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Der Israelit · 1903-09-10 · Heft 72 (10.9.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 72 (10.9.1903)
Date
1903-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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l 'V - ' 44» Aahrgartg. JK'9& Aentrat-Grgan für das orthodoxe Iudsntyum. Begründet von . Dr. Ä^ehnrsnn in TAMnz. Donnerstag, den 18. Elul 5SSS 10. September 1903. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß wir heute mit __ _ dem Abdruck der bereits früher angekündigten historischen Erzählung Jtem förXr Mipmun Melkeu" beginnen. HeUtiom des „Ismelit“. Die Erstlingsfrüchte. Wenn du in das Land kommst, welches der Ewige, dein Gott dir gibt, so sollst du nehmen von den Erstlingen aller Früchte des Erdbodens, sollst sie legen in einen Korb und gehen an den Ort, den der Ewige erwählen wird. Dort nehme der Priester den Korb aus deiner Hünd, und du sollst sprechen vor dem Ewigen: Der Arami (Laban) wollte meinen Vater vernichten u. s. w. (Mos. 5., 26.) Der Grundzug der Thora ist Liebe, und der jüdische Volkscharakter offenbart sich in der schönsten Gestalt im großmüthigen Verhalten gegen die Feinde. Bosheit und Tücke, Haß, Kränkung und erlittenes Unrecht zu vergessen und die niederen Gefühle der Rache und des Grolles aus dem Herzen zu bannen, fordert die Thora mit Entschiedenheit von ihren Vekennern, und die jüdische Geschichte zeigt uns erhebende Beispiele des Edelmuthes, wie man das Böse mit Gutem vergilt. Umsomehr erregt die Einleitung des obigen Bekenntnisses unsere Verwunderung und gibt berechtigten Anlaß zu den Fragen: Warum bleiben wir stets eingedenk dessen, was Laban unserem Vater gethan hat, und warum wird seine Bosheit in diesen weihevollen Akt hereingezogen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen seiner bösen That und dem Gesetze der Erstlinge? Zur Erörterung dieser Fragen müssen wir auf das Wesen und den Inhalt dieses Gebotes näher eingehen, und um die hohe Bedeutung desselben kennen zu lernen, müssen wir uns im Geiste in Israels Vorzeit zurückversetzen und ein Bild jener Vorbereitungen und Veranstaltungen vorführen, welche unsere Vorfahren zu dieser Mizwoh getroffen hatten. . Während der Glanzperiode Israels, als jeder Bürger im eigenen Lande unter seinem Weinstock und Feigenbaum saß, wurden alljährlich unter feierlichem Schaugeprange die Erftlingsfrüchte nach Jerusalem gebracht, und dieser Aufzug gestaltete sich nach der Schilderung unserer Weisen (Bikkurim 3) zu einem erhebenden Volksfeste. Die Bewohner aller umliegenden Ortschaften versammelten sich in der Kreisstadt, und mit dem Rufe: „Auf nach Zion in das Gotteshaus," zeigte ihnen derFLHrer den Weg nach Jerusalem. Festlich geschmückt, das mit goldschimmernden Hörnern und mit Oelzweigen bekränzte Opferthier voranschreitend, setzte sich der Zug unter Hymnengesang und Cymbelklang in Bewegung. In der Nähe der Hauptstadt wurden die frommen Pilger von den entgegenkommenden Beamten freudig empfangen, u. alle Handwerker schlossen ihre Werkstätten, um den Wallbrüdern mit herzlichem Willkommengruß rntgegenzueilen. Der immer mehr anschwellende Zug kam in Jubel zum Tempelberg, und dort nahm selbst der stolze König Agrippa den Korb mit den reichverzierten Früchten auf die Schulter. Das Darbringen der Erstlinge ist ein sehr schlichtes Gebot, es gehört zu den Dingen, die kein bestimmtes Matz haben, selbst eine Feige oder ein Weizenkörnchen genügt zur Erfüllung der Pflicht, und wenn man den geringen Werth der Früchte in Betracht zieht, so ist klar, daß diesem Gebote ein tiefer Gedanke zu Grunde liegt, und die dabei entfalteten prunkvollen Beranstaltungen hatten den Zweck, durch den äußeren Glanz den inneren ideellen Werth zum Ausdruck zu bringen. Die hohe Bedeutung der Erstlinge wird von unseren Weisen in vollem Umfange anerkannt, und wie unsere alten Lehrer oft in den scheinbar unbedeutendsten Satzungen die lehrreichsten Andeutungen und erhabensten

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