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Der Israelit · 1903-08-27 · Heft 68 (27.8.1903) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 68 (27.8.1903)
Date
1903-08-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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faffung des Iudenthums und die Nothwendigkeit. sofort irgend ein Mittel zur möglichsten Besserung der Lage zu finden, etwas zu thun. als die Erlaubniß zu erlangen, den Vorschlag dem Kongresse zu unterbreiten. Damit die Sache indeß für uns alle ein hinreichend greifbares Interesse habe, war es nothwendig. den Vorschlag in eine Form zu bringen, der auf unsere uns allen so theuren nationalen Bestrebungen Rücksicht nehmen würde. Unser Vertreter führte daher einige Zeit hindurch mit den Mitgliedern des britischen Kabinets und mit den Nessortchefs eingehende Verhandlungen, die einen günstigen Fortgang nahmen. Ich möchte den Anschauungen des Kongresses über die Politik, die die zionistische Bewegung diesen Vorschlägen gegenüber befolgen will, nicht vorgreifen, allein obschoy selbstverständlich das jüdische Volk kein anderes Endziel haben kann, als Palästina, und obwohl, was immer das Schicksal des Vorschlages sein mag, unsere Anschauungen über das Land unserer Väter unabänderlich sind und bleiben müssen, so wird der Kongreß doch erkennen, welche außerordentliche Förderung unsere Bewegung durch die Unterhandlungen mit der britischen Regierung erfahren hat. Ich darf sagen, daß unsere Anschauungen in Betreff Palästinas mit voller Offenheit und Ausführlichkeit den Mitgliedern des britischen. Kabinetts und den in dieser Angelegenheit zuständigen hohen Regierungsbeamten auseinander gesetzt worden sind. Ich glaube, daß der Kongreß Mittel finden kann, von dem Anerbieten Gebrauch zu machen. Dieses Anerbieten wurde uns in einer Weise entgegengebracht, die dazu beitragen mutz, die Lage des jüdischen Volkes zu bessern und zu erleichtern, ohne daß wir irgend etwas von den großen Grundsätzen aufgeben, auf welche unsere Bewegung gegründet ist. Die Einzelheiten des Vorschlages, auf den ich Ihre besondere Aufmerksamkeit auf's Ernstlichste hinlenken möchte, dem gesammten Kongresse vorzulegen, würde mir nicht praktisch scheinen. - Es scheint mir richtiger. Sie zu bitten, daß Sie einen kleinen Sonder-Ausschuß wählen, der sich mit der ganzen Angelegenheit zu befassen hätte. Was immer beschlossen werden mag — soviel kann ich getrost sagen, daß wir Alle im Herzen nichts als das tiefste Gefühl der Dankbarkeit für das staatsmännische Wohlwollen empfinden, das Großbritannien in diesen Verhandlungen dem jüdischen Volke gegenüber bekundet hat. Zion ist dies freilich nicht und kann es nie werden. Es ist nur eine Kolonisationsaushülfe. aber wohlgemerkt auf nationaler und staatlicher Grundlage. Das Zeichen zum Aufbruche können und werden wir unseren Massen daraufhin nicht geben. Es ist und bleibt lediglich eine Nothstandsmaßregel. die der jetzigen Rathlostgkeit aller philanthropischen Unternehmungen abhelfen und dem Verluste solcher versprengter Volkst heile Vorbeugen soll. So lagen die Dinge, als die letzte Wendung ein- - trat, die erst wenige Tage alt ist, aber eine sehr bedeutende Entwicklung vorstellt. Die wohlbekannten Ereignisse machten es nothwendig. daß ich im Interesse des jüdischen Volkes nach Rußland reiste. Ich hatte die willkommene Gelegenheit, mit der dortigen Regierung zu verkehren, und ich kann sagen, daß ich einem gewissen Verständnisse unserer zionistischen Bestrebungen begegnete, sowie auch Aeutzerungen des guten Willens hörte, etwas Entscheidendes für uns zu thun. Ich gestehe übrigens, daß ich hei dieser Gelegenheit nicht nur Parteimann war — Sie werden mir es nicht übel nehmen. Ich sprach nicht nur für die Zionisten, sondern für alle Juden in Rußland. Ich bemühte mich, einige Verbesserungen ihrer traurigen Lage zu befürworten und erhielt auch die Zusicherung, daß solche Erleichterungen demnächst in Erwägung gezogen werden sollen. Bedeutender waren die Zusicherungen, die ich für die zionistische Bewegung erhielt. Ich bin in der Lage zu erklären, daß die russische Regierung dem Zionismus kein Hinderniß in den Weg legen will, wenn er wie bisher einen ruhigen und gesetzlichen Charakter behält. Die russische Regierung ist ferner bereit, bei der Deckung der Gelderfordernisse einer von uns Zionisten geleiteten Emigration mitzuwirken. Endlich, und darauf ist wohl das allergrößte Gewicht zu legen, ist die russische Regierung bereit, unsere Bemühungen um die Erlangung von Palästina bei S. M. dem Sultan mit ihrem Einfluß zu unterstützen. Die Tragweite dieser Erklärung, die ich dem Zionistenkongresse übermitteln darf, ist wohl Jedem erkennbar. Ein solches Versprechen der russischen Negierung bedeutet einen diplomatischen Gewinn, der nicht zu hoch veranschlagt werden kann. Nicht nur ist ein enormes Hinderniß beseitigt, es ist auch plötzlich eine mächtige Nachhilfe vorhanden. Ihre Wirkungen sind allerdings noch abzuwarten. aber mit erfrischtem Muthe und größeren Aussichten, als je vorher, können wir unsere Bemühungen um Erez Israel fortsehen. Es wird natürlich auch jetzt wieder Leute geben, die nur das Bittere aus diesen Vortheilen heraussehen. Die Hilfe der Mächte, werden diese Leute sagen, bedeute nichts Erfreuliches. Sie wollen uns los haben oder sie wollen uns nicht hinein lassen. Gut! Wenn darin eine Ungerechtigkeit gegen, unser Volk liegt, so wollen wir darauf die Antwort in Zukunft geben. In unserer Zukunft, in unserem Lande! Und diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung. (Fortsetzung in der dritten Beilage.) Die Fortsetzung der »Sprüche der Bäter^ folgt in nächster Nummer.

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