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Der Israelit · 1903-07-13 · Heft 55 (13.7.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 55 (13.7.1903)
Date
1903-07-13
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1228 . In der That war der Wirth heute prächtig. Er blickte herab auf die Welt von der Höhe seines Stolzes, wuthschnaubend griff er sich alle Augenblicke an den leer?n Köpft „Es thut noth, daß wir endlich einmal uns berathen," rief er, als er die großartige Sitzung von dem Chaise longue aus, welches er ganz allein einnahm, eröffnete. „Ja, die Sitzung wird eine immer komplizirtere! Wir muffen etwas beschließen en vue des evenement fntures I Was sollen wir thun? Unser Volt ist berühmt wegen seiner Einigkeit. Wird es sich dieselbe erhalten? Was meinen die Herren?" „Ich sage und votire dahin," rief Simon lachend, „daß Du uns vor allem erst eine Cigarre anbieten solltest!" „Laß uns aber jetzt zufrieden mit Deinen Witzen," sagte Mann, nachdem er ihm schleunigst die gewünschte Cigarre zugesteckt. „Die Sache ist sehr ernst! Wie denken Sie, wird der Adel Fortschritte machen?" „Fortschritte zu machen." flüsterte Simon, „ist durchaus nicht des Adels Sache, sondern viel hin- und herzuschreiten, in Geschrei zu machen, aber nichts zu thun!" „Allerdings!" erwiderte Mann. „Diesmal aber wird man ihn dazu zwingen!" „Zum Theil wenigstens!" „Der Adel aber," füge ich hinzu," rief Mann, „hat uns beleidigt, sich uns höchst feindlich gezeigt!" „Halt! Ade! ist Adel!" begann Simon unaufhaltsam das Wort ergreifend, trotz der verdrießlichen Miene des Wirths. „Der Adel sieht in uns immer seinen Pächter! Da ist alles umsonst! Wir riechen ihm noch zu sehr nach Zwiebeln. Sprechen wir von anderen Elementen. Denn bis jetzt denken diese Herren nicht daran, anzuzreifen; sie wollen nicht gern untergehen!" „Augenscheinlich aber kommt es dennoch zur Revolution!" rief Mann. „Das kann wohl sein!" bemerkte Barthold. „Aber Herr Simon hat ganz Recht: Der Adel hat durchaus keine Lust, sich daran zu betheiligen. Es handelt sich nur um den Mittelstand!" „Und wie wird es mit uns?" fragte Jemand. „Eben weil die mittleren Klassen hier die Hauptrolle spielen, können wir nur zu leicht mit hineingezogen werden!" „Ja! Wir können und müssen uns mit hineinziehen lassen." rief Jakob aus der Ecke. „Wir erringen uns Bürgerrechte! Dies ist die beste Gelegenheit, sie zu erlangen!" „Wir sprachen schon oft davon," sagte Mann, sich krümmend. „Das sind aber Theorien. Man mutz die Sache praktisch anfaffen. Was ist hier unser Interesse?" \ „Das erste Interesse," erwiderte Jakob, „ist für uns, in dem Lande, in dem wir unserer so Viele sind, ausgenommen zu werden, uns zu verbrüdern und zu verbinden. Das ist das einzige Moment!" „Ja! Indem wir mit ihnen zusammen eine Dummheit begehen, verbinden wir uns vollkommen," fügte Simon hinzu. „Nichts verknüpft inniger, als so etwas. Beide Theile beschuldigen sich spater gegenseitig!" - „Simon. Deine Cigarre hast Du bekommen! Wenn sie Dir nur auch dey Mund verstopfte!" rief Mann. „Ich gebe Dir eine zweite, wenn Du nur schweigen wolltest!" rief Jemand ungeduldig von der Seite her. «Die Frage ist also die." sprach Mann, „welche Rolle sollen wir Juden hier spielen?" - „Entschuldigen Sie, hier sind wir nicht Juden, sondern Polen mosaischen Bekenntnisses!" verbesserte ein Anderer. , Einige klatschten diesem zum ersten Male angewandten Ausdrucke lebhaften Beifall. „Erlauben die Herren," fügte Jakob hinzu. „Wird diese Definition festgebalten, so wird sie Alles auflösen!" „Entschuldigen Sie!" rief Mann. „Hier handelt es sich um die noch ungelöste Frage, ob wir mit dem Adel gehen, welcher die Revolution nicht will, oder mit denen, die sie wünschen und herbeiführen?" . „Da liegt der Knoten!" sprach Simon. „Ich stimme dafür, wir gehen mit dem Adel. Vielleicht verdienen wir auch uns unser Wappen! Ich lasse mir sofort auf meine Petschaft drei Zwiebeln aus goldenem Grunde und auf den Helm einen prächtigen Knoblauchbusch stechen!" „O, Du elender Schwätzer!" unterbrach ihn Mann, mit der Faust auf den Tisch schlagend. „Wirst Du still sein?!" „Nun, ich schweige schon!" „Nehmen wir die Sache ernst! lir scheint, daß sie dies verdient!," unterbrach ihn Varthold. „Herr Mann stellte die Frage ganz richtig?" „Nein!" widersprach Jakob. „Für uns steht nicht die Frage, ob wir mit dem Adel, oder mit Jemandem anders gehen sollen, sondern was besser ist für das Land, welches wir uns zum Vaterland« erkoren haben?" „Vortrefflich!" unterbrach Heinrich. „Wer aber sieht nicht, daß die Revolution das Verderben ist, daß sie nicht gelingen kann, daß sie unterstützen, das Land verderben hieße!" (Fortsetz, folgt.) r . i Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition deS „SSroelit“. Schottstraße Nr. 2. Main». Truck und Verlas der Job. W'rtb'kchen Holbu'irdrock-rei dlc^ien-6!«>k ll^chokt in Wrint. »UM» ' *•' MlfJ?

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