Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1903)
- Date
- 1903-07-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Vundesgremium unterstützte diese Eingabe, während eine Anzahl Angestellte, die zu ihrer Versammlung ausschließlich christliche junge Leute einlud, in einer stark antisemitisch angehauchten Gegenpetition, für volle Sonntagsruhe eintrat. Die Regierung versagte aber dem Ortsstatut die Genehmigung, weil ^eine gänzliche Einstellung der Sonntagsarbeit den" hiesigen Verh'ältniffen nicht entsprechen würde." Es bleibt deßhalb bei der fünfstündigen Arbeitszeit, da der Magistrat nunmehr beschlossen, von der Erlassung eines anderen Ortsstatuts Umgang zu nehmen. Für die hiesigen israelitischen Engros-Firmen, die Samstags fast alle geschlossen haben, ist diese Entscheidung der Kgl. Regierung sehr zu begrüßen.• MWAllgen aus dm W. ArmavettlM Md für dieselben. (SLmmttlche jüd. Wanderbettelvereine uno «an-n für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigfett machen, zukommen zu lassen.) Antwerpen, 23. Juli. Wir erhalten folgende Zuschrift: Auswanderer! Amerika! Die Fälle mehren sich leider zusehends, daß arme jüdische Auswanderer (speziell Russen, Polen und Galizier) bei ihrer Ankunft auf amerikanischem Boden (Castle Garden) durch die amerikanischen Behörden unerbittlich zurückgeschickt werden, weil die Auswanderer weder von Anverwandten, noch von „geeigneten" Bekannten abgeholt werden. Von allen Mitteln entblößt, irren dann diese unglücklichen, bedauernswerthen Menschen bei ihrer Rückkehr in die europäischen Häfen (Antwerpen, Hamburg, London) hilfs- und rathlos herum. Es werden darum die Armen-Vereine, Unterstützungskassen, Gemeindevorstände und alle diejenigen, die ein warmes Interesse für die Auswanderer besitzen, gebeten, dem Auswanderer dringend zu empfehlen, erst dann die Reise nach Amerika anzutreten, nachdem dieselben die Sicherheit haben, daß sie den Gesetzen der Einwanderung vollauf genügen können. Es ist eine Selbsttäuschung, die leider allzu begreiflich ist, wenn diese Auswanderer glauben, sie könnten sich bei der „Grenz durchganwen", und ebenso nutzlos ist es, wenn sie einen 3—3 Monate alten Brief in Händen haben, worin ein Verwandter oder Bekannter verspricht, bei der Landung „behilflich" zu sein. Der Einsender dieser Zeilen beobachtete Fälle, wo der Verwandte nicht einmal Namen und Termin der Ankunft des Schiffes wußte, und trotzdem wurde auf die Hoffnung dieser Hilfe die Reise unternommen, nachdem Hab und Gut verkauft war, um die Reisekosten zu erhallen. Z. Die anderen jüdischen Blätter werden im Interesse dieser Armen um Abdruck vorstehender Warnung freundl. gebeten. Zur Orientirung der verehrlichen Armenvorsteher sei hier ein Auszug aus den Ueberfahrtsbestimmungen wiedergegeben: Nach dem amerikanischen Gesetz vom 3. März 19 03 sollen von der Landung in Amerika ausgeschlossen werden: Blödsinnige, Schwachsinnige, Irrsinnige, Krüppel oder mit körperlichen Gebrechen behaftete Personen, Personen mit ekelhaften oder ansteckenden Krankheiten (hierzu zählen Schwindsucht, Hautausschlag, Kopfgrind, Augenentzündung etc.), Verbrecher. Anarchisten, Zuchthäusler, Insassen von Armenhäusern oder Personen, welche der Armenpflege zur Last sind, arbeitsunfähige Personen, wenn nicht Verwandte für ihr Fortkommen sorgen, alleinreisende Frauenspersonen mit kleinen Kindern, wenn sie nicht von ihren Männern oder Verwandten erwartet werden, die für sie sorgen, Gewohnheitsbettler, Mädchen mit Kindern oder im Zustande der Schwangerschaft, sowie Arbeiter, die vor ihrer Auswanderung nach Amerika ein kontraktliches Arbeitsverhältniß in Amerika eingegangen sind. In allen zweifelhaften Fällen soll bei der Linie oder deren Agenten angefragi werden, ehe der Auswanderer die Reise beginnt. Letzte Nachrichten. Lingen, 29. Juli. Am 22. und 23. k. Mts. feiert die hiesige israelitische Gemeinde das 25jährige Bestehen der Synagoge. Möge diese Feier die Liebe zur Gemeinde insbesondere zur Schule stärken, damit jene unerquicklichen Vorkommnisse, die s. Zt. das Bestehen der Schule gefährdeten, sich nicht wiederholen. K. Szcpes Jaknbfalu (Ungarn). Hierselbst spuckt - mal wieder das Gespenst des Bluimärchens, die Bevölkerung befindet sich in großer Aufregung. Man glaubt, daß die klerikale Partei, die eben wieder hochzukommen scheint, schürt. London, 28. Juli. (Judenverfolgungen in Marokko.) Wie der „Morningleader" aus Mogador (Marokko) berichtet, sind in der Provinz Sons am 17. d. M. ernste Unruhen gegen die Juden ausgebrochen. Die Judenviertel wurden theilweise zerstört, viele Juden getödtet und die Frauen entführt. Die Lage in der ganzen Provinz sei sehr ernst. .yw; 1 i'^W!W,h<srqiirw