Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1903)
- Date
- 1903-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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selbst in erster Linie betheiligte. Er veröffentlichte dann noch „Comment on condamne un inocent", ferner „Une Erreur judicaire" und „L'Affaire Dreyfus". Nach dem Ablauf der Bewegung widmete er sich einer umfassenden Enquete über die Lage der rumänischen Juden, die er in den „Cahiers de la Quinzaine" publizirte. Das war seine letzte größere Arbeit. England. London, im Sept. (Judenfeindliche Ausschreitungen in England.) In Wales ist eine Erscheinung zu verzeichnen, die bisher im vereinigten Königreich nicht bekannt war. nämlich die Erscheinung einer antisemitischen Bewegung. Dieser Tage waren bereits einige Juden von den Arbeitern der Dowlais Works mißhandelt worden. Am Mittwoch Nachmittag voriger Woche wurde wieder ein Jude auf der Straße angegriffen, und obgleich er sich außerordentlich zur Wehre setzte, schließlich von der Menge überwältigt und übel mitgenommen. Auch fünf andere Juden, die ihm zur Hilfe kamen, wurden böse behandelt. Die ganze Erregung gegen die Juden erklärt sich aus dem Umstande, daß eine große Anzahl rumänischer und russischer Juden in den Fabriken von Wales Arbeit angenommen hat. Die Arbeiter von Wales schreiben offenbar diesem Umstande ihren augenblicklichen Kampf mit den Unternehmern zu und scheinen entschlossen zu sein, weiteren Zuzug von ausländischen Juden nach Möglichkeit zu hintertreiben. Am Mittwoch morgen waren die jüdischen Arbeiter so eingeschüchtert, das; sie thatsächlich nicht zur Arbeit gingen, bis Fabrikbeamte und starke Polizeipatrouillen sie holten. Eine zahlreime Menschenmenge bombardirte am Abend die Häuser des Ortes, deren Bewohner man für Juden hielt. Es soll beabsichtigt sein, die ganze jüdische Arbeiterschaft nach Kanada zu exportiren. Rußland. Petersburg, im Sept. (Maßregeln gegen den Zionismus.) Wie der „Times" aus Grund einer Veröffentlichung der Jüdischen Arbeiter-Liga mitgetheilt wird, hat der russische Minister des Innern an die Gouverneure und anderen Behörden ein Rundschreiben gegen den Zionismus erlassen, in dem ausgeführt wird, daß die Zionisten ihr ursprüngliches Ziel — Gründung eines Staates in Palästina — aufgegeben hätten und jetzt die jüdische Rational-Jdee zu stärken versuchen, was der Verschmelzung der Juden mit den andern Unterthanen des Zaren, dem von der kaiserlichen Regierung verfolgten Plane hinderlich sei. Die Behörden werden daher angehalten, folgende Maßregeln zu ergreifen: 1) Die Aktion der „Magids" oder Wanderagitatoren, die in Synagogen und öffentlichen Versammlungen Reden halten, zu verbieten; 2) keine öffentlichen oder andere Versammlungen zu erlauben; 3) Konferenzen der Delegirtcn und Mitglieder zionistischer Organisationen zu verbieten; 4) Geldsammlunaen für den jüdischen National-Fonds und die Verbreitung von Aktien desselben zu verhindern; 5) die Zionistenführer zu zwingen, ein Schriftstück zu unterzeichnen, daß sie keine Fonds mehr sammeln und alle in ihren Händen befindlichen Fonds der Odessaer Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Farmer und Handwerker in Syrien und Palästina übergeben werden, ferner alle fetzt in Rußland zirkulirenden Aktien des Jüdischen National- Fonds zu konfisziren; 6) Schulen. Bibliotheken für Erwachsene und andere Institutionen, in denen Alt- Hebräisch gelehrt wird und die dazu beitragen, die Juden als abgesonderte Rasse zu erhalten, streng zu überwachen; 7) über zionistische Neigungen aller Kandidaten für Rabbiner-Posten und andere Aemter zu berichten. Es bedarf noch der Bestätigung, ob ein Erlaß, wie der vorstehend erwähnte, wirklich ergangen ist, immerhin würde derselbe mit dem Briefe, den Herr v. Plehwe an Herrn Dr. Herzl gerichtet hat, im Einklang stehen. Oder ist derselbe vielleicht nur von Seiten des Gouverneurs eine Uebersetzung des Plehwe'schen Briefes in die Praxis? T p r e ch s a ck l. Frankfurt a. M., 6. September. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wie niir mitgetheilt wird, findet sich in der letzten Nunimer Ihres gesch. Blattes die Notiz, ich hätte mich bereit erklärt, dem Misrachi beizutreten. In Wirklichkeit batte ich im Gegeniheil erklärt, daß ich nicht in der Lage bin, mich dem Zionismus anzuschließen, und zwar schon deßhalb, weil ich die Ablehnung privatrechtl i ch gesicherter Heiinstätten für unsere bedrängten Glaubensbrüder nicht billigen kann, von anderen, mehr theoretischen Bedingungen abgesehen. Mit vorzüglicher Hochachtung D r" I. H e i n e m a n n. Briefkasten -er Aedaeliorr. B. 3* 3270.: Jsr. Ku, anstatt Soden. Internationales L>Lttü!ö«iniN, Davor. M. St. in M.: ..Jung Juda". Prag. — „Neuzeit", Wien. — „Oesterrtichische Wochenschi ist". Wien. — „Zeitung des Jndcnthums", Berlin. L. L. in F.: Nach unseren Informationen sind dir betreffenden Eingaben von den zuständigen Rabbinern schon längst gemacht und ist eine erinnernde Natiz nicht no:hig.