Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1903)
- Date
- 1903-09-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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jühtttt Spw| MM neuen anve Zu allen Zeiten empfanden die Menschen das Bedürfniß. sich bei gegenseitiger Annäherung gewisser Umgangsformen und Redensarten zu bedienen, d. h. sich zu begrüßen. Und nicht nur beim Zusammentrefsen wurde ein Gruß getauscht; auch beim Weggehen, beim Scheiden' von Freunden und Bekannten war dies der Fall. Ebenso hatte man bestimmte Wunschformeln bei den verschiedenen Gelegenheiten und Wechselfällen, wie sie eben das Leben mit sich bringt, seien sie heiterer Natur oder ernsten Charakters. Ein Gruß ist ja schließlich nichts anderes, als ein Wunsch, und umgekehrt. Im hebräischen Sprachschätze fließen beide Begriffe ineinander, sie sind gar nicht voneinander zu scheiden. So lesen wir im 1. B. M. 14. bei der Begegnung Malkizedek's und Abraham's: Und er (Malkizedek) segn-ie ihn und sprach: „Gesegnet sei Abraham von dem höchsten Gotte, dem Schöpfer des Himmels und der Erde." — Der Segenswunsch war der Gruß. Als Jakob seine Audienz bei Pharao in Egypten hatte, wird uns von einem zweimaligen Gruße erzählt: beim Eintriit und Weggehen. (1. B. M., Kap. 47, V. 7 und 10.) Auch dort ist der Gruß als Segensausspruch wiederge eben: „Jakob segnete den Pharao", — „Jakob segne!: den Pharao und ging hinweg von Pharao." — Die Erkundigung nach dem Wohlergehen wird schon als ein Gruß aufgefaßt, indem sich darin die wohlwollende Absicht, die persönliche Gewogenheit, die Zuneigung jemandes ausspricht. So 2. B. M., Kap. 18: (Als Jitro zu Moses kam) einerfragte nach dem Wohlergehen des andern, genauer: nach dem Frieden. Ueberhaupt spielt das Wort Frieden eine hervorragende Rolle im jüdischen Gruße. Doch davon noch später. Außer in Worten kann die Begrüßung sich noch in anderne Formen äußern. Eine bunte Musterkarte vermag in dieser Beziehung die Völkerkunde aufzustellen. Jede Nation hat ihre eigenen Grußformeln und -Formen. Es mag uns beispielsweise Possirlich Vorkommen, wenn uns erzählt wird, daß bei gewissen Jndianerstämmen der nahende Freund durch ein ohrenbetäubendes Geschrei begrüßt wird, wobei man vielfach wiederholte Luftsprünge macht. Die Chinesen reiben sich gegenseitig die Nasenspitzen u. s. f. Da man bei uns gegenwärtig den Gruß durch Hutabnehmen durch den militärischen (Handanlegen!) ersetzen möchte, so weisen die Reformer auf diesem Gebiete darauf hin. daß einem Fremden das Hutabnehmen schließlich so lächerlich Vorkommen kann, wie man bei gegenseitigem Zusammentreffen den Rock auszieht oder die Schuhe von den Füßen löst. Bei den Juden weiß man hauptsächlich nur von der Verbeugung und dem Kusse bei der Begrüßung, bei der Begegnung und beim Scheiden zu berichten. Unzählig sind hier die Belegstellen, welche in der heiligen Schrift sich finden. Es würde zu weit führen, hier eine Auslese zusammenzustellen. Hervorgehoben darf aber , werden, daß merkwürdigerweise die berden alten und -ältesten Begrüßungsforme««» sich überall und bis in die neueste Zeit erhalten haben, wohl in Folge ihrer Einfachheit und Natürlichkeit. Daß bei verschiedenen Gelegenheiten, in verschiedenen- Ständen, zu verschiedenen Zeiten der Gruß wechselt, ist klar. Man denke nur — um wieder auf