Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1903)
- Date
- 1903-07-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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■OMO 5 E S v*^ ft 8 O N -3>* mm Ernnf'iiifc)’ bh \!!! 20. Juli 1903.] [91*. 33 Uv*. Zeitgemälde von I. I. Kraszewski in autorisirter Uebertragung. Ein kleines Männchen von, schwindsüchtigem Aeußern trat hervor, blickte sich um, räusperte sich und sprach langsam und heiser: „Wir wurden lange genug verachtet und schnöde behandelt! Es ist Zeit, vor allem, ohne auf einen raffinirten Patriotismus uns einzulassen, an uns selbst zu denken! Der Landmann liebt uns nicht, das ist wahr, aber er ist ein Thor, vor dem wir uns nicht fürchten. Der Adel haßt uns, setzt uns zurück und demüthigt uns! Unser Interesse ist, uns zu retten und zu verteidigen! Ist die Revolution unvermeidlich, so wird der Ade! schon allein wegen des Ehrenpunktes, wenn auch nicht gerne, zu ihr stehen. Die Regierung, die ihn fürchtet und nicht leiden mag, wird diesen Vorwand benutzen, um ihn abzustumpfen, zu beugen, zu enteignen und zu erwürgen. Bedenken Sie, meine Herren, wenn wir uns erhalten, was unsere Perspektive ist: In jedem Volke muß über die Menge eine gewisse Intelligenz und Aristokratie gestellt werden. W i r sind dazu das geeignete Material: w i r werden das Land ' beherrschen!" „Wir hörten dies schon! Die Sache ist nicht neu!" sprach Jakob. „Diese Behauptung — ich weiß nicht, ob sie anständig ist — aber sie mag richtig sein —: bis zu einem gewissen Punkte. Nur das Eine stelle ich ihr entgegen, daß, wenn wir unser Leben und Vermögen uns erhalten, nous sauverons tout,hors — 1’ honneur! Diese Thatsache selbst, daß wir uns allein nur retten, verurtheilt uns schon. Zweitens wird ein Theil des Adels immer noch übrig bleiben. Und drittens wird die Negierung ermüden und sich erschöpfen. Rußland hat innere Sorgen und Krankheiten . . . Und über zehn Jahren „Ueber zehn Jahren sind wir, wenn wir hier nicht herrschen, nicht drei Groschen werth!" rief, die Hand erhebend, der trockene Mann. „Wir beherrschen hier aber schon durch die Börse und einen großen Theil der Presse Deutschlands halb Europa. Wir haben ein Stück von Frankreich in den Händen, wenn nicht das Ganze. Hier aber wird unsere Hauptstadt sein, ein neues Jerusalem!" - , „Mein bester Herr!" antwortete Jakob. „Davon ist es noch weit entfernt! Durch Egoismus kommen wir nicht zum Ziel. Vesser ist es, sich mit dem Lande zu verbrüdern durch ein aufrichtiges Opfer, sich seine Achtung verdienen, ihm beweisen, daß das Volk Israel eine edle Nation ist. daß es, obgleich unterdrückt, sich niemals erniedrigt, indem es sich auf die Seite der Gewalt und der Bedränger stellt. Komme was da wolle: die Schlauheit wird niemals der ehrlichen Rechnung gewachsen sein: Rechnen wir auf die heilige Sache!" „Wie? Du willst uns Vernunft lehren?" unterbrach ihn Simon. „Der Jude ist seit Jahrhunderten schlau, und muß es sein!" „Nein! Nein! und nochmals nein!" erwiderte Jakob heftig. „Die Knechtschaft machte ihn schlau. Die Unterdrückung lehrte ihn die Falschheit. Jetzt sind die Fesseln gesprengt, die Wege geöffnet. Wir können