Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1903)
- Date
- 1903-07-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1312 Schloßpark umgibt, zu rutschen oder durchzubrechen > drohte, den Schutzdamm an einer vom Schloß und Park möglichst weit entfernten Stelle durchstechen lassen. Auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die dadurch begreiflicherweise für das Dorf entstehen müßte, sprach er zu dem neben ihm stehenden Leutnant: „Mögen die Klein-Tschirner Bauern ersaufen, sie haben mich schon oft genug geärgert! Es sollte mir eine Freude sein,; wenn ich im Kahne durch die Tschirner Dorsstraße führen und Klein-Tschirne im Wasser ansehen könnte!" Ungarn. Budapest, 24. Juli. Eine fünfzehngliederige Deputation der orthodoxen Judenschaft Ungarns erschien dieser Tage unter Führung des orthodoxen Rabbiners von Budapest. Koppel Reich, beim Ministerpräüdenten Grafen Kbuen-Hodervnry, um ihn anläßlich seines Amtsantrittes zu beglückwünschen. Der Sprecher der Abordnung, Dr. Jakob Schächter, verdolmetschte den Glückwunsch der Deputation und erbat den Schutz des Kabinetschefs für die orthodox-jüdischen konfessio-. - nellen Interessen. Hierauf dankte der Ministerpräsident für die Begrüßung. „Es freut mich," sagte er. „Ihre feste Anhänglichkeit an die Religion wahrzunehmen. Der religiöse Eifer ist mir sehr sympathisch, sehr lieb. Er bildet eine Stütze im Kampfe des Lebens. Die strenge Einhaltung der Glaubenssatzungen seitens jeder Konfession schätze ich hoch. Der Glaubenseifer ist auch im Interesse des Baterlandes erwünscht. Ich meinerseits versichere Sie meiner Unterstützung in Ihren patriotischen Bestrebungen." Lebhafte Eljenrufe begleiteten die Worte des Ministerpräsidenten, der sich dann sämmtliche Deputationsmitglieder vorstellen ließ. Rußland. Petersburg. (Herr von Plehwe und die Juden.) Der russische Korrespondent der. „Times" berichtet von einer Unterredung, die der Minister des Innern, Herr v. Plebwe, mit drei Vertretern der jüdischen Handwerker und Kaufleute von -Odessa, den Herren Goldenstein, Grünberg und Königshatz gehabt habe. Der Minister soll erklärt haben, er sei keineswegs ein Feind der Juden, im Gegentheil würde er sich freuen, ihnen in ihrer Roth helfen zu können. „Aber, habe er hinzugefügt, Eure jungen Leute haben sich in den letzten zwanzig Jahren dem Einflüsse Eurer Kirche und der Familie entzogen. Eure jungen Leute glauben höchst irrthümlicher Weise, daß Rußland ein verfallender Organismus sei, der sich leicht zerstören lasse. Sagt ihnen, daß das ein grober Jrrthum ist.' Rußland ist ein jugendlicher und kräftiger Organismus. Wenn wir zeitweilig mit Unannehmlichkeiten zu kämpfen haben, zum Beispiel mit den Schwierigkeiten, die durch die Arbeitervereine im Süden und Südwesten hervorgerufen worden sind, so hoffen wir, mit diesen ' vorübergehenden Schwierigkeiten bald fertig zu werden." Hieran soll der Minister folgende Drohung geknüpft haben: „Sollten wir finden, daß die regierungsfeindliche Bewegung unter den Juden nicht aufhört oder nicht schwächer wird, so werden wir nicht zögern, die schärfsten Maßregeln zu ergreifen. Wir werden dann genöthigt sein. Euch loszuwerden. Zu diesem Zweck werden wir einerseits Eure Auswanderung erleichtern, andererseits werden wir die Juden aus allen unseren Schulen ausschließen, und ihnen das Leben in Rußland unmöglich machen." Der Minister habe diesen Worten hinzugefilgt. daß sie keine Drohung seien, sondern den Juden nur zeigen sollten, was sie zu erwarten hätten. (Daß die „regierungsfeindliche" Gesinnung gewisser jugendlicher jüdischer Kreise nur eine Reaktion auf die jahrhundertelange grausame Verfolgung von Seiten der russischen Machthaber ist, scheint Herr von Plehwe nicht einzusehen. Nach ihm hat Karnickel angefangen. Red.) vermischtes. Posen, 22. Juli. Seit Anfang d. M ist die Jnspcktorstelle an der hiesigen israel. Waisenknnbcn-Anstalt dem pcnsionirten Lehrer Herrn Wolfs provisorisch übertragen worden- Derselbe wirkte, wie bekannt. 40 Jahre in Wrescken an der dortigen isracl. Volksschule. Der bisherige Inspektor, Herr K a tz e n st c i n »bat sein Domiz'l i:r Berlin genommen. — Die Vakanz der Stelle ist bereits ausgcschri ben. - Hermann Wolfs. Eydtknhnen, 20. Juli. In der russischen Kreisstadt Schanlen, sind 72 Hauser und auch die Synagoge durch Feuer vernichtet worden. Es. herrscht große Panik unter den Einwohnern. Mehrere Personen erlitten Brandwunden. — In der heutigen synagogalcn Sitzung» in welcher Herr Landrath von R e d e r n— Stallupoenen als Regierungs- Kommissar sungirte, wurde an Stelle des nach Königsberg verzogenen Herrn Abel K a m i n s k y Herr Jacob B e r l om itz als stellvertretender Vorsteher unserer Gemeinde gewählt. — Das Wechsel-Bureau auf Bahnhof Eydtkuhnen, geht vom 1. August, laut Zuschlogscrtheilung der Kgl. Eisenbahn-Direktion in Königsberg aus die altbekannte jüdische Firma S. P. Berlowltz hier über. Sehr selten erhält eine jüdische Firma solch rin der Eisenbahn unterstelltes Bureau._Eduard Segall. Briefkasten der Redactton. Lehrer M. G in A.: Bei uns in Süddeutschland ist es üblich, selbst im 1. Jahre den Jahrzeitstag am Sterbetage zu halten. Briefkasten der Expedition. A. 100, Frankfurt: Delmenhorst (Großherzogthum Oldenburg)._ Berichtigung. In der Korrespondenz aus Endingcn (Schweiz) in Nr. 57, S. 1260, soll es heißen anstatt: „in den beiden Gemeinden Endingcn und Langen" „in den beiden Gemeinden, Endingen und Lengnau.*