Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1903)
- Date
- 1903-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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u.,. •^L=»g.;.-wr Genirak-Zrg an für das orthodoXe ZudenLhum. "" Begründet von IVr. Tstzmsnrr in Msinz. 44* Jahrgang. Montag, den Bibelkritik. 4ii. Mainz, 16. August. Namentlich sind es die historischen Erzählungen der heiligen Schrift, welche vielfache Angriffe erfahren haben. Man begnügt sich, die Erzählung von der Schöpfung, von der Geschichte dir ersten Menschen, von der Sündfluth, von Abraham, Jizchak, Jakob und Joseph einfach als Sagen zu bezeichnen. Das ist nun allerdings wenig wissenschaftlich. Dazu gehört weder Geist noch Forschung. Man kann ohne viele Mühe jeden historischen Bericht in das Bereich der Sage verweisen. Diese Manier gelehrt sein wollender Männer ist bereits vielfach verurtheilt und in's Lächerliche gezogen worden. So erinnern wir uns, eine köstliche humoristische Abhandlung gelesen zu haben, in welcher der Mythus von Napoleon abgehandelt wurde. Der Verfasser setzte sich in Gedanken in eine späte Zeit, etwa nach tausend Jahren. Die gelehrten Geschichtsforscher der fernen Zukunft beweisen mit großem Scharfsinn, daß ein Kaiser Napoleon, ein Advokatensohn von der Insel Corsika, der sich zum Herrscher Frankreichs und zum Eroberer eines großen Theils Europa's emporgeschwungen, niemals gelebt habe. Die ganze Geschichte sei nichts als eine Sage und der angebliche Kaiser Napoleon sei lediglich'eine Verkörperung französischen Volksgeistes. Namentlich wurde bei dieser geistvollen Erörterung der Umstand in's Treffen geführt, daß vom Tode des ersten Kaisers, der in Paris residirte, vom Tode Karls des Großen (814) bis zur Abdankung Napoleons (1814) genau tausend Jahre verflossen seien. Da sieht man ja deutlich, behauptet jener geistvolle Geschichtsforscher der Zukunft, daß die 2 4. Ab 56 63 17. August 1903. ganze Geschichte gemacht ist und nichts anderes bedeutet, als den Aufschwung des französischen Volksgeistes nach einer tausendjährigen Entwickelung!!! Wir wissen es allerdings besser, und uns liegen die historischen Thatsachen noch klar vor Augen. Immerhin ist es aber möglich, daß nach Jahrtausenden durch die Länge der Zeit, durch große Umwälzungen innerhalb der Culturzustände der Menschheit die historische Kunde derart getrübt wird, daß Jemand die an das Wunderbare grenzende Geschichte des ersten Napoleon für eine Mythe erklären - kaum Selbst die Dreyfus - Affaire wurde;;t in den Witzblättern schon als Märchen behandelt. Von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir auch die Behauptungen jener Gelehrten betrachten, welche die Erzählung der heiligen Schrift zur Sage herabwürdigen wollen. Wir aber wissen, daß die heilige Schrift nur Wahrheit und nichts als Wahrheit enthält, daß kein Buchstabe darin überflüssig, daß Alles darin von der größten Bedeutung und Wichtigkeit ist. In Bezug auf den Aufenthalt der Kinder Israels in Egypten, den man nicht ableugnen kann, werden andere alte Schriftsteller in's Treffen geführt, welche über denselben nicht so berichten, wie die heilige Schrift es thut. Daß egyptische und nach diesen griechische Schriftsteller den Aufenthalt der Kinder Israels in Egypten und den Auszug derselben aus diesem Lande in einer Weise darstellen, welche den Egyptern zum Ruhme und den Israeliten zum Nachtheile gereicht, ist nicht zu verwundern. Wenn wir heute z. B. die Geschichte der Reformation, wie die Protestanten sie darstellen, lesen, und damit eine vom katholischen Standpunkte aus verfaßte Erzählung desselben Ereignisses vergleichen, so werden wir der Gegensätze genug finden. Dieselben Personen, die die Einen als Helden preisen, werden von den Anderen zu Verbrechern gestempelt. Aehnlich ergeht es mit der Geschichte der französischen Revolution, je nach dem Parteistandpunkte des be-