Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1903)
- Date
- 1903-07-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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-s* ökizze «ins den letzten Ereignissen in Aischinew. . . riach einer Lrzahlung des Rud. Greinz NN „Amsterd. Handelsbl." von W. H. Ryt^, (Frankfurt a. NI.*) wm m MU^W^für das^> Mtthodoxe MuderrlhumM < -A\ O S £ S vfl— f| Juli 1903.1 Wimilm mm Am, mm i. ■ ■! Länger. als ein Fahr gehörte der Schmiedegesell Dimitri Michailowitch zu jener großen Armee von Landstreichern, die die russischen Heerstraßen unsicher macht; er war „auf der Walze", wie so viele andere. Vor kurzer Zeit nach Kischinew gekommen, hatte er nach eifrigem Suchen Arbeit gefunden. Dimitri war eine herkulische Gestalt, und deßhalb engagierte ihn der Meister sofort. Jetzt war er wieder bei der Arbeit und freute sich, fleißig sein zu können, denn das Lumpenleben hatte ihn zuletzt angeekelt. Nur eine häßliche Gewohnheit war von der Landstreicherei geblieben: er hatte trinken gelernt! Als der Schmiedegesell nun seinen ersten freien Tag bekam, ließ er bereits am frühen Morgen seine Kopeken klappern; heute wollte er auch wieder einmal fein Leben genießen, heute war er doch wieder ein freier Mensch, auch wollte er Bekanntschaften anknüpfen und .... ging rn's Wirthshaus. *) Mit freundlicher Gcuelnnigung der Nedaction ans dem ' „{Jrrnirtfurtcr General-Anzeiger".. Petersburg, 20. Juni. Die „Nowoje Wreinja" - meldet, dntz der Bischof von Uischineiv behufs Vcrtheilung unter die Bevölkerung 40,000 Exemplare der letzten Bede des Erzprieiters Johann von .Kronstadt erhielt, welch letzterer, wie erinnerlich, erklärte, daß an der Kischiueivec Metzelei lediglich die Jude» selbst schuld seien, die russische Bevölkerung aber sei daran ganz unschuldig. „Dimitri," sagte sein Meister, als er vor einem Stück Spiegelglas eine verschossene, früher knallrothe Halsbinde zu einem Knoten band und sich zum Ausgehen fertig machte. „Demitri, betrinke Dich nicht (der Gesell murmelte einige Worte in den Bari) und mische Dich nicht in Dinge, die Dich nichts angehen," fügte der Meister bei. „Heute ist ohnedies etwas los in der Stadt, Petrowitch, der Polizeiwachmann, hat es mir gesagt. Heute sollen alle Juden todtgeschlagen werden, „Väterchen"*) sei damit einverstanden, behauptet Petrowitch, aber ich glaube das dumme Geschwätz nicht — mit der Zustimmung von „Väterchen" bin ich einmal bös hereingefallen. Damals wurde auch erzählt, daß „Väterchen" damit einverstanden sei, daß keine Steuern mehr gezahlt werden sollen, aber das kam mir theuer zu stehen. Ich prügelte den Beamten, der die Steuer erheben wollte; der sagte, ihm sei von der Zustimmung . Väterchens nichts bekannt, na, da haben sie mich drei Monate in's Loch gesteckt!" *) Im russischen Volke gebräuchlicher Ausdruck für „der Zar." AA^r