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Der Israelit · 1903-06-29 · Heft 51 (29.6.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 51 (29.6.1903)
Date
1903-06-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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44* Jahrgang. zu Jfs 51 des Präsident Roosevelt über die Metzeleien in Aischinew. Am 16. Juni überreichte ein von dem Orden „B'nai Brith" ernanntes Komitee, bestehend ans den Herren Leo N. L e v i, Jul. B i o n, Jak. Furth, , Solomon Sulzburger, Joseph D. Coons, Simon W o l f und Adolf Moses in Washington dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn Roosevelt, eine Denkschrift an den Czaren, in welcher die Bermuthung ausgedrückt wird, daß dem Czaren nicht bekannt' sei, bis zu welch' hohem Maße die russischen Juden unterdrückt werden. Die Stellungnahme der amerikanischen Regierung ist die, daß durch offizielle Vorstellungen an Rußland nichts erreicht werden kann, daß vielmehr solche Vorstellungen Repressalien Hervorruferl würden. Gelegentlich des Empfanges des erwähnten Komitees hielt Präsident Roosevelt folgende Rede: - „Ich habe wohl nicht nöthig, der weitverbreiteten Entrüstung Ausdruck zu geben, mit der das ganze ame- ' rikanische Volk die fürchterlichen Ausschreitungen gegen die Juden in Kischinew ausgenommen hat. Es ist mir in meiner ganzen Erfahrung kein Fall bekannt, bei dem sich in diesem Lande eine raschere Sympathiekundgebung für die.Opfer, und ein tieferer Ausdruck des Abscheues über die Greuel der entsetzlichen Vorgänge geltend gemacht hätte. Es ist natürlich, daß die Gefühle, die die ganze zivilisirte Welt beherrscht haben. in den Vereinigten Staaten am stärksten und intensivsten zum Ausdruck kommen, denn die Vereinigten Staaten sind von allen großen Mächten gerade das Land, in dem von Beginn seines nationalen Bestehens das Meiste geschehen ist, um das an der jüdischen Rasse begangene Unrecht gutzumachen und den amerikanischen Bürgern jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Eines der rührendsten Gedichte unseres großen Dichters Longfellow ist dem jüdischen Friedhöfe in Newyork gewidmet, und wer immer die alten Vegräbnißstätten unserer Städte besucht, die Zeugniß oblegen von den alten Kolonial-Zeiten, wird dankbar viele Namen von Amerikanern jüdischer Rasse lesen, die im Frieden wie im Kriege in vollem Maße zur Begründung dieser Nation beigetragen haben. Von den vielen Versammlungen der Kriegervereine, denen ich beigewohnt habe, bleibt mir eine besonders unvergeßlich. Es war dies eine Versammlung, die von Kriegsveteranen jüdischen Glaubens im Tempel Emanuel in der 44. Straße zu Newyork zur Begrüßung der heimkehrenden Krieger aus dem spanisch-amerikanischen Kriege abgehalten wurde. Als ich selbst dem Heere angehörte, focht neben mir einer der besten und tapfersten Hauvtleute des Regiments, ein Jude. Einer der Schiffskommandanten, der sich bei der Blokade der kubanischen Küste rühmlich hervorthat, war ein Jude. In meinem eigenen Regimente beförderte ich fünf Leute wegen Tapferkeit in der Schlacht zu Offizieren. Zufälligerweise ergab es sich — denn ich hatte keine Ahnung, welcher Religion die Leute angehörten— daß davon zwei Protestanten, zwei Katholiken und einer Jude war. Obgleich dies, wie gesagt, ein großer Zufall war, so ist die Sache doch bezeichnend für die religiöse Zusammensetzung unserer Nation und für die Thatsache, daß alles, was von einem Mann hier verlangt wird, ist, daß er ein guter Amerikaner sei, einerlei, welches Glaubens er ist, noch wo seine Wiege gestanden hat. Lassen Sie mich Ihnen eine, kleine Begebenheit erzählen, die Bezug hat auf die Frage der Rassen- und Religionsverfolgungen. Vielleicht erinnern Sie sich — sicherlich werden sich einige meiner Newyorker Freunde daran erinnern — daß während der Zeit, als ich Polizeikommissär in Newyork war, ein Geistlicher von Europa kam, um in Newyork eine antijüdische Agitation in's Leben zu rufen, und daß er seine Absicht kundgab, Versammlungen abzuhalten, in denen die Juden angegriffen werden sollten. Die Angelegenheit wurde mir unterbreitet, ich hatte aber natürlich keine Befugniß, die Versammlung zu untersagen- Nach reiflicher Ueberlegung wählte ich einen jüdischen Polizei-Sergeanten und 40 jüdische Schutzleute aus, um den Agitator in den Versammlungen zu schützen, sodaß er in seinen Hetzreden gegen die Juden ausschließlich von Juden, beschützt ward. Meiner Idee nach war das die beste Antwort, die ihm gegeben werden konnte, und gleichzeitig war das eine Aeußerung. wie wir Amerikaner dergleichen * Sachen behandeln. Einen Schutzinann stelltr ich unter'folgenden Umständen an: Bei einem Besuch des christlichen jungen Männervercins wurde mir von einem jungen Juden erzählt, der bei einem Brande unter großer Lebensgefahr Leute aus dem brennenden Hause gerettet habe. Die allgemeine Ansicht war. daß dieser junge Mann das richtige Zeug für einen tüchtigen Polizisten in sich habe. Ich ließ ihn zu mir kommen und rieth ihm. sich zum Examen zu melden. Er that es. bestand die Prüfung und wurde nicht nur ein vorzüglicher Schutzmann, sondern benutzte seinen Gehalt auch dazu, seine jüngeren Brüder und Schwestern etwas lernen zu lassen.

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