Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1903)
- Date
- 1903-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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n \- 1 f -. i"m^:wj3£&*':y'’ 1479 nicht allzu theuren Aufenthaltes das „Kantorenbad" genannt wird, kaum ein Dutzend Kollegen in der Hauptsaison zusanrmen. Es ist selbstverständlich, daß sich die Unterhaltung der Kantoren hauptsächlich um Standesinteressen und die Aufbesserung des nicht immer beneidenswerthen Looses dieser Beamten bewegte, zumal alle dort versammelten Männer von treu kolle' gialischer Gesinnung waren. Schon vor vielen Jahren war Bad Salzbrunn der Sammelpunkt vieler Kollegen behufs Berathung und Einbringung einer Petition an den „Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund". Waren auch damals die Petenten von dem Erfolge ihres Gesuches wenig befriedigt, so hatte doch der „D.-J. G.-B." durch die Ausfertigung eines Normalvertrages zu erkennen gegeben, daß die Nothlage der Kultusbeamten groß ist, und daß etwas geschehen müsse, um sie zu heben. Diesmal war es die Berliner „Hilfskaffe", welche die von Herrn Oberkantor Singermann-Ratibor einberufene Versammlung zu beratbcn hatte. Anwesend waren die Kantoren: Sarasohn- Stettin, Vlaustein-Bromberg, Schöneberger - Potsdam, Schnittkin-Posen, Helischkowski-Schneidemühl. Bernstein-Graudenz und Scheftan-Pleß. Auch Rabbiner Dr. Levy-Graudenz folgte einer Einladung und nahm eifrig an der Debatte theil. Wie in allen derartigen Versammlungen waren auch hier die Anträge einzelner Herren nicht immer annehmbar. Doch wurden verschiedene Vorschläge von Herrn Singermann zur besonderen Berücksichtigung empfohlen. Die Herren Sarasohn und Schönberger konnten mit ihren praktischen Erfahrungen als langjährige Vorstandsmitglieder der „Hilfskasse" die zu hoch geschraubten Wünsche einiger Kollegen in ein ruhigeres Fahrwasser bringen und versprachen auch, ihr möglichstes dazu beizutragen, den hier geäußerten Wünschen gerecht zu werden. Die anwesenden'Kollegen erklärten sich bereit, dem Verein beizutreten und in ihren Gemeinden außerordentliche Mitglieder zu werden. Sie beabsichtigen auch gleichzeitig ihre Anträge schriftlich einzubringen und zum Theil auch als Delegierte zu der in den Weihnachtsfcrien stattfindenden Generalversammlung persönlich zu erscheinen. Wir wünschen und hoffen, daß alle kollegial gesinnten Kantoren dem Beispiel der in Salzbrunn anwesenden Kollegen folgen und baldigst ihren Beitritt zu der „Hilfskasse" anmelden werden. Ist doch die „Hilfskasse" der einzige Fachverein, der seit beinahe 25 Jahren sich bewährt hat und auch in Zukunft bestehen wird, sobald ihm von den Kantoren einiges Interesse entgegengebracht wird. Die Thätigkeii des Vorstandes im letzten Jahre, und der eben erschienene Rechenschaftsbericht legen Zeugnis ab von der Lebensfähigkeit des Vereins. Möge deßhalb die Versammlung in Salzbrunn wieder neue Anregung gegeben haben, die. Kollegialität unter den Kantoren^u,festigest zur Hebung und Förderung unseres Vereins. Oesterreich. Wien, 20. Aug.' Zu der von verschiedenen Blaiieru gemeldeten „Ritualmord"-Geschichte im Zipser Komitat wird noch berichtet: In der unglückseligen Affaire des Szepes-Jakubfaluer Raubmordfalles ist leider bis heute insoferne keine günstige Wendung cmgetreten, als der des Verbrechens verdächtige jüdische Fleischhauer Reius (so der Name des Beschuldigten) aus der Untersuchungshaft nicht entlassen, sondern, nachdem die Untersuchungskommission in Lublo gewesen, nach Leutschau in's Gefängniß überführt worden ist. Viele Christen, die unter dringendem Verdacht verhaftet waren, wurden nach einigen Tagen wiederum aus der Haft entlassen. Was die starke Aufregung der nichtjüdischen Bevölkerung, die bereits intensivere Dimensionen angenommen hatte, betrifft, ist eine Beruhigung der Gemüther eingetreten, und das darum, weil der Pfarrer zu Jakubfalu — ein friedliebender, loyaler Mann — alles anwendet, der Bevölkerung den Wahn der Vlutbeschuldizung auszureden und für den jungen Mann speziell sehr warm in die Bresche tritt, indem er behauptet, für die Schuldlosigkeit des jungen Mannes, den man allenthalben als zwar ungebildeten, aber höchst . tugendhaften Menschen kennt, schwören zu können. Von der Entscheidung des Gerichts erhofft man das Weitere. ' ' ‘ Damboritz (Mähren), 20. Aug. (Vier z i g - jähriges Amts-Jubiläuum des Rabbiners Hahn.) Am 19. August 1863, also vor vierzig Jahren, zog Herr Bezirksrabbiner: Samuel Hahn, der bis dahin in Jägerndorf (österr. Schles.) gewirkt hatte, hier als Seelsorger in die. damals sehr große Gemeinde ein. Wer die Verhältnisse der jüdischen Kultusgemeinden in Mahren kennt und die Wandlungen, die die äußeren Rechtsverhältnisse derselben seither durchgemacht haben, weiß, daß die vier Jahrzehnte seit 1863 auch vom materiellen Standpunkte als Kriegsjahre für den mährischen Rabbiner anzujehen sind. Wer auch noch die Entwickelung des jüdischen Geistes in den mährischen Gemeinden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beobachtet hat, wird erkennen, welch' reiner Idealismus, welche edle Hingebung an unsere heilige Religion den Seelsorger erfüllen mußte, der unbeirrt durch die Gleichgiltigkeit der Einflußreichen, ohne Rücksicht auf den Opportunitätsstandpunkt der als Spitzen des Judenthums in Mähren geltenden Persönlichkeiten, stets seinem heiligen Berufe ganz und voll gerecht zu werden bestrebt war und gerecht wurde. Ein solcher Seelsorger war und blieb Herr Vezitlsrabbiner Hahn. während seiner ganzen Amtswirksamkeit, bis: aus i.den.heutigen . Tag und. wird, dies, so Gott will^ zur-Ehre -des: Judenthums noch lange bleiben."!Er. verstand es,-, die-Liebe und Anhänglichkeit an das Judenthum in jugendlichen