Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1903)
- Date
- 1903-08-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449955--58965-2523407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
44. Jahrgang. Mi r skGkl ZiiliWl-KsWch in Basel. Orthodoxen gegen Zangwill." Rabbiner Dr. Nobel verliest folgende Erklärung: „Die Misrachim und ihre Gesinnungsgenossen legen hierdurch auf's nachdrücklichste Verwahrung ein gegen diejenigen Abschnitte in der Rede Zangwills, in denen religiöse Probleme in einer für das jüdisch-religiöse Bewußtsein verletzenden Weise besprochen wurden. Sie geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß in Zukunft die Aufwerfung solcher Fragen auf dem Kongresse vermieden werde, indem sie darin die erste Vorbedingung für ein gedeihliches brüderliches Zusammenwirken aller Zionisten erblicken." (Bravo! Zischen.) Z a n g w i l l (englisch) vertheidigt sich damit, daß die Rede keine religiöse, sondern eine volkswirthschaftliche gewesen sei. Er habe die Orthodoxen durchaus nicht angreifen wollen, betrachte sie vielmehr als seine Brüder. Wenn er im Gleichniß an Ben Sakkai erinnert habe, habe er an den lebendig Begrabenen gedacht, das sei der Geist des jüdischen Volkes, der das jüdische Volk lebend erhalten habe. Marin selbst habe mehr gegen Ben Sakkai gesprochen, als er (Zangwill). Der Uebersetzer der englisch gesprochenen Rede Zangwill's erklärt, er sei überzeugt davon, daß Zangwill Ben Sakkai ebenso dankbar sei für die Erhaltung des Judenthums, wie die Misrachim. (Beifall.) Präsident: Damit ist dieser Zwischenfall hoffentlich erledigt. (Beifall.) Mit einem Protest gegen Zangwill ist es nicht gethan, wir wiederholen vielmehr, was wir bereits in unserer jüngsten Nummer gesagt haben, daß wir eine öffentlich programmatische Erklärung des „Misrachi" für sehr nothwendig und die Situation klärend halten. Der orthodoxe Jude muß ganz genau wissen. ob der Kongreß diejenigen Bedingungen zu erfüllen im Stande ist, unter denen ihm ein Zusammengehen mit nicht-orthodoxen Brüdern ermöglicht wird. Da der „Misrachi" aber im Voraus weiß, daß diese Bedingungen nicht erfüllt werden können, so unterläßt er lieber eine solche Frage und begnügt sich mit Protesten gegen einzelne Redner. Basel, 26. August. Die Hauptfrage des gegenwärtigen Kongresses kam in der Sitzung von heute, die von halb elf Uhr morgens mit kurzer Unterbrechung bis halb sieben Uhr nachmittags dauerte, zur Entscheidung. Es handelt sich nämlich um die Stellungnahme des Kongresses zu dem ostafrikanischen Ansiedlungsprojekte. „Wollen wir auf das Anerbieten der britischen Regierung eintrcten und eine Kommission zur Prüfung dieser Angelegenheit ernennen oder es abweisen, ohne auf eine weitere Behandlung der Frage einzutreten und damit starr bei dem Basler Programm verbleiben?" Nach einer längeren Darlegung, die Dr. Franz Oppenheimer -Köln gab und die über zionistische Ansiedlungen im Hinblick auf Palästina handelte, der aber überhaupt die Frage besprach, wie das zionistische Judenthum sich zu der praktischen Ausübung der Landlvirthschaft zu stellen habe, ward die am Dienstag begonnene Besprechung der ostafrikanischen Besiedelungsfrage beendet. Im Anschluß an die während der ganzen zweitägigen Debatte geäußerten Wünsche und Behauptungen machten Dr. Herzl und Dr. Nordau den Kongreß nochmals auf den Ernst der Lage und die politische Wichtigkeit der osiasrikanischen Ansiedlungsfrage aufmerksam. Dr. Herzl brachte hierauf folgende schriftliche Erklärung Clement Hills, Unterstaatssekretärs des britischen Kolonialamtes, zur Verlesung. „Sir Clement Hill an Mr. Greenberg. Sehr geehrter Herr! Herr Chamberlain theilte dem Marquis von Landsdowne den Brief mit, den Sic unter dem 13. v. Mts. an ihn gerichtet haben und der den Entwurf eines Vertrages enthielt, den Dr. Herzl zum Abschluß zwischen Sr. Majestät Negierung und der jüdischen Kolonialbank vorschlägt, und der die Errichtung einer jüdischen Siedelung in Ostafrika bezweckt. S. Herrlichkeit hat auch die Bemerkung erwogen, die Sie am 6. d. M. gelegentlich Ihrer Unterredung mit Sir E. Barrington und Mr. Hurst in diesem Amte machten. Ich bin nun von seiner Herrlichkeit beauftragt, zu sagen, daß sie die Frage mit dem Interesse studirt haben, das Sr. Majestät Regierung immer an jedem wohlerwogenen Plan nehmen muß, der die Besserung der Lage der jüdischen Rasse bezweckt. Die Zeit, über die sie verfügten, war zu kurz, als daß es ihr möglich geworden wäre, auf alle Einzelheiten des Plans einzugehen oder ihn mit Sr. Majestät Vertreter für das ostafrikanische Protektorat zu erörtern, sie bedauern daher, daß sie nicht in der Lage sind, eine endgültige Meinung über die Angelegenheit auszudrücken. Lord Lansdowne nimmt an, daß die Bank einige Herren in das ostafrikanische Schutzgebiet zu senden wünsche, die persönlich feststellen sollen, ob es dort freies Land gibt, das sich für die in's Auge gefaßten Zwecke eignet, und ivenn dies der Fall ist, wird er sich glücklich schätzen, ihnen jede Erleichterung zu gewähren, damit sie mit Sr. Majestät Vertreter die Möglichkeit