Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1903)
- Date
- 1903-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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44. Jahrgang jg GA. r M - Ein. -- KenLrak-Hrgan für das orthodoxe ZudenLHum. Begründet von . L-k. TehnrsLrrrr in Donnerst« 27. Ab S«S3 20. August 1803. abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat H@13 t ©Salb®®1 auf den „leraellt". Dieser Preis tritt aber nur ein bet Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden LandbrieftrSger aufgegeben werden. Die Briefträger sind berechtigt, den AbonnemenlS-Betrag in den ersten 25 Tagendes Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher-. , Auf Wunsch Ermäßigung auf den Abomremerrtsp reis. Die Erpeöittvn -es «Israelit." Allerhand verfehlte Mittel. M a i n z, 19. August. Der immer wieder aufiauchende Blutwahn hat innerhalb der jüdischen und sogar der dem Judenthum befreundeten Kreise nachgerade eine Nervosität hervorgerusen, die der Natur dieses krankhaften Zustandes gemäß auf allerhand Mittel und Mittelchen sinnt, die Niemand, der in vollkommen gesundem Befinden die Dinge prüft und betrachtet, anwenden würde. Wir wollen heute nur von zwei Aeußerungen, die, wenn der Ausdruck erlaubt ist, von den beiden entgegengesetzten Polen des Juden thums ausgehen, reden und zeigen, daß beide Kundgebungen ihren Zweck niemals erreichen dürsten.. - Der „Verein z ur Abwehr des Antisemitismus" ruft in seinen jüngsten Mittheilungen nach dem Staatsanwalt und wünscht, daß Alle, die sich in irgend einer Weise aktiv an der Verbreitung des Blutmärchens betheiligen, schwer bestraft werden, und der K o n g r e ß der R a b b i n e r -i n Krakau leistet einen feierlichen Eid, daß die Juden keine Menschenfresser sind. . Wir glauben und mit uns wohl alle unsere Leser, daß weder der Staatsanwalt noch ein Eid dem Blutmärchen das Geringste anzuhaben im Stande ist. Dieses führt nach wie vor auf dem Stroh jener Köpfe, die an es glauben, weich gebettet, ein beschauliches Dasein und kümmert sich weder um Eide, noch um Staatsanwälte. f Der Blutaberglaube ist beinahe so alt, wie das Menschengeschlecht selbst. Die Anschauung, daß im Blute Leben und Seele, Individualität, Kraft und. Gesundheit wohnen, daß es das eigentliche Lebensprincip sei, ist bei allen Völkern ausgeprägt und führte schon in den frühesten Zeiten zu allerhand abergläubigen auf das Blut bezüglichen Handlungen und nun glaubt man, einen Wahn, der sich seit Jahrtausenden in den Köpfen der Menschheit festgesetzt hat, gegen den Päpste Bullen erließen, gegen den selbst die judenfemdlichsien Renegaten, wie Pfefferkorn, ihre Stimme erhoben, mit einem Schlage durch einen Eid oder durch einen Strafvaragraphen ausrotten zu können! Das ist ein großer Jrrthum. Wir Juden sollten doch in allererster Linie nicht dem Jrrthum verfallen, daß sich Ideen mit Gewalt ausrotten lassen, und sollten längst zur Einsicht gelangt sein, daß geistige Kämpfe, seien sie religiöser, politischer oder anderer Natur, nur auf denf'Schlachtfelde des Geistes ausgefochten werden können. Die feierliche Versicherung, ebenso wie die brutale Gewalt gegen die Idee, selbst gegen den Wahn angewandt, sind total machtlos. Gedanken sind eben nicht nur zollfrei, sondern auch geschützt vor jedem Schutzmann, und nicht nur die guten Gedanken, sondern ebenso die schlechten. Wir können weiter üichts thun, als aufklärend zu wirken suchen in Schulen, in Büchern, in Versammlungen, in Zeitungen und wenn diese Aufklärung^