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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von . . - . - 1»^. Dehnrsnn in Doirnerftag, den 14. Thsrrrrrs 5663 9. Juli 1903. ’: Wo lernt man Schechita? Als vor wenigen Jahren, unsere Gegner einen neuen Sturmlauf gegen die wichtige Institution der Schechita unternahmen, als man trotz allen Erwartungen diesen Kampf im deutschen Reichstage, der höchsten legislatorischen Körperschaft unseres Vaterlandes, herannahen sah, da waren alle Parteischattirungen im Judenthum. oder in. der Judenheit darin - einig, gemeinsam vor zu gehen, in den „Thierfreunden". die gemeinsamen. Judenfeinde zu erblicken. Man war umsomehr einig, als man einen abermaligen Kampf kaum erwartet hatte, nachdem doch schon in den 80er Jahren der Angriff auf unsere Religion und Gewissensfreiheit glänzend abgeschlagen worden war. Man sah jedoch, daß unsere angeblichen Threrschützler keine Zeit unbenutzt, kein Mittel unversucht lassen, um ihrem Ziele näher zu kommen. Wir mußten es doch erleben, daß in einem größeren Bundesstaate unseres Vaterlandes, daß im ganzen Königreiche Sachsen das.Schachten verboten ward! Inzwischen folgten in Angermünde und anderen Orten kommunale Schächtverbote, gegen die man höheren Orts „nichts einzuwenden vermag." Und erst jüngst wieder Leim 26. Verbandstag des deutschen Fleischerverbandes richtete der Vezirksverein sür das Königreich Sachsen einen Antrag gegen die jüdische Schlachtmethode. Und wenn auch dieser Antrag nach längerer Besprechung abgelehnt wurde, so müßte man doch ein unverbesserlicher Optimist sein, wollte man nicht das Hannibal ante Portas einsehen und eingestehen! Wir erkennen in all diesen Vorgängen die sicheren Anzeichen, mit welcher Zähigkeit und Ausdauer die Schächtfeinde ihren Plan verfolgen. Wir müssen es daher als unsere ernsteste Pflicht empfinden, überall und allezeit j e d e G e - l e g e n h e i t wahrzunehmen, den bereits gesammelten fachmännischen Gutachten über die Schechita neue anzufügen, um der Gegenagitation im Laufe der Zeit das Gleichgewicht zu halten, damtt wir gegebenes Falls nicht auf Urtheile von über 16 und 20 Jahren zurückgreifen müssen. Das sollte jeder beherzigen, der/ ' in dieser Beziehung mit Physiologen, Psychologen, ' Veterinären, Schlächthausverwaltern und Fleischern in Verbindung steht und der guten Sache dienen ./könnt-.-'-'-?*■*■’■*'?~0***r^* --r:—- Ungleich wichtiger, als dieser Kampf nach, außen,. scheint mir jedoch die Frage, welche ihr Ziel nach, innen richtet, die Fürsorge um eine gute, ge- . wissenhafte Schechita, die den strengen Anforderungen des Religionsgesetzes, entspricht. Hier liegt. der Kampf für's Gute ganz in unserer Macht-/; sphare, hier beengt uns kein Feind, wenn nicht, der Jndifferentismus, Gleichgiltigkeit und Unverständniß im > eigenen Lager. Hier ist daher auch in erhöhtem V Maße unsere eigene Verantwortlichkeit gegeben!. . Wir hätten, in der That keinen Grund, den großen - - Apparat der Abwehr in Bewegung zu setzen, wenn dasjenige auf so schwachen Füßen steht und so. niedrig eingeschätzt wird, dem dieser Vertheid'i - gungskampf gilt. Man dürfte .mit Fug und. Recht uns der Unaufrichtigkeit, des Doppelwefens ' - - zeihen, wenn die Schechita, deren gesetzliche Gewährleistung wir mit solcher Macht anstreben, in jüdischen Kreisen selbst mißachtet und oberflächlich behandelt wird. Es ist dies ja auch schon des öfteren betont' -- worden im Hinweis auf die leider übergroße Zahl von . Glaubensgenossen, die unsere Speisegesetze ganz skrupellos übertreten, sowohl im eignen Familienkreise, als - draußen aus der Reise. Mit welchem Ernste könnte . auch jemand sür die Schechita.eintreten, der jahraus,.. ■ jahrein sich an nichtjüdischer Tafel niedersetzt?- täuschen uns nicht, wir trauen es uns auszusprechen,

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