Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1903)
- Date
- 1903-08-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449953--58919-2523359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24. Slug 1903.] (Nr. 37. Mev Euöe. Zeitgemälde von I. I. Kraszewski in cfutorisirter Uebertraaunq. Ml „Dem Opfern entziehe ich mich nicht," antwortete Jakob nach kurzer Ueberlegung. „Du kennst mich zu genau, um daran zu zweifeln. Aber bevor ich etwas gebe, muß ich auch wissen, wozu? Gib mir Dein Ehrenwort, daß es sich nicht um die Vorbereitung zum Kampfe mit der Waffe handelt!" „Wenn Du dies verlangst," rief Jwas, „mutz ich Dir mein Wort geben, daß das Geld gerade zu Waffen bestimmt ist!" „So zwingt mich also mein Gewissen, es Euch abzuschlagen!" sagte Jakob. „Dich?" „Ja mich! Ich gebe mein halbes Vermögen und mehr noch für das Land, aber nicht dazu, um das eigene Haus abzubrennen, welches schon in Flammen steht!" „Kleingläubiger Mensch!" erwiderte Jwas. „Kalter Verstand, warum willst Du klarer sehen, als alle Herzen, die von heißester Vaterlandsliebe erglüht sind, diesem Gefühle, welches Alles mit sich sortreißi und siegen wird! Soll ich Dir erklären, daß wir fast schon des ganzen Volkes sicher sind, daß wir für uns die Geistlichkeit haben, die uns führen wird, und die uns der Markgraf gab, daß wir den größten Theil Deiner Glaubensgenossen für uns gewonnen, daß wir den trägen Adel mit dem Schreck aus der Hölle jagen und ihn uns zu folgen zwingen werden, daß auch in Rußland eine Revolution sich vorbereitet, daß Garibaldi uns Hülfstruppen verspricht, daß Ungarn uns Waffen, Geld und Leute zukommen lassen, daß Oesterreich fast gleichgültigen Auges der Vedrängniß seiner Nachbarn zuschauen, und daß England und Frankreich unfehlbar uns unterstützen wird!" . . „Halt!" unterbrach ihn Jakob. „Untersuchen wir Alles einmal einzeln!" „Ich mag und kann aber nicht streiten mit dem Eigensinn!" schrie Jwas. „Hast Du keinen Glauben, so will ich Dir keinen geben. Nimm Du mir aber auch nicht den weinigen! Ich will nichts weiter hören: Willst Du Geld geben oder nicht?" „Für die Revolution? Nein!" „Wenn sie aber zu Stande kommt und Alle mit ihr gehen?" „Alle?!" rief Jakob, traurig das Haupt senkend. „Das geschieht niemals! Kommt aber das zu Stande, was ich für das Verderben des Landes halte — so gebe ich, was ich kann und gehe selbst mit! Opfern aber kann ich mich nur mit Schwerz, denn das Opfer wäre vergebens!" ' „O. darum sei unbekümmert! Aber, bester Jakob, wir brauchen schon heute Geld, sofort! Du mußt cs uns geben!" „Ich kann es nicht!" , „Ich war und bin noch jetzt Dein Freund und Beschützer," fuhr Jwas fort, „vor allem aber bin ich Revolutionär, und auf die Mittel sehe ich nicht. Weißt Du, was Deiner harrt, wenn Du es uns abschlägst? Vielleicht der Tod, jedenfalls ein Flecken..." ( „O nein," antwortete Jakob kühl. „Ein Flecken? ' Niemals! Der Mensch kann sich nur selbst diesen