Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1903)
- Date
- 1903-09-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449958--59039-2523484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wahr ist es. daß man sich in letzter Zeit bei Ver- . sendung meiner Drucksachen einige Male der russischen ' Post bediente, und glaube ich, daß dies nur Geschäftssache ist, zumal die russische Post 25 bis 33 pCt. den Absendern gewährt, was der Herr Artikelschreiber erwähnt. Jedoch um dem einmal ausgesprochenen Wunsche nachzukommen, habe ich meinen Geschäftsführer sofort angewiesen, alle meine Sendungen ausschließlich von der türkischen Post befördern zu lassen. Mögen die geehrten Abnehmer meines litterarischen Almanachs sowie meiner Palästina-Bibliothek versichert sein, daß ich nicht mit Absicht Obiges gethan, sondern rein lediglich das geschäftliche Interesse dabei im Auge gehabt habe. Hochachtend A. M. L u n c z aus Jerusalem, z. Z. in Siratzburg. Die Budapester Brandkatastrophe. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat vor wenigen Tagen ein großes Waarcnhaus in der ungarischen Hauptstadt zerstört, viele — heute noch nicht mit Bestimmtheit anzugebende Zahl — Menschenleben gefordert, von welchen ein Theil — und zwar der weitaus bedeutendere — in dem brennenden Gebäude eines schrecklichen Todes umgekommen, während die mit dem Leben davongetommenen möglicherweise für immer Krüppel bleiben werden. Ueberall sieht man die regste Theilnahme den bedauernswerthen Opfern sich zuwenden, denen durch Uebermittelung von Unterstützungen mindestens für die nächste Zeit der Lebensunterhalt verschafft werden soll, dessen sie ja so dringend bedürfen. Für die Bekenner der jüdischen Religionsgemeinschaft zumal ist es diesesmal von besonderer Wichtigkeit, helfend und fördernd einzugreifen, sind ja alle Opfer der Katastrophe Fleisch von unser m Fleische, Blut aus unser m Blute! Jüdische Familien sind betroffen, und da das jüdische Herz immer und jederzeit bereit ist, Wohlthun zu pflegen. Nächstenliebe zu bethätigen und Humanität zu üben, bietet sich jetzt besondere Gelegenheit, unseren ohne Verschulden verarmten Glaubensgenossen helfend beizustehen! Zu diesem Zwecke empfehlen wir auf das Angelegentlichste untenstehenden Aufruf, der das Elend zu mildern bestimmt ist. Möge jeder Jude sein Scherslein beitragen, die Noth und die so traurige Lage der Bedauernswerthen zu verbessern, denen vor den bevorstehenden hohen Festtagen es wohl nicht mehr ermöglicht sein wird, Verdienst und Erwerb zu finden. Eine Wiener Hilfsaktion. ..Ein fürchterliches, in seinen Folgen derzeit noch nicht auszumalendes Elemeniarereigniß hat die Bevölkerung der ungarischen Metropole, alle edel und human denkenden Menschen auf dem ganzen Erdenrunde mit starrem Entsetzen erfüllt: eine Brandkataitrophe von erschreckenden Dimensionen hat mehr als fünfzehn Verwundete und eine bisher noch nicht festgesetzte Zahl Todier gefordert. Die Schreckensszenen, die aus Budapest täglich in die Oeffentlichkeit dringen, lassen den ungeheuren Umsang des unsäglichen Jammers erkennen, von welchem so viele Familien betroffen wurden, die den Verlust ihres Ernährers beklagen: den Vater, der um das Wohl der Kinder besorgt war, den Sohn oder die Tochter, die, als Stützen ihrer Eltern, in dem abgebrannten Geschäftsbause ihren redlichen Erwerb fanden. Allenthalben regt sich für die Bedauernswerthen tiefes und inniges Mitleid, das aber nur dann die richtige Wirkung erzielen kann, wenn es den Opfern ermöglicht ist, ihre Lebensexistenz. um welche so viele kamen, sich zu sichern, und hierzu bedarf es nicht allein der Trostesworte, sondern der THaien' Diese sind es, deren die Hinterbliebenen bedürfen! Diese Thaten mögen sich durch reichlichst entfließende Spenden dokumentiren, die den ohne ihr Verschulden an den Bettelstab gebrachten Familien zugewendet werden mögen, die diese Art der Theilnahme bedeutend höher schätzen würden, als den bloßen Ausdruck des Mitgefühls! Mögen diese Spenden in ausgiebigem Maße fließen, das traurige Loos der mit dem Tode ringenden Opfer sowie der zahlreichen Hinterbliebenen der als verkohlte und verstümmelte Leichen hervor gezogenen Geiödieten zu lindern, . mögen diese Spenden nach dem Worte: „Wer schnell gibt, gibt doppelt!" ersließen. Spenden werden erbeten an die Samnielstelle Emil Jelinek, Wien, 1. Bezirk. Seitenstettengasse 5, von wo aus die Gelder der richtigen Adresse behufs Verkeilung übermittelt werden." Um möglichste Weiterverbreitung wird im Interesse des edlen Zweckes höflichst gebeten! Juristischer Beirath -es „Israelit." Uutrn Abonnenten erhalten unentgeltliche Auskunft in alle« Rechtsangelegenheiten. Abonnemcntsquittung ist gefl. beiznlegen. Auch wolle man angeben, ob man die Anfragen brieflich oder im Blattte beantwortet tu haben wünscht. Die Anfrage» werden von einem bedeutenden Juristen eingehend beantwortet. I. M.iu J. Der Inhalt Ihrer Zuschrift ist unklar. Wir sind zur Ucberzeugung gelangt, daß die beiden anhängigen Rechtssachen mit dem Gesetz keinesfalls in Widerspruch stehen. Es handelt sich um zwei verschiedene Klagen und war sonach eine Eompensation nicht möglich. Wenn in der von Ihnen angestrengten Klage Ihr Gegner mit nur lv Mk. bestraft wurde. Sie dagegen die Kosten der Berufungsinstanz und außerdem in der gegen Sie angestrengten Privatklage 2V Mk. Strafe zahlen müssen, so mag solches für Sie wohl reckt peinlich' sein, ein gesetzlicher Uebcrg'iff liegt jedoch keineswegs vor. Vielleicht wild in der Berufungsinstallz das Urthcil für Sie etwas günstiger ausfalleu, dagegen werden Ihnen immerhin die gesammten Kosten der Berufung aufgebürdet werden. Was die von Ihnen bei der Staatsanwaltschaft erstattete Anzeige betrifft, so dürste es sich empfehlen, bei der zuställdigen Stelle nach dem Verbleib des Bescheides allzufragcn. Im klebrigen sind wir der Ueberzcugung» daß Ihre Rechtsanwälte ihre Schuldigkeit gethan haben und dürste es sich auf alle Fälle empfehlen, die Angelegenheit in Ruhe mit einem derselben durchzusprechen.