Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1903)
- Date
- 1903-08-27
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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1527 Aktionskomitee den Auftrag zu ertheilen. die Frage betreffend Palästina intensiver zu betreiben, und wurde hierin von einem russischen Redner unterstützt. Es wurde zu weit fiihren, an dieser Stelle aller der zahlreichen weiteren Redner zu gedenken. Die Entscheidung über die erwähnten Anträge wird einem der nächsten Kongreßtage Vorbehalten bleiben. Basel, 25. August. Heute Vormittag sprach ein Engländer, der bekannte Londoner Schriftsteller Zangwill. Alle Wohlthätigkeitsanstalten, so führte er aus, seien äußere, sichtbare Zeichen eines fehlerhaften Organismus, so lobenswerth auch immer die Absicht der Gründer gewesen sei.- Solche Institutionen bergen oft die Gefahr in sich, das jüdische Volk zum Sklaven seines Looses zu erziehen. Zangwill ist der Ueberzeugung, daß sich auch die „I. C. A.", die Verwaltung der Hirsch'schen Millionenstiftung in London, auf die Dauer einem Plane, wie ihn der Zionismus verfolgt, nicht widersetzen werde. Das Judenthum müsse nun eine feste Basis zu gewinnen suchen. Ein einziges Jahrzehnt agrikoler Arbeit komme einem Jahrhundert kultureller Ausbildung gleich. Nur die Politik des Zionismus könne eine solche Heimstätte schaffen; Wohlthätigkeitseimichtungen versagen hier. Wir wollen neue „Kischinews" verhindern, nicht heilen! (Brausender Beifall folgte dem Vortrage.) Auf den Nachmittag hatten die jüdischen Turnerschaften ein Schauturnen in der „Burgvogteihalle" veranstaltet, welchem das Aktionskomitee und ein großer Theil der Kongreßtheilnehmer beiwohnten. Die flotten Produktionen fanden reichen Beifall. Am Schlüsse derselben wurde jedem Turner eine vom Aktionskomitee gestiftete Denkmünze an blauweihem Bande überreicht. Die Zahl der jüdischen Turner in Deutschland und Oesterreich beträgt zur Zeit 2000. Nach der Vorstellung nahm der Kongreß im Stadtkasino die Verhandlungen wieder auf. Auf der Tagesordnung stand der Vorschlag betr. die „Ansiedelung in Vritisch-Östafrika", wofür, wie bekannt, die Unterstützung der britischen Negierung gewonnen ist. Zwei Meinungen stehen sich hier schroff gegenüber. Die einen, an ihrer Spitze namentlich die russischen Delegierten, zu denen aber auch einige Oesterreicher halten, wollen den Vorschlag von vornherein abweisen, also nicht darauf eintreten. Die anderen, besonders die deutschen, italienischen und die Mehrheit der österreichischen Abgeordneten, wollen auf die Frage eintreten in der Weise, daß eine Kommission aus 21 Mitgliedern bestellt wird, welche die Sache prüfen und darüber Bericht und Antrag an den Kongreß noch während der jetzigen Tagung vorlegen soll. Zu dieser . Hauptstreitfrage wären am heutigen Abend um 7 Uhr nicht weniger als 76 Redner eingeschrieben. Da jedem zehn Minuten Redezeit eingeräumt sind, läßt sich ausrechnen. wie viele Tage der Kongreß auf diese Frage verwenden müßte. Glücklicherweise kommt es im Laufe der Verhandlungen erfahrungsgemäß zu vielen Verzichtleistungen auf das Wort, und es wird wohl ein Mittel gefunden werden, um den Redestrom einzudämmen. Die Meinungen spiegeln sich am besten in den Erklärungen des amerikanischen Delegierten Sulzberger aus Philadelphia und des Russen Wortsmann. Jener führte aus, man dürfe den Vorschlag schon deßhalb nicht abweisen, weil selbst England und die Vereinigten Staaten sich anschicken, den Juden ihre Grenzen zu verschließen. Derartige Gesetze seien für die nächsten zwanzig Jahre schon zu erwarten. Wenn man aber Palästina nicht haben könne, so müsse man für die aus vielen Ländern verdrängten Juden ein Asyl schaffen. Wortsmann dagegen meinte u. a., er begreife nicht, wie man am Vormittag Zionist sein könne, am Nachmittag aber für British-Ostafrika schwärme. Basel, 26. August. In der heutigen Sitzung des Zionistenkongresses referirte Oppenheimer über die Art zionistischer Ansiedlungen im allgemeinen, besonders mit Rücksicht auf Palästina. Die Debatte über das Ostafrika-Projekt wurde geschlossen, nachdem noch Herzl und Nordau gesprochen hatten. Das Aktionskomitee stellte den Antrag, eine Kommission zum Studium des Ostasrika- Projektes zu wählen. Diese soll eine Expedition entsenden. Bei der Abstimmung stimmten 295 mit Ja, 177 mit nein. Die dem Ostafrika-Projekt feindlichen Russen verließen demonstrativ den Saal. Es ist schade für die Menge Zeit, die mit leerem Gezänk zwischen Trietsch und Herzl, Nossig und Klee etc. versäumt wird, es ist aber sehr anerkennenswerth, mit welcher Objektivität, Aufopferung und Fixigkeit die „Welt" in täglichen spaltenlangen Ausgaben all das Gerede wörtlich quickly and promtly registrirt. M Steil iiet Bereich»! irMionek-Mes- Irctier Miner TenlWnM zum Zionismus. (Auszug auS dem Protokoll der Hl. General- Versammlung zu Berlin.) Es entspinnt sich eine sehr anregende Debatte über den Antrag Nobel-Holzer, Munk-Berlin: „Wir beantragen, die zionistische. Frage, insbesondere die unter der Aegide des tnb n-x pxi.n am stehende Misrachi-Organisation, vertraulich zu besprechen." Licht- und Schattenseiten des Zionismus werden erwähnt; die unheilvollen Folgen für die j