Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-08-06 · Heft 62 (6.8.1903) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 62 (6.8.1903)
Date
1903-08-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449948--58789-2523224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

rufung Reißers. Dieses Unternehmen gegen den Ruhm der Wiener Universität, gegen die Wissenschaft und einen ihrer ersten Vertreter überhaupt wäre natürlich ein Schlag in's Wasser gewesen, wenn Reißer die Berufung bereits erhalten und — wie bestimmt vorauszusehen war — angenommen hätte. Vielleicht wäre auch der Ausgang dieser Universitätsaffäre ein ganz anderer gewesen, wenn der Ruf sofort nach dem wilden Angriff der Wiener Christlich-Sozialen erfolgt wäre und das Unterrichtsministerium dem beleidigten Gelehrten in dieser angemessenen Form Genugthuung' geboten hätte. Auch das ist nicht geschehen, und Geheimrath Reißer hat es leichtbegreiflicher Weise vorgezogen, auf die Berufung in eine Stadt, wo ein Mann der Wissenschaft so gastlich begrüßt wird, überhaupt nicht zu reflektiren. Er hat uns übrigens durch seine Zuvorkommenheit eine Bitterniß erspart. Er erklärte, eine eventuelle Berufung nicht annehmen zu können — er hat aber der österreichischen Unterrichtsverwaltung die peinliche Situation erspart, ihn zu berufen und — nach berühmten Mustern — einen Korb zu erhalten." Rußland. Kischinew. Die Ansprache des neuen Gouverneurs von Vessarabien an die Mitglieder der zu seiner Begrüßung erschienenen jüdischen Deputation ist in den Blättern im kurzen Auszug und vielfach so entstellt wiedergegeben worden, daß sie hie und da sogar einen antisemitischen Beigeschmack erhielt. Wir geben daher diese warme im judenfreundlichen Sinne gehaltene Ansprache im Wortlaute wieder und fügen hinzu, daß Fürst U r u s s o w noch ein junger Mann mit einer europäischen Bildung ist. Die Ansprache lautete: Ich freue mich sehr über Ihr Erscheinen. Meine ganze Erziehung und Bildung läßt mich in Ihnen nicht die Vertreter irgend einer gemeinnützigen Institution oder einer Partei, sondern die eines erheblichen Theils der hies. Bevölkerung und treuen Staatsbürger sehen. Ich kenne weder Juden noch Christen. Vom Throne herab ist wiederholt verkündet worden, daß in unserem Lande volle Glaubensfreiheit herrscht. Freilich gibt es Ausnahmegesetze gegen die Juden und Sie selbst werden zugeben, daß ich als Gouverneur dieselben respektiren muß und sie nicht übertreten darf; allein ich hege die Zuversicht, daß es mir gelingen wird, Frieden und Ruhe im Gouvernement wiederherzustellen, und daß ich in Ihnen dabei getreue Mitarbeiter und im Bedarfsfälle auch gute Rathgeber finden werde. Ich schätze die Juden wegen ihrer großen Bildung und hoher Gesittung sehr'hoch. Ich glaube auch, daß in diesen beiden Tugenden das Geheimniß ihrer ökonomischen Ueberlegenheit zu suchen ist. Dennoch wäre es wohl besser, wenn diese Ueberlegenheit nicht so grell zum Vorschein treten würde, damit der Neid der Nachbarn nicht erregt wird . . . Die Moldawanen stehen an Bildung weit unter den Juden, daher wäre es an Letzteren, den Sitten und Gebräuchen der Tieferstehenden mehr Achtung entgegenzubringen. Der Friede geht mir über Alles, und ich hoffe, daß die entsetzlichen Ereignisse des April, die in meinen Augen einer Pest, einer Ueberschwemmung oder einer furchtbaren Brandkatastrophe gleichbedutend sind,/ bald in Vergessenheit gerathen werden. Auf Grund der bisher noch nicht aufgehobenen ministeriellen Verfügung an die Gouverneure will ich sorgfältig darüber wachen, daß die lokale Presse nicht die verschiedenen Bürger gegen einander hetzt. Allerdings kann ich die be - kannten Blätter aus der Residenz nicht beeinflussen. Beruhigen Sie Ihre Glaubensgenossen und veranlassen Sie diese zu ihrer gewohnten Beschäftigung zurückzukehren. Die Thüren meines Hauses stehen Ihnen zu jeder Zeit weit offen. Der neue Gouverneur bewegt sich fortwährend unter der Bevölkerung und sucht ü ln Harun el Raschid unter allerhand Verkleidung ihre Stimmung zu erforschen und sich über die thatsächlichen Zustände ein Bild zu machen. Die unteren Polizeiorgane von Kischinew sind über den neuen Herrn in heller Verzweiflung. ersonakien. Luxemburg, 4. Aug. Gestern Abend verschied plötzlich der hiesige Rabbiner Dr. I. B l u m e n frn im 60. Lebensjahre. Der Verblichene war während 32 Jahren Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Er gehörte der Reform von der Breslauer Richtung an und der „Israelit" hatte in den achtziger Jahren öfters Veranlassung, gegen seine Neuerungsbestrebungen Stellung zu nehmen. 3E3 Soolbad Harzburg HD Pension Parkhaus Geöffnet bis i. Oktob. Vit Oenehmigung Sr. Ehr würden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf I unter Aufsicht Sr. Ehrwilrden Y Herrn Itabbiner Dr, Auerbach + Halberstadt. [4233 ¥ IH. Prospekt gratis nnd franko. X Haus I. Ranges. 46 elegante I Salons mit Balkons. Einziges jüdisches Pensionshans und Rostaa-ant am Platze. Wir machen murre geehrten Vcfer hoff, darauf aufmeiksam, daß sich ob l. September da? rituelle Speis, haus u. Pension Zacobscn Düsseldorf. Bahnstraße 53 (a. d. Graf.Adolphstraße), 5 Minuten vom Bahnhof befindet. Unserer heutigen Nummer liegt die August» Ausgabe deö Verzeichnisses der rituelle» Speisehäuser und Hotek-NestaürantS deS »Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser" (Sitz Hamburg) bei, worauf hiermit besonders hingewiefeu fei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.