Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-09-17 · Heft 74 (17.9.1903) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 74 (17.9.1903)
Date
1903-09-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449960--59092-2523539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

j c jBm^T^iikäs^wwL^ 1658 fuß bringt Zerstörung." Der Ausdruck „mit Lieb" kommt als Glückswunsch übrigens des öfteren vor. z. B.: „Den und den mit Lieb' fährt sich mein Kind." — Noch sei beiläufig bemerkt, daß bei den Rabbinen die Frau für weniger gastfreundlich gilt, als der Mann (Baba M. 87. Jalkut Wafera 82). indem sie zugleich auf Sarah Hinweisen, welche für die zu bewirthenden Engel nur grobes Mehl nahm, indeß Abraham feines Mehl genommen haben wollte. Bei Beginn des Feiertags nach Vollendung des Gebetes oder auch beim Eintritt in das Zimmer sagte man für das gewöhnliche ..guten Tag!" „guten Abend!" „gut Jontef!" „Jontef" ist verdorben aus jom tob, guter Tag. Festtag. (1. Sam. 25. 8.) Der Gruß „Gut Jontef!" stellt also — um mit Wustmann zu reden — eine „Sprachdummheit" vor durch die Verdoppelung des Adjektivs. Am Sabbat heißt es „Gut Schabbes". Die Antwort darauf lautete stets: „Gut Jahr!" (Johr) oder auch: „Gut Schabbes und gut Johr!" Man wollte in reichlichem Maße den angewünschten „guten Tag" durch ein ganzes Jahr vergelten. (Vergl. Gkttin 62:,.) Wer den Gegenqruß unterläßt — so meint sinnreich der Talmud — hat „den Armen beraubt." Bei jedem frohen Ereigniß hieß der Zuruf „Massel tov!" d. h. „Zum Glück!" Ebenso sagte man auch ..Viele folgende." „ferner viel Simches!" wie der Engländer heute noch sagt: many happy returns. — ..Massal" heißt eigentlich Planet. Stern: daher massal tob. guter Glücksstern, sowie andererseits „Schlimm- Mastel". ein schlimmer.Stern. Unstern. Unglück oder Trübsal heißt. Der Dank darauf lautet: „boruch tibjeh!" gesegnet seist Du., oder in der Mehrzahl: ..Veruchim tibju", gesegnet sollt Ihr sein. Ein etwas verlängerter Wunsch war „Zu Massel und zu Brache!" ..Zum Glück und zum Segen!" (berochoh). Oft ward ker Wortlaut dieser Formel auch benutzt, um seden Zank sogleich zu beschwichtigen, wenn iemand im Hause aus Ungeschicklichkeit ein wertbvolles Gefäß verbrach, gleichsam: „Zu Massel zerbrochen!" wie im ähnlichen Sinne: „Gam fu letauvo". ..Alles Bös' mit aweg!" mit dem erlittenen Verluste nämlich. Wir sind dabei eigentlich schon vom Gebiet des iüd. „Grußes" hinübergealitten in das des „Glückwunsches". Weil aber beides so enae zusammenhängt, so sollen hier zum Schlüsse einige Beisviele ans der Reibe der „Glückwünsche" mitaetheilt sein, weil diese durch Kürze der Form und Häufigkeit der Anwendung einem Gruße füglich gleichstehen. Sehr populär ist der Wunsch „Jisch kooech!" Es sollte eigentlich heißen jejascher kochachoh! Er (Gott) möoe Deine Kraft leiten, beglücken. (Vergl. Svr. Saß 3. 6.11. 5.) Das Wort gilt als Dank für einen geleisteten Dienst, für eine erwiesene Gefälligkeit, für eine Ehrenbezeugung, besonders auch fiir die Uebertragung eines Ehrendienstes (Mizwah!) im Gotteshause. Gegengruß: „kochachoh jejascher!" Hat jemand soeben Medizin genommen, oder auch beim Weggehen von einem Kranken überhaupt wünscht man „Rephue schleeme?" frephuah schelemah) „Zur vollen Genesung!" Der Kranke fügt dem Wunsche des Freundes zur' Be- ' kräftigung das Wort „Omen" (Amen) hinzu. Beim Zutrinken galt der Wunsch: „Lechajim!" Die Antwort lautet: „Lechajim toowim!" zum guten Leben. — Im Talmud (Sabbat 67, Jalkut achare mot 587) wird die Frage aufgeworfen, ob das „Zutrinken" nicht als Nachahmung heidnischer Gebräuche (das Zutrinken war bei den Griechen Sitte) verboten sei. Es wird indessen erlaubt und Rabbi Akiba brachte sogar bei einem Freudenmahl seines Sohnes den Toast ans: „Wein und Leben in den Mund der Rabbinen! Wein und Leben in den Mund ihrer Schüler!" Weit verbreitet ist das Wort „Asusse!" Man ruft es dem Niesenden zu. Asuso, asutha, aswoso bedeutet „Gesundheit", von ast — heilen. Die Antwort hierauf war entweder hebräisch „boruch trhjeh!" „fei gesegnet!" oder deutsch „Wohl gescheh 'ch!" (geschehe Euch), lieber den Brauch, beim Niesen eines anderen ihm Gesundheit zu wünschen, heißt es in Birke R. Elieser 52: Seitdem Himmel und Erde erschaffen worden, war kein Mensch krank, sondern überall, wo er war, auf dem Wege oder auf dem Markte, nieste er und seine Seele entfloß, bis Jakob kam und deßhalb betete. Er sprach: „Herr aller Welten! nimm mir meine Seele nicht, bevor ich meinen Kindern und Enkeln meinen Willen kundae-. geben!" Und er fand Erhörung.^ So heißt es (1. B. M. 48,1): „Nach dielen Begebenheiten wurde dem Josef gemeldet: Dein Vater ist krank." Das hörten alle Fürsten der Erde und staunten darüber: denn so was war nicht geschehen, seit Himmel und Erde erschaffen, worden. Deßhalb muß man beim Niesen „zum Wohlsein!" (chajim, Leben) sagen, weil dieser Tod sich in Leben verwandelt hat, wie es in Hiob (Kap. 41.. 9) heißt: ..Sein Nieten leuchtet wie das Licht." — Auch die Griechen riefen dem Niesenden ähnlich zu. hielten aber das Niesen, re nachdem es frühe oder spät, rechts oder links stattfand, für ein gutes oder höfes Omeiß — Der alte Jude sah es gern, wenn das jüngste Kind am Abend nach Ausgang des Sabbat nieste: es bedeutet eine gute Woche. Allen Lesern des „Israelit" aber wünsche ich'nicht nur eine gute Woche, sondern auch ein gutes masseldiges Jahr und a*rra. A. Mannheimer, Dettelbach.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.