Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1903)
- Date
- 1903-06-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1104 vergleiche in dieser Hinsicht die lyrische Todessehnsucht unserer Klassiker, eines Lenau oder Göthe, um sich des Gegensatzes voll und ganz bewußt zu werden." Was sagen die Millionen katholischer und evangelischer Christen hierzu, denen das Buch der „Jüdin" Jjob ebenso heilig ist, wie uns Juden? Aub, Unterfranken. (Auf Wunsch der Verwandten verspätet. Red.) Eine ansehnliche Trauer- Versammlung hatte sich Montag, 8. Juni, hier eingefunden, um dem Hingeschiedenen früheren Lehrer Solomon Falk s. A. die letzte Ehre zu erweisen. Alle Theilnehmer, die tieftrauernden Verwandten, die treuen Freunde des'Verblichenen, die in allen ihren Gliedern versammelte Gemeinde, sowie die wehmuthsvollen Blicke der nichtjüdischen Bevölkerung, zeigten zur Genüge, daß hier eine Persönlichkeit verschieden war, ausgezeichnet durch edle Eigenschaften des Herzens und Geistes, hervorragend durch ihre Verdienste, sowie durch ihren sich auf menschlich gütiges und weises Wirten gründenden herrlichen Ruf. Rabbi Salomon Falk s. wür eine jener seltenen Naturen, welche im Stil- - len, fernab von der durch tosende Ruhmredigkeit über das wahre Verdienst oft getäuschten Mitwelt, in bescheidenem Wirkungskreise, und dennoch unter schwierigen Verhältnissen eine geradezu ideale Lebens- und Berufsthätigkeit übte, und in sich selbst jene Befriedigung fand, welche volle hingebende Pflichterfüllung als Jude und Mensch gewahrt. Bei hervorragenden Lehrern, wie Rabbi Lazarus Ottensoser s. A. in Höchberg und Rabbi David Weiskopf s. A., sowie durch unermüdliches Streben sich die Kenntniß der jüdischen Geistesschätze aneignend, übernahm er in jungen Jahren die Lehrerstelle in Tauberrettersheim. Von hier aus lernte er den verdienstvollen Ortsrabbiner Rabbi Jakob Braünschweig s. A. in Äub kennen, mit welchem ihn . bald die innigste Liebe und Freundschaft verband. Nach dessen frühen Tode nahm er sich in liebevollster Weise der durch Wissen und hochherziges Wirken gleich ausgezeichneten Wiiiwe und der unmündigen Kinder an. Er wurde ihnen liebender Gatte und sprichwörtlich treuer Vater, und begründete eine, weit über den Kreis Frankens hinaus, als wahres Lxs tnpa bekannte und geschätzte Häuslichkeit. Hier, in Aub, wirkte er sodann 46 Jahre lang segensreich als Lehrer, bis ihn vor einigen Jahren die zunehmenden Beschwerde des Alters zwangen, dem liebgewonnenen Berufe zu entsagen. Beliebt und hochgeachtet bei allen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession, in Folge seiner felsenfesten. goldenen Rechtlichkeit, und getragen von der Verehrung aller Kollegen, bot er das trefflichste Vorbild eines edlen Charakters.. Durch aufopferndes Wirken in Schule und Synagoge (zählt ja die ganze Gemeinde zu seinen Schülern), verbreitete er Erkenntniß, Wissen und Liebe zur Thora und durch sein, jedem Affekt und jeder Erregung abgeneigtes Wesen, sowie durch das selbstloseste Wirken pn rr-rc tr;s? und seine unvergleichliche Friedensliebe verkörperte er das vollendete Idealbild eines Führers und Berathers seiner Gemeinde. Nicht Ruhm und Lohn, nicht Güter und Vortheile. sondern die Befriedigung treuerfüllter Pflicht, das traute Glück seiner Häuslichkeit, sowie das Wohlergehen seiner ihn über alles liebenden Kinder und Enkel bildeten den höchsten Genuß in seinem vom Allgütigen gesegneten Alter. An seiner Bahre zeichnete Herr Rabbiner Adler- Kitzingen. welcher diele Jahre das verdienstvolle Wirken des seltenen Mannes schätzen gelernt hat, sein Lebensbild, besonders hervorhebend, daß seine Thätigkeit stets den drei Grundsäulen unseres Glaubens in hohem Maße entsprochen hatte. Hieraus nahm der älteste Sohn, Herr Rektor Falk- Frankfurt a. M., in einem tiefempfundenen Hesped Abschied von dem geliebten Vater, in wehmuthsvollen Worten demselben Dank sagend für alle Liebe und Güte, sowie unter Einflechtung vieler bezeichnender Momente aus dem Leben ' des verdienstvollen Mannes ausführend, wie derselbe der Mitwelt ^ein zweiter p'-urf 'po»» gewesen und stets alle Vorschriften der Thora gewissenhaft erfüllte. Namens der übrigen Verwandten rief Kantor Leber- ' mann- Darmstadt als Enkel dem theuren Großvater innige Worte treu-liebevollen Andenkens nach und schilderte eingehend, wie der wackere Verblichene stets die Bahnen des Hohenpriesters Ahron wandelte, und zwar nach den beiden Aufgaben: an« nrr :w ia sowie als 26s? spin. r.mrr. Lehrer Blumenthal-Aub sprach namens der Gemeinde den Dank und die Versicherung ewig treuer Liebe für das eifrige, langjährige Wirken aus, und zum Schlüsse nahm Lehrer Strauß- Uffenheim in herzlichen Worten Abschied von dem geschätzten Freunde, dem seltenen Manne, der in seiner Selbstlosigkeit und in seiner Menschenliebe auch die unangenehmen Erfahrungen und Enttäuschungen ruhig über sich ergehen ließ, und zugefügtes Unrecht nur mit Liebe und Wohlthaten zu vergelten wußte. Möge der edle Verstorbene ein *:e« pte sein für brr-.V' bv und sein uns allen beistehen und uns begeistern zu gleich eifrigem, halber zigem Thun! Briefkasten der Redaktion. Viktor Salpeter in Sloboda-RnngorSka: Die Gcsammtzahl der Juden auf der Erde (nach den statistischen Erhebungen des Direktors S. Zeller vom Statistische» Landesamt in Stuttgart) ist 10 SCO 000. Auf je 1000 Menschen kommen nach dieser Statistik 346 Christen, 7 Juden, 114 Mobammedaner und 523 Heiden. _ Briefkasten der Expedition. Abonnent 2100: Die Adresse lautet: .Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos)', Frankfurt a. M., Schützenstraße 14. * \