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Der Israelit · 1903-06-25 · Heft 50 (25.6.1903) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 50 (25.6.1903)
Date
1903-06-25
Page
– (sequence 31)
Language
German
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st er n in Sulz, Oberelsaß, wundervoll gearbeitetes Proches nebst allem Zubehör. .... Möge es dem Hahn'schen Ehepaare vergönnt sein, . auch noch die diamantene Hochzeit zu feiern. Ungarn. Budapest. (Lazar Eppinger.) Eines der ältesten und trefflichsten Mitglieder der Pester isr. Kultusgemeinde, Herr Lazar Eppinger, Begründer und Chef des Manufaktur-Großhandlungshauses Lazar Eppinger und Söhne, feierte in körperlicher Rüstigkeit und vollkommener Frische des Geistes am Offenbarungsfeste ' seinen achtzigsten Geburtstag.: Eppinger hat ein Leben voll Gottesfurcht und Ehrenhaftigkeit, voll Fleiß und Rührigkeit geführt, und der hochbetagte Greis meidet noch immer alle behagliche - Ruhe, Arbeit bildet noch heute sein Lebenselement.' Und diese Arbeit, die allwöchentlich durch gewissenhafte Einhaltung der Sabbatruhe geweiht und geheiligt ist. war eine gesegnete. Als kleiner Kaufmann hat er begonnen und heute gehört er als Großkaufmann zu den ersten in feiner Branche. Von Gottes Segen machte er stets den edelsten Gebrauch. Er ist der Armen Freund im edlen Sinne des Wortes und übt Wohlthaten im Stillen. Ein konservativer strenggläubiger Jude von bedeutendem hebräischen Wissen, hat er doch die berechtigten Anforderungen der Gegenwart nie außer Acht gelassen. Eppinger, der zu seinem siebzigsten Geburtstag der Ofener Jsraelitengemeinde eine Heirathsausstattungs-Stiftung in der Höhe von 10,000 Kr. machte, hat nunmehr die Pester israelit. Religionsgemeinde, die Pester „Chewra Kadischa" und die hiesigen gemeinnützigen Anstalten mit reichlichen Spenden bedacht. Hiervon seien besonders hervorgehoben: die der Pester Chewra Kadischa gewidmete prächtige Thorarolle mit einer Silberkante und einer silbernen Jad, nebst zwei, mit herrlicher Stickerei gezierten Thoramäntelchen. Die Krone wie die Jad wurden nach Angabe Eppingers angefertigt im Atelier der Brüder Breitner, welche, als Spezialisten längst rühmlichst bekannt, auch diesmal fein durchdachte, dem modernen Geschmackentsprechende Kunstwerke hergestellt haben. Am Feste der Gesetzgebung ward aus der neuen Thorarolle zum ersten Male im großen Tempel in der Tabakgasse das Wort Gottes verlesen. Herr Eppinger, zur Thora ausgerufen, erhielt von Oberkantnr Professor Adolf Lazarus, einen eigenen, von diesem verfaßten Mischeberach und spendete 80 Ein-Kronen-, SO Zwei-Kronen-, 80 Fünf-Kronen-, 80 Zehn-Kronen-, 80 Zwanzig-Kronen- und 80 Fünfzig- Kronen-Stücke, zusammen mehr als 7000 Kronen. Nach dem Gottesdienste erhielt Herr Eppinger im Kreise seiner zahlreichen Familie die herzlichsten Gratulationen. Die Söhne des Jubilars haben aus Anlaß dieses Freudenfestes für ihr Personal eine Versicherung iw s Leben gerufen, deren sämmtliche Kosten sie selbst tragen. .? . •_. -:v-~ Rußl a n d. - : Lodz (Russ.-Polen). lieber die vor einigen Tagen * hier stattgefundenen Arbeiterunruhen wird noch berichtet: :- In dem offiziellen Telegramm, welches bisher über die Ereignisse nur Vorgelegen hatte, war behauptet worden, daß die Manifestanten von der Polizei zer- . streut worden seien, ohne daß von den äußersten Maßnahmen Gebrauch gemacht worden sei, und daß die Polizei eine musterhafte Haltung an den Tag gelegt habe. Aus Lodz wird jetzt auf brieflichem Wege von einem Augenzeugen berichtet, der die Vorgänge doch in einem wesentlich anderen Lichte erscheinen läßt. Der Bericht lautet: y; „Sonntag, den 16. Juni, kam es''in unserer Stadt zu großen jüdischen Arbeiteransammlungen. Eine Menge jüdischer Arbeiter, gegen 6000 Mann, durchzog gegen 6 Uhr Abends die Hauptstraßen, wobei einige Theilnehmer rothe Fahnen in den Händen hielten. Die Polizei war schon vorher von dieser Arbeiterdemonstration unterrichtet, und selbstverständlich wurden alle Maßregeln ergriffen, damit dieselbe keine großen Dimensionen annehmen sollte. Auch wurden Kosaken requirirt. Die Menge verhielt sich sehr ruhig, aber nichtsdestoweniger wurde sie seitens der Polizei schonungslos behandelt. Die Polizei schlug ein, die Kosaken darauf, und es kam zu blutigen Zusammenstößen. Die Polizei zog die Sabel blank. Verhaftungen wurden sofort auf der Straße vorgenommen. Während des nunmehr entstandenen Handgemenges wurde ein Polizeirevieraufseher tödtlich verwundet. Ter betreffende Verletzte wollte einem Manifestanten eine rothe Fahne entreißen, und dabei wurden ihm von einer Gruppe Manifestanten sieben Stichwunden beigebracht. ' J ■ Es spielten sich schreckliche Szenen auf der Straße ab. Zur Hilfe der Polizei wurden die polnischen Hauswächter (Strufhy), herbeigeholt, und wurde ihnen seitens des Polizeimeisters Chrzanowski (eines bekannten Antisemiten) die Anweisung ertheilt, die Juden schonungslos zu behandeln. Und sie erfüllten diesen Auftrag mit dem größten Eifer. Auf dem Wege nach dem Polizeiarrestlokal schlugen die Hauswächter auf die verhafteten Manifestanten mit Fäusten, Knütteln, Stöcken ein, so daß es kein Wunder ist, daß von den ca. 100 Verhafteten alle mehr oder weniger schwere Verletzungen haben. Vielen von ihnen wurde das Nasenbein eingeschlagen, einem wurde der Schädel zersplitiert, andere erlitten Hand- und Beinbrüche. Aber nicht genug mit diesen Gewaltthätigkeiten auf der Straße, wurden die Verhafteten im Arrestlokal des betreffenden Polizeibezirks von neuem auf das schwerste mißhandelt. In der Stadt geht das Gerücht um. daß gegen zehn

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