Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1903)
- Date
- 1903-07-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1287 der Bürgerschaft dankbare Anerkennung gefunden. Ueber seine Wirksamkeit als Kultusbeamter und sein Streben innerhalb der jüdischen Gemeinde könne er (Redner) natürlich aus eigener Anschauung kein Urtheil besitzen. Doch habe er als erster Beamter der Stadt auch diesem Theile der Amtsthätigleit des Herrn O. sein Interesse zugewandt und allezeit nur Gutes vernommen. Die Allerhöchste Auszeichnung gelte sowohl dem Lehrer als dem Kultusbeamten. So ungern die städtischen Behörden den treuen Beamten aus seinem Wirkungskreise entließen, so konnten sie sich doch der Wahrnehmung nicht verschließen, daß er nach so langer, anstrengender Thätigkeit der Ruhe bedürfe, und sie hoffen und wünschen, daß Herr O. sich des wohlverdienten Ruhestandes noch recht lange erfreuen möge. Auf diese sichtlich von Herzen kommende Ansprache des Bürgermeisters dankte Herr Qltwald iiefgerührt: Die Gnade Sr. Majestät unseres Allergnädigflen Königs erfülle ihn mit freudigem Stolze. Jndeß beglücke ihn auch das erhebende Bewußtsein, daß er die Allerhöchste Auszeichnung dem Wohlwollen der städtischen Behörden verdanke. Das Gefühl der Dankbarkeit werde ihn bis zur letzten Stunde seines Lebens begleiten. Ncgcnsburg, 16. Juli. Soeben erschien das zweite Heft der Schrift „Contra Delitzsch" von Dr. S. Mehr r. Verlag von I. K a u f f m a n n , Frankfurt a. M. Preis pro Heft 1 Mark. Das erste Heft dieses Werkes hat sowohl in der Kritik, in nichtjüdischen und jüdischen Blättern, wie auch bei Theologen und anderen Gelehrten Zustimmung und Anerkennung gefunden. > Insbesondere hat die Kritik hervorgehoben, daß die Schrift trotz ihres wissenschaftlichen Apparates auch nir den Laien verständlich und Jedem zu empfehlen ist, der sich über die Bibel-Babel-Angelegenheit ein sicheres Urtheil verschaffen will. Das zweite Heft enthält folgende Kapitel: Einleitung. 1. Das Wort „zur Klärung". 2. Die Jav.-Tafeln. 3. Das Ziel bx. 4. Der Monotheismus. 6. Die Frau in der Bibel. Amerika. Ncw-Äork, 20. Juli. In der hiesigen Zionistenbewegung hat fick eine Spaltung gebildet, die die Einzelvereine in zwei numerisch ziemlich gleiche Lager geschieden hat. Im amerikanischen Zionismus hatte bisher das Reform-Element die Führung. Die Orthodoxen haben sich nun in einer abgehaltenen Versammlung von Dr. Gottheil und seiner Anhängerschaft getrennt und werden ihre eigenen Wege gehen. Die Versammlung, in welcher dieser Beschluß gefaßt wurde, war von etwa fünftausend Personen besucht. Persien. Hamadan. Wir entnehmen einem Briefe des Herrn Vaffan von Hamadan an das Zentralkomitee der „All. Jsr.": Der Monat Moharem ist nicht ohne Unfälle verlaufen. Ein junger Israelit, Meier Murad, wurde beschuldigt, nicht weit von einer Moschee eine Lbelbeleumdete Frau fortwährend fixirt zu haben. Jedermann ist es hier bekannt, daß dieser junge Mann schielt und er eine eigenthümliche Gewohnheit hat, die Leute zu betrachten. Der unglückliche Jude wurde umringt und durch die Muhammedaner, deren Zahl sich fortwährend vermehrte, schwer mißhandelt. Polizeibeamte eilten herbei und hatten Mühe, unfern Glaubensgenossen der fanatischen Menge zu entreißen. Man führte ihn zu dem Scherif El-Mulk, welcher vorläufiger Gouverneur der Stadt ist. Unglücklicherweise waren einige einflußreiche Priester der Stadt Mirza Hassan und Mirza Medhi gerade bei dem Scherif El-Mulk an- V wesend. Um auf die Menge einen Eindruck zu machen, zerrissen dieselben ihr Gewand und riefen aus.: „Unglücklicher. Du hast es gewagt, eine muhammedanifche Frau in der Nähe einer Moschee zu umarmen und sogar während des Trauermonats." Der Scherif El- Mulk versprach, dieses Vergehen streng zu bestrafen. Der Jude wurde in's Gefängniß geführt und erlitt während zweier Tage die denkbar grausamste Behänd-, lung. Nach zweitägigen Verhandlungen bewirkte ich seine Freilassung; Meir Murad war kaum noch zu er-, kennen und nicht im Stande, allein zu gehen. Sein Vater mußte 40 Tomans oder 200 Frcs. zahlen. Der arme Mann besaß diese Summe, welche für ihn ein Vermögen bedeutet, nicht und lieh ich ihm die 200 Frcs. Als die Priester erfuhren, daß unser Glaubensgenosse in Freiheit gesetzt wurde, schrieben sie an den Vize-Gouverneur, sie würden für die entstehenden Unkosten keine Verantwortung übernehmen, wenn Meir Murad nicht wieder in's Gefängniß zurückgefiihrt würde. Am folgenden Tage wurde Meir Murad auf den Rücken eines Esels gebunden und auf solche Weise zu dem Vize-Gouverneur geführt. Das Gerücht verbreitete sich in dem jüdischen Viertel, Meir Murad wäre getödtet ivorden, wie dieses vor vier Jahren bei einer ähnlichen Anklage einem anderen jungen Manne widerfahren war. Ich reiste in größter Eile nach Cheverine, einem eine Stunde von Hamadan entfernten Orte und begab mich zu Hessam-El-Mulk, einer einflußreichen Persönlichkeit, dem Vater des Echtecham El-Dowleh, dem ' Schwiegersohn Sr. Majestät des Schah. Er empfing mich wie immer mit der größten Liebenswürdigkeit. Ich setzte ihm den Zweck meines Besuches auseinander. Er war über den Vorfall sehr entrüstet. Er diktirte seinem Schreiber einen Brief für den Vize-Gouverneur, worin er sein unverzeihliches Benehmen, seine Grausamkeit und Habgieroe tadelte. Er befahl, den jungen Mann sofort zu entlassen und ihm die 40 Tomans zurllckzuerstatten. Ich bat Hessam- El-Mulk, daß Meir Murad nach Cheverine gebracht werden sollte, wo ich ihn erwarten wurde. In der