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Der Israelit · 1903-11-16 · Heft 91 (16.11.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 91 (16.11.1903)
Date
1903-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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- \ ' 1993 '.- ' /’•- . -;\:;.- So kam ich heiteren, frohen Sinnes nach Wien; denn mein Weg führte über Wien, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß . mein Vater in einem der schrecklichen, dortigen Kerker schmachtet, mit der Aussicht, zum Tode verurtheilt zu werden. Aber Gott schickte die Heilung vor der Krankheit, indem er durch mich einen Zwischenfall herbeiführte, aus dem meinem Vater — sein Andenken sei zum Segen—die Rettung ward. Bevor ich nämlich, in Wien einzog, legte ich mich, um ein wenig auszuruhen, auf einen Waldrasen nieder, der den Wienern als beliebter Erholungsort gilt. Es war dies eine gute Viertelstunde von der Stadt entfernt, an einem Ort, der Zur Sommerzeit viel von fürstlichen Personen als Spaziergang frequentirt wird. Aber in diesem Augenblick war keine Menschenseele da. Denn im Innern der Stadt fand gerade um diese Zeit cine große Parade statt, welche alle distinguirten Personen ungezogen hatte; deßhalb war's hier ganz leer. . Ich hatte meinen Kleiderpacken unter das -Haupt gelegt und überlegte mir, wen ich zuerst in Wien aufsuchen solle., denn da mein Vater vorher dort Rabbiner war, so hatten wir daselbst viele Freunde. Plötzlich hörte ich hinter mir einen fürchterlichen Schrei: „Hilfe, Hilfe, wir sind verloren!" Ich sehe hin und gewahre einen wilden Vüffelochsen in der Richtung der Stadt her, cine ansehnliche, jugendliche Frau verfolgen, die von einer Gouvernante und einem kleinen Kinde an der Hand begleitet war^ sämmtlich vor dem wilden Stiere flüchtend. Der Büffel stürzte den Verfolgten, mit. furchtbarem Gebrüll nach, und war etwa noch kaum' zehn Klafter weit von ihnen entfernt. Den Stier hatte/ wie ich sofort sah, ein rothes Tuch in Wuth verseht, das die Gouvernante an hatte. Sofort riß ich der Dame das Tuch herunter und warf es dem lvüthenden Büffel vor die Füße, der es in Fetzen zertrat und es dann mit den Hörnern in die Lüfte warf. Auf diese Weise hatten die Damen Zeit sich hinter einem Baume zu verstecken. In diesem Augenblicke kam die Karosse mit dem Manne der jungen Frau nachgefahren. Der Mann hatte die Brust mit Orden überladen. Die Damen erzählten ihm, was soeben vorgefallen war und stellten mich ihm als ihren Lebensretter vor. Der Mann war; kein geringerer, als der französische Gesandte in Wien, verstand aber kein Deutsch. Er fragte mich auf französisch, wer ich sei und ich antwortete ihm auf französisch, daß. ich ein Jude,. der, Sohn eines großen Rabbiners sei. Denn während der vier Jahre, die ich in.Metz war, habe.ich gut französisch gelernt, , da Metz zu FraiUpich gehört! i i rDer Gesandte verlangte nun, daß ich mit.ihm nach S.HWe, fahrcw sollet'' Jchllchnte sem.Wige^AneMefeiu aber dankend ab... Auch .Geld,wollte er, mir geben, daH. ich aber ebenfalls, nichtannahm. Darauf fragte mich der Fürst: „Wie kann ich Ihnen aber den Dienst perg^lten, den Sie uns geleistet - haben.?" „Mein schönster Lohn, verehrtes Herr, /wizK es sein," entgegnete ich, ..wenn Euere Hühech-der^Juden eine wohlmeinende Gesinnung - bewahren ustd^die gute Meinung von ihnen haben, daß . wir Mch"ohne Wohnung Gutes zu thun verstehen." - §•* ' „Also es bleibt dabei, junger^ Mann,". antwortet der Gesandte. „Ich werde bei jeder HeleMheit bereit sein, mich als Euer Freund zu bewähre^ Wielleicht, da die Juden in diesem Lande vieMch^Bedrückungen und Verfolgungen ausgesetzt sind, trifft sich einmal eine Veranlassung, bei derich etwas?? Mfen könnte. Dann kommen Sir zu mir und, ich werg^-für Euch handeln, wie Sie für uns gehänbeliHaben. Wenn ich bin hier Gesandter des französischen §konigsEÄshs, und habe als solcher einen großen Eittfluß^^" In dieser Meise sagte er mir noMviel/Perbindliches und Liebenswürdiges,, erkundigte ^sich^v W-l^ich Französisch gelernt habe,.dankte mirötausendlnaknund ebenso die Frau und Gouvernante.- Es fei ihllew ^id, daß ich Jude sei, sonst könnten und^WüMsifsieMich glücklich machen, bemerkten die Damen./ D^'Dej'andte gab mir seine Karte, sie trug den Nctwen" desFürstcn von Turenne, des berühmten spätere^Feldmarschalls, ein Titel, den er damals noch nicht haste/der ihm/aber kurze. Zeit darauf verliehen würde. Die Herrschaften, deren Palais sich außerhalb--der Stadt in einem Lustgarten befand, /fuhren nun-!zur Stadt, um der Parade, b.eizüwohnech Ivahrend^kch hiit meinem Päckchen dem Judenviertel züsteuette. / Denn die Inden hatten, in.Wien damals ein beson^e.EViertel inne, das ich mit Eintritt der Nacht erreichte. In Folge dessen erkannte mich auf der Straße Piemand. Ich hatte die Absicht, zuerst meinen Onkelimütterlicherseits, Rabbi Varuch Satruner, hüfAusücheN/fand aber die Haustbüre 'bereits geschloffen. , Auf/.,mein Pochen wurde mir geöffnet, ohne daß man nuch-stm ersten Augenblick erkannte, denn sie hätten mich Mehr als zehn Jahre nicht mehr gesehen.: Als sie: nstchaber erkannten, rief dies eine erschütternde' Bewegung/bei ihnen hervor. Meine Tanse. - girÄM^.-VorziMmer und , schluchzte so laut, . daß, mein.5)nkel', chenfalls-zu weinen begann. Dann sah ich die: übrigen Hausgenossen sich etwas leise zuflüstern,' kurz-e's wähttenicht lange, bi.A,- ich.'erfuhr.-,.was in Wirklichkeit.v.o.ttzfng. Mein -Onkel erzählte mir dann.Gunter,:.- strömenden -Thränen den,ganzen Vorgangs■:£.£' Wie mit das Gehörte, has.'Herz, bsych/.hxrtH^sich nicht ^iederzuschLLiben:^fühste:üchH.ich chgch aus der höchsten°.Hol>>e'ist die-tiefste Tiefes gef^feisderH all.Mern- Hxeude,.-glk meine, schönen fAyffnungen..-^ waM.i' zerstoben. ^Wiewelln/ plötzlich das LichtverköschtMd^dichte ' MnyexAßIvH.üMäng^^.sKWMK.mijcM Sinne; ich sah und. hörte nichts mehr. Dabei stand ich noch immer da mit meinem Packen auf dem Rücken. Sie

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