Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1903)
- Date
- 1903-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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„Habe ich das Glück, Fräulein, in Ihnen eine Tochter der gastlichen Stadt Tabor, vielleicht gar eine Abkömmlingin des tapferen Taboriten zu begrüßend „Ich bin beides nicht, mein Herr! Ich bin wohl eine Tochter des Landes, wie Sie an meinem geläufigen Czechisch erkennen dürften, aber ich stamme aus einer anderen Gegend her, und bin mit meinen beiden Zöglingen bei deren Großeltern zu Gaste. Dieser Wald ist unser liebster Ausflugsort, und auch heute haben wir ihn als Ziel unseres Spazierganges gewählt, trotzdem er wie ausgestorben ist. Sie smd der Einzige, dem wir heute noch begegnet sind." „Ja, alles ist mit den Vorbereitungen zum morgigen Feste beschäftigt," sagte der Fremde, „es herrscht oben eine eilfertige Geschäftigkeit. Doch lag mir daran, die wunderbare Umgebung der Stadt in Augenschein zu nehmen, so daß ich meine Bekannten verließ und mich hierher begab. Der köstliche Waldesschatten hatte mich zum Schlummer eingeladen, und beim 'Erwachen erblickte ich eine holde Nymphe mit einem Eichenkranz auf dem holden Lockenhaupte." Erschreckt griff das junge Mädchen nach dem Kopfe, offenbar in der Absicht, den grünen Hauptschmuck. an dessen Vorhandensein sie vergessen hatte, herabzureißen. Doch der junge Mann hinderte sie daran, indem er sie sanft, aber entschieden bei der Hand faßte. „O bitte, behalten Sie doch diesen Schmuck, der Ihnen so wunderbar zu Gesichte steht, und schenken Sie mir die Gunst. Sie darin noch eine Weile bewundern zu dürfen! Gestatten Sie mir auch, mich Ihnen in aller Form vorstellen zu dürfen: Dr. Phil. Josef Dansky, Professor am polnischen Gymnasium zu Krakau." „Sie sind gewiß als Deputirter hier angekommen," sagte das Mädchen, nachdem sie sich-leicht verneigt hatte. «Ja. sozusagen als Führer mehrerer Deputationen aus Krakau. Man hat mich zu diesem Ehrenamte ausersehen, weil ich als Lehrer der slavischen Sprachen auch des Czechischen mächtig bin, so weit mächtig, um mich verständigen zu können, wenn auch mit einer an's Polnische erinnernden Aussprache." „Wirklich, Sie sprechen ein gutes Czechisch, Herr Doktor, was man nicht von allen Herren sagen kann, die zur Denkmalsenthüllung hierhergekommen sind." „Wie, Fräulein, auch Sie haben bereits diese Beobachtung gemacht?" ' „Natürlich!' Wie Sie vielleicht wissen werden, haben die Bewohner der Stadt sich erbeten, die als Deputationen hier anlangenden Gäste in ihren Wohnungen aufzunehmen, nachdem die hier bestehenden Hotels und Gasthäuser sich als nicht ausreichend erwiesen haben.- Die Großeltern meiner kleinen Zöglinge, bei denen wir als Gäste wohnen, haben der aus den vornehmsten Bürgern bestehenden Einquartirungskommission auch ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Heute früh brachte man uns die Einquartirung, zwei sehr feine Herren, ich glaube, es sind auch Doktoren, aus Agram, aber mit ihrem Czechischen war es sehr übel bestellt. Da uns die slovenische Sprache ebenso fremd ist, wie ihnen die czechische, so verfiel ich auf einen Ausweg und sprach sie französisch an. Nun war eine vollständige Verständigung möglich, aber nur mit mir, denn die Alten kennen keine fremde Sprache." (Fortsetzung folgt.) Wochen-Rslenöev. Donnerstag, 20. August. 27. Ab. pp 3”» Freitag, 21. August. 28. Ab. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Ubr 5 Min« Samstag, 22. August. 29. Ab. n"roo mo Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 8 Ubr 20 Min. — Berlin 8 Ubr 4 Min. — München 7 Uhr 55 Min. — Hannover 8 Uhr 15 Min. — Stuttgart 8 Nhr 07 Min.—Prag 7 Uhr 50 Min. — Straßburg 8 Uhr 15 Min. t- Polen 7 Uhr 52 Min. - Stettin 8 Uhr 05 Min. Sonntag, 23. August. 30. Ab. 'ppvrt n"Y?H Montag. 24. August. 1. Elul. n"-n 'a ov Der „Israelit" erscheint wödiei3tl5ch zweimal, Moutons nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Vogen. Preis pro Vierteljahr Sei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vnchhnndel verkehrt durch G. Zf. Sirinackrr, Leipzig, Rotzplahs jv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'3 Ausland 16 Mark, an die % Expedition franco einsenden. Postzeiwngsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deck ISraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionöbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Anhalt (Hauvtblatt): Vibelkritik. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aerlin. Frankfurt a. M. Dessau. Vakosch. Rußland: Kisckinew. England: London. Amerika: New-'Hork. — Feuilleton: Zuciickgefunden. Inhalt ver Bettacre: ..Jra" (Schlup.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenze»!: Oesterreich: Krakau. Sxtra-DeUaL«. „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS-„Israelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckecei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.