Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 75-76 (21.9.1903)
- Date
- 1903-09-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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ZeitungsttachrrchLen und Correspondeuzen. D e u t schwand. Berlin, 17. Sept. (Juden in den Ber- . liner höheren Schulen.) Das kürzlich erschienene praktische Büchlein des Oberlehrers O. Spruth vom Realgymnasium in Charlottenburg, das unter dem Titel: „Berliner Schulkalender" die Verhältnisse der höheren Schulen Berlins und seiner Vororte kurz behandelt, enthält auch Angaben über die konfessionelle Zugehörigkeit der Schüler der höheren Lehranstalten. Danach zählt das König!. Wilhelms- Gymnasium 290 Juden und nur 281 Christen, da-- runter 8 Katholiken, das Königl. Französische Gymnasium 113 Juden und 116 -j- 13 Christen, das Friedrichs-Gymnasium 202 Juden und 279 -j- 36 Christen, das Sophien-Gymnasium 251 Juden und 308 -j- 23 Christen und das Köllnische Gymnasium 160 Juden und 209 -f- 9 Christen. Was die höheren Mädchenschulen anlangt, so hat die Charlottenschule neben 367 Jüdinnen nur 349 -j- 10 Christinnen, an der Sophienschule sind die entsprechenden Zahlen 324 und 369 4- 3, an der Margarthenschule 292 und 341 + 8. Diese Zahlen sind um so schwerwiegender, wenn man erwägt, daß die jüdische Bevölkerung Berlins nur 6 pCt. der Berliner Gesammtbevölkerung ausmacht, und daß im ganzen Deutschen Reiche die Juden nur wenig über 1 pCt. der Bevölkerung ausmachen. Posen. Ueber Emanzipationsbestrebungen zu Gunsten der Posen'schen Juden am Ende des 18. Jahrhunderts macht aus den Akten des Posener Staatsarchivs I. Landbserger in den „Histor. Monatsbl. f. d. . Prov. Posen" einige Mittheilungen, die namentlich deßhalb von Interesse sind, weil sie Zeugnitz einer aufgeklärten, toleranten Gesinnung sind, die leider heutzutage nicht überall gefunden wird. Damals aber ließ es sich die Negierung sogleich nach der Erwerbung <ÄÜdpreutzens (1793) angelegen sein, die Lage der dortigen Juden zu verbessern, weil sie, wie der Minister v. Voß schon in einem. Reskript vom Januar 1794 aussprach, der Ansicht war, daß im ganzen genommen der südpreußische Jude ein kultivierterer Mensch sei. als der Bürger in den kleinen Städten und der iöauer auf dem Vlatten Lande. Der Minister wollte daher der Industrie der Juden aufhelfen, zugleich empfiehlt er der Erwägung des neuernannten Oberpräsidenten von Südpreußen, v. Buchholz, ob jenen die Anlegung von Ackerwirthschaften verstattet werden könne. Noch weiter ging der.Minister, für ,Schlesien, Graf Hoym, zugleich Nachfolger Voß' für Südpreutzen, der in einer Denkschrift vom März 1795 aussprach, die ' Juden müßten, um sie . zu glücklichen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft zu machen, vollkommen gleiche Rechte mit den übrigen Unterthanen erhalten. Hierin stimmte denn freilich die Posener Kriegs- und Domänenkammer, die sich über jene Denkschrift des Ministers gutachtlich zu äußern hatte, Hoym nicht ganz zu; immerhin war sie so weit mit dessen Ideen einverstanden, daß sie sich dafür aussprach,' die Juden sollten, in allen den Punkten, die nicht genauer festgesetzt seien, in der Regel nach dem Recht der christlichen Bewohner der - Provinz behandelt werden. Aber Hoym wollte entschieden weitergehen; er verlangte m einem Reskript an die Kammer vom August 1796 gewisse Nachweise, um darüber Beschluß zu fassen, wie weit den südvreußischen Juden ein ausgedehnterer Handel, Betrieb der Handwerke sowie der Ankauf städtischer Häuser und Grundstücke zugestanden werden könnte u. dgl. m. Dann erklärt das Aktenstück weiter, der König sei „gesonnen, die jüdische Volksklasse in Südpreußen den Wohlthaten und Gerechtsamen der dortigen christlichen Bürger und Unterthanen möglichst nahe zu führen, um in dieser Provinz, wo der Zunftzwang wenig Hindernisse in den Weg legen wird, ein Beispiel aufzustellen, daß der jüdische Staatsbürger, sobald er seinerseits seinen Ver- . Kindlichkeiten nachkommt und selbige ebenso wie die christlichen Einwohner erfüllt, auch in seinen Nations¬ und Religionsverhältnissen dem Staat durch gehörige Einschränkungen nicht schädlich werden kann, keineswegs wegen seiner Religion in Druck gehalten, sondern in gute und möglichst gleiche Nahrungsverhältnisse mit allen Einwohnern im Staat, nach Maßgabe seines Standes und Gewerbes, gesetzt werden muß." Diese schönen, löblichen Grundsätze konnten denn freilich nicht auf einmal in's Leben geführt werden; immerhin gewährte nicht nur das General-Judenrcglement für Posen vom 17. April 1797 den Juden sehr wesentliche Verbesserungen ihrer Lage, sondern wir sehen auch nach dessen Erlaß die leitenden Kreise bemüht, die Juden der christlichen Bevölkerung anzunähern; als letztes Ziel dieser ganzen Judenpoliiik nämlich wird — in einem Reskript vom Dezember 1797 — bezeichnet „die politische Einheit dieses. Volkes zu vernichten, die Juden also in die deutsche Nation aufgehen zu lassen." Ehdtkuhnen, 14. Sept. Herr Vr. Friedberg (Inhaber der hiesigen großen Speditionsfirma Bern- * heim & Cie.) hat für die neue Gemeinde-Synagoge in Kitbarty außer 3000 Rubel von früher, jetzt noch die Kosten für den Oren hakodosch aus eigenen Mitteln