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Der Israelit · 1903-09-21 · Heft 75-76 (21.9.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 75-76 (21.9.1903)
Date
1903-09-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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t - iGl entschieden werden können, da dieser nur besagt, daß bei den zu rezitirenden Gebeten entsprechende Ordnung obwalten muß, was jedoch beim Singen wie Sprechen gleichmäßig der Fall sein kann. Dem Vorbeter N. N. wird nahe gelegt, jeglicher Renitenz gegen den Distriktsrabbiner in Zukunft sich zu enthalten, da dies unliebsame Folgen für ihn haben könnte. - Nachweis über die Eröffnung wird binnen sechs Tagen gewärtigt. < . I. V. (gez.) Freiherr von Eyb. Ungarn. Budapest, 17. Sept. Der. Juden wird inder ungarischen Geschichte jederzeitbetreffs ihrer patriotischen Gesinnung und der Liebe zur ungarischen Heimath lobend Erwähnung grthan, und wir finden unter den ungarisch-jüdischen Staatsbürgern tüchtige Gelehrte und tapfere Offiziere, wie zahlreiche Kaufleute vertreten, die sich um die Hebung des Handels Verdienste erwarben, so daß sie wiederholt in Anerkennung ihres Wirkens von Sr. Majestät dem König ausgezeichnet wurden. Den Juden in der Ausübung ihrer Religion Zwang aufzulegen oder gar daran zu verhindern, eventuell das Einhalten seiner religiösen Vorschriften zu erschweren, wäre die größte Sünde und Ungerechtigkeit, wäre sogar Religionsstörung, was auch gegen das christliche Gebot der Nächstenliebe, ebenso wie gegen das Gesetz verstoßen würde. Die orihodoxen israelitischen Bäcker geben ihren Arbeitern durch das Einhalten des Samstages nebst der sonstigen israelitischen Feiertage 74 Tage im Jahre frei. Nun hat der Handelsminister Lang durch seine famose Sonntagsruhe diesen armen Landbäckern außerdem 64 Tage zur Erholung gegeben. Diese zu übergroße Menschenfreundlichkeit richtet circa 800 Bäcker total zu Grunde; denn während die übrigen Bäcker 64 Tage verlieren, entfällt den ersteren 128 Tage, und wie Jedermann weiß, kann man vom Nichtbacken auch nicht leben. Nun wollen sich die orthodox-israelitischen Bäcker organisiren und den Handelsminister bitten, er möge ihnen gestatten, auch an Sonntagen von 10—12 Uhr Gebäck zu erzeugen, und falls hohe israelitische Feiertage an einen Montag fallen, soll es diesen Bäckern gestattet sein, auch am Sonntag Varches zu erzeugen. Der Minister dürfte um so eher diese Bitte gewähren, nachdem den übrigen Kollegen kein Schaden daraus entsteht, da ja nur ausschließlich Juden Barches essen, welche für die Feiertage unbedingt vorhanden sein müssen. Behufs Durchführung dieser Reform wollen sich die israelitischen Bäcker organisiren, und es hat sich ein Komitee aus folgenden Herren gebildet: Simon Rosenfeld und Mor Freund (Pozsony), Mußnyak (Kassa). Fischer (O-Gyala), Grünfeld (Debreczen) und Jakob Flesch (Wieselburg). Der Redakteur der „Unr garischen Bäcker-Zeitung", Julius Steiner, richtet an die ungarischen Rabbiner die Bitte, diese Organisation zu fördern und zu unterstützen und die in ihren Bezirken befindlichen orthodox-israelitischen Bäcker zum Beitritte in die Organisation aufzufordern; denn nur eine Organisation könne zum Ziele führen. Zuschriften und Anmeldungen sind entweder an Herrn Simon Rosenfeld, Bäckermeister in Pozsony, oder an die Redaktion der „Ungarischen Bäcker-Zeitung", Budapest, VI., Ter6z-körut 44, zu richten, y; i Englan d. ... London. (Jüdischer Gottesdienst aUf hohe.r See.) Die Schiffahrtsgesellschaft Union- Castle- Line hat auf ihren zwischen London und dem Kap verkehrenden Schiffen je eine Kabine zum jüdischen Gottesdienst eingerichtet, der auf allen Schiffen abgehalten werden soll, die sich noch während der hohen Festtage auf dem hohen Ozean befinden. Der vor einigen Tagenabgegangene Dampfer „Berwick Castle" war der erste, der mit einer Synagoge eingerichtet war. Der Sekretär des hiesigen ' jüdischen Obdachs ist der Verwaltung der Schiffsgesellschaft bei den nöthigen Arrangements behilflich gewesen. Rußland. Petersburg, 17. Sept. Wie im nichtamtlichen Theil des „Regierungsboten" gemeldet wird, entwickelte sich in Homel, im Gouvernement Mohilew, am 11. September in dem dortigen Bazar aus einem Streit zwischen einem Bauern und einem jüdischen Händler eine erbitterte Schlägerei zwischen Juden und Russen. Als die Polizei die Ordnung wieder Herstellen wollte, warfen die Juden mit Steinen auf dieselbe, auch wurden aus ihrer Mitte Revolverschüsse abgefeuert, auf welche die Polizei mit Schüssen in die Luft antwortete. Bei der Prügelei wurde ein Russe von einem Juden durch einen Messerstich in den Leib tödtlich verletzt. Ein Jude und sieben andere Personen trugen leichtere Verletzungen davon. Pm 14. September wiederholten sich die Unruhen; russische Arbeiter fingen an, aus Rache für die am 11. September zugefügte Kränkung, im Judenviertel Buden zu zerstören. Bei dem Zusammenstoß mit den Juden wurden auf beiden Seiten etwa 20 oder mehr Personen verwundet. Als Truppen erschienen, wurden diese von den Juden mit Schüssen empfangen. In Folge dessen ist von den Feuerwaffen Gebrauch gemacht worden. Gegen Abend war die Ruhe wieder hergestellt. Nach Berichten des inzwischen in Homel eingetröffenen Gouverneurs sind während der Unruhen fünf verwundete Christen und neun Juden in die Stadtspitäler eingeliefert worden; getödtet wurden vier Christen und zwei Juden. Es bleibt abzuwarten, wie die Sache von nichtantisemitischer Seite dargestellt wird. Wahrscheinlich werden die Christen der Hammer und die Juden der Ambos gewesen sein..Cv _•

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