschlüsse gelängt, von der Veranstaltung von Ferienkursen abzusehen, dagegen aber die Bildung von Lokalkursen im Sinne regelmäßiger, periodischer Zusammenkünfte der Lehrer unter Leitung der zuständigen Rabbiner zum Zwecke geeigneter Fortbildung durch Gewährung von Subventionen zur Bestreitung der Kosten thunlichst zu fördern, was inzwischen auch, so oft ein diesbezüglicher Antrag an den Vorstand gelangt ist, erfolgte. Zugleich hat der Vorstand bei diesem Anlässe ferner beschlossen, geeigneten Seminar-Abiturienten nach Ablegung der Lehrerprüfung die Theilnahme an einem zu diesem Zwecke an der unter Leitung des Vorsitzenden stehenden Thora-Lehr-Anstalt zu gestaltenden, auf etwa zwei Semester berechneten Kurses durch Gewährung von Stipendien thunlichst zu ermöglichen, von welchem Beschlüsse die Direktoren der in Betracht kommenden israelit. Lehrerseminare in Kenntniß gesetzt wurden. Dieser Kursus ist bereits in's Leben getreten. Eine weitere die Interessen des gesetzestreuen 'Judenthums ernst berührende Angelegenheit, welche sich der Erwägung des Vorstandes darbot, war die namentlich in Norddeutschland angeregte Schaffung einer Gesammtorganifation aller deutschen Juden. Ein von einem Komitee erwählter Ausschuß hatte beschlossen, im Anschluß an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und an die übrigen bestehenden jüdischen Organisationen geeignete Vorschläge, behufs Organisation einer dauernden Vertretung aller Jude» Deutschlands einer eknzuberufenden Versammlung zu unterbreiten und es wurde von demselben zunächst ein Rundschreiben an alle Gemeinden versandt, um Beitrittserklärungen zu diesem Projekte zu erlangen. Das Rundschreiben hatte zwar versichert, daß die Fragen des Kultus und des Ritus der Kompetenz der zu bildenden Gesammtorganisation entzogen sein sollen. Es wurde aber andererseits doch in dem Rundschreiben als Grund der Nothwendigkeit einer solchen Organisation, insbesondere das Bedürfniß einer natürlichen Fortenwicklung aller geistigen Institutionen des Judenthüms betont, zu welchem Zwecke alle Kräfte im Judenthum züsammenzufaffen seien, „damit dasselbe seinen Bestand wahre und stärke und seine Mission erfülle." Da aber mit Rücksicht auf die in der heutigen Judenheit bestehenden tiefgehenden religiösen Gegensätze, in Folge deren die Ansichten des gesetzestreuen Judenthums und der gegenüberstehenden Richtung über die Mission und Aufgabe des Judenthums und der Judenheit weit divergiren, eine solche Gesammtorgani- . sation ernsten Bedenken für die Interessen des gesetzes? treuen Judenthums unterliegen muß, so sah sich.der Vorstand veranlaßt, unter Hinzuziehung der Rabbiner- Kommission der Vereinigung diese Angelegenheit eingehender Berathung zu unterziehen. Deren Ergebniß - war, daß es sich im Interesse des orthoböxen Juden-' thums, namentlich im Hinblick auf die Erfahrungen,