Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1903)
- Date
- 1903-08-13
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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1482 V SM. Abramis Fuß ist ausgeglitten Und wie er vom Fall erwacht, Tief in einer Grube Witten Sieht er sich in schwarzer Nacht; Angstvoll aus der dumpfen Gruft Er um Hülf' und Rettung ruft. Doch die Menschen sind ihm ferne. Keine schöne Hoffnung winkt. Plötzlich steh'! Wie helle Sterne , Durch die finst're Nacht es blinkt. Abram froh getröstet spricht: „Sterne! Ihr verlaßt mich nicht.* Zu gestalten unser Leben Menschengeist wohl nicht genügt. Etwas Höh'res muß eS geben. Das in Weisheit alles fügt: Sterne. Ihr seid wohl der Geist, Der uns uns're Wege weist!* Mitten aus dem Sternenkranze Auf des Himmels hellem Plan — Tritt in mattem Silberglanze Nun der Mond auf seine Bahn. Sanft und mild sein bleiches Licht Durch die dunklen Zweige bricht. Abram richtet seine Blicke Zu dem neuen Licht empor: „Nein, es lenket die Geschicke Nicht ein ganzer Sternenchor. Einig uns e i n Wille führt: Mond, du bist's, der uns regiert!* Mond und Sterne bleich verschwinden Und es lichtet sich die Nacht. Grane Nebelstreifen künden, Daß der junge Tag erwacht. Ans dem Wolkenpurpurthor ' Gliihend tritt die Sonne vor. Von dem gold'nen Licht geblendet Abram seine Augen schließt: „Die so reiche Strahlen sendet, - Die vom Glanze überfließt/' - - - Die die schwarze Nacht erhellt: Sonne, du regierst die Welt!* In die fernsten Abgrundtiefen Blickest du in deinem Lauf, . Keine, die im Dunkel schliefen. Weckest du zum Leben auf. Du bist Segen, Glanz und Pracht: Du bist uns're höchste Macht!* Abends sinkt die Sonne nieder,- - Denn beendet ist ihr Lauf — Und am Himmel strahlend wieder Glänzen Mond und Sterne auf. - Abram blickt empor und denkt: „Auch die Sonne uns nicht lenkt. Nicht die Sterne glanzgerändert, /- Nicht des Mondes Silberscheiy, Was versinket, was sich ändert. Kann die höchste Macht nicht sein. Und doch geht der Sterne Bahn % Sicher nach durchdachtem Plan. Ja, ein Etwas muß es geben, - Das dem All die Wege weist. Und ich ahne mit Erbeben Einen großen, mächt'gen Geist. Unerfaßt und unerkannt. Lenkt die Welt die mächt'ge Hand-. . Welche ungeheure Wonne . Flößt mir die Entdeckung ein. Denn er führet Mond und Sonne, Stern' und Ströme nicht allein. Auch das menschliche Geschick Wird beschützt von seinem Blick! Nicht für mich kann ich behalten. Was mich lehrte diese Stund'. Eines ew'gen Geistes Walten Künde ich dem Erdenrund: Der Gedanke treuer Hut I Werd' der ganzen Menschheit Gut.*. Und aus seinem Heimathorte Abram in die Lande zog. Und aus seinem Pred'gerworte Heil und Trost die Menschheit sog.-- - . Denn wo jede Stütze bricht, - h , '? Ist der Glaube Trost unb' 2i<$r ' - v » Medgyes. Fanny Baume l. VerantivortliSe Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^Israelit'. SSottstratze Nr- 2. Mainz. Druck und Verlag der I oh. Wtrth'sLen Hofbuchdruckerei Aktiengesellschaft in Maim