Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1903)
- Date
- 1903-08-27
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449954--58943-2523384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1516 Unfern wärmsten Dank allen denen, die in echt jüdischer Hochherzigkeit die örtlichen Schranken vergessend, aus der Ferne unser großes Werk durch Beiträge unterstützt haben. An sie richtet sich unsere Bitte, ihre Hilfe uns weiter angedeihen zu lassen durch Gewährung ihrer Jahresbeiträge. Ganz besonders aber richtet sich unser Appell an die begüterten Glaubensgenossen in Leipzig selbst: vor ihren Augen zieht unsere Bewegung ihre Kreise mit jener Geräuschlosigkeit, die der echten, weitausschauenden Kulturarbeit eigen ist. Möge unsere vertrauensvolle und wohlberechtigte Bitte um Unterstützung unserer großen Sache allseitige Erfüllung finden, auf daß das segensreich begonnene Werk seinen gedeihlichen Fortgang nehme. Der Vorstand besteht aus den Herren: Jakob Blumenfeld, Vorsitzender, Oskar Blümlein, stellvertr. Vorsitzender, Isidor Felsenstein, Kassirer. Bernhard Rabinowitz. stellvertr. Kassirer, Siegfried Heckscher, Schriftführer, Max Kallmann, stellv. Schriftführer. Sally Goldmann. . - . Aurich. Am 1$. August wurde unter Teilnahme eines großen Trauergefolges der irdische Theil einer 7V.ZN nren nrx. der Frau Gertrude (Gutraut) Knurr, geb. Heymann, der Erde zurückgegeben. Damit , ist ein Menschenleben abgeschlossen, das, von echter Gottesfurcht erfüllt, die frommen Sitten und Gebräuche der guten alten Zeit, bis in das hohe Alter von 81 Jahren bewahrte. Jederzeit hat die Entschlafene die mir na'.b geschätzt und unterstützt. Ihrem „Obersten" hat sie freudig gedient, sein Haus eifrig besucht, so lange es ihre Kraft gestattete, auch an den Wochentagen mit rran r.xnp. Sechzig Jahre lang hat sie zu .tw jra cn das Gotteshaus festlich mit Tannengrün und Blumen geschmückt, ihrer Körperleiden nicht achtend, selbst noch im vorigen Jahre. In altjüdischer Weise . hat sie nvn geübt. Die blanken, neuen Geldmünzen, die im Geschäfte ihrer Söhne eingingen, wunderten in ihre besondere Kasse, woraus sie die Pflicht von "moz npis erfüllte. Gern nahm sie 2'"">'>rr auf, kein Bittender verließ ungesättigt und mit leeren Händen ihr Haus. Viel und gern las sie in jüdischen Erbauungsbüchern. deren Inhalt ihr stets geläufig war. Nun steht sie vor ihrem ..alten Buchhalter im Himmel", der sie das mrr ihres frommen Wandels genießen lassen möge. Stuttgart. 21. Aug. Heute Nachmittag wurde die irdische Hülle des im 63. Lebensjahre verstorbenen Mitgliedes der israelitischen Oberkirchenbehörde und Direktors der Württembergischen Vereinsbank. Kommerzienrath Benzinger, unter großer Theilnahme, besonders seitens der Finanzwelt aus dem ganzen deutschen Reiche zur letzten Ruhe bestattet. In Abwesenheit des Herrn .Kirchenrath Dr. fronet gab Rabbiner Dr. Stößel der innigen Theilnahme Ausdruck, die sich bei dem Hinscheiden des in hoher Achtung stehenden Mannes kundgab. Regierungsdirektor von Habermaas gedachte der Verdienste als Mitglied der Israelit. Oberkirchenbehörde, der er 20 Jahre lang angehörte, und Dr. v. Steiner rühmte die Verdienste des Verstorbenen für die Württembergische Vereinsbank, der er durch seine ausgezeichneten Anlagen zu ihrem hohen Ansehen der half. Kommerzienrath v. P f l a u m. sowie die Vertreter vieler Institute, zu deren Aufsichtsrath Benzinger gehörte, legten unter Anerkennung der großen Verdienste des Verstorbenen für Handel und Börse in Württemberg Kränze am Grabe nieder. Durch den Tod Benzinger's ist nun die zweite Stelle als Mitglied der Israelit. Oberkirchenbehörde erledigt. — Letzten Sonntag feierte Herr Lehrer Schmal in 'Ludwigsburg unter Theilnahme der ganzen israelit. Gemeinde, der Behörden und des israelitischen Lehrervereins. dessen Vorstand der Jubilar ist, sein 25jähr. Dienstjubiläum als Lehrer und Vorsänger dieser Gemeinde. Schweiz. Zürich, 23. Aug. Schon viel wurde über die Hebung des jüdischen Handwerks und dessen fachmännischen Ausbildung gesprochen und geschrieben. Das ist aber bei den sog. Humanitätsjuden vielfach nur eine Theorie; in der Praxis und im sozialen Leben kommt der jüdische Handwerker doch nicht, wie es ihm als ehrlicher, tüchtiger Berufsmann gebühren würde, zur Geltung.. In der Schweiz z. B. baut man aus allgemeinen! Sammelgeldern (wobei auch die ansässigen jüdischen j Handwerker ihren stillen Beitrag opfern) phitantroj pische Anstalten, z. B. Waisenhaus Basel, jüdische Hoj tels, Altersasyl Lengnau etc., ohne daß man die ein- , schlägigen jüdischen Vauhandwerker an den zu verge- | benden Arbeiten Theil nehmen läßt. Die jüdischen Handwerker in der Schweiz, die, man darf sagen, in ihrem Berufe alle Fähigkeiten besitzen, wurden — ganz wie in Rumänien — in der Bewerbung um Arbeit an besagten Anstalten, zurückgewiesen, und das in einer Zeit, wo es für jüdische Arbeiter ohnehin schwer ist» Beschäftigung zu finden. Auch jüdische Bäcker und Metzger haben vielfach darüber zu klagen, daß ihre Glaubensgenossen ihre nichtjüdifchen Konkurrenten bevorzugen. Soll solche Behandlung eine Aufmunterung sein für jüdische Arbeiter, die ehrlich und fleißig ihren Beruf ausüben wollen? Hier sollte doch der Züricher Humanitäts-Zionismus zuerst einsetzen. dann ist mit dem Heimstätten-Problem auch schon ein Anfang gemacht. Wenn die Juden in Zürich und der übrigen Schweiz etc. nunmehr anfangen, die jüdischen Handwerker Hierselbst — die auch für das tägliche Brod wie andere beten — zu berücksichtigen, so hat Einsender dieses seinen Zweck vollauf erreicht.