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Der Israelit · 1903-06-15 · Heft 47 (15.6.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 47 (15.6.1903)
Date
1903-06-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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F W&!&' 'ssi Orthodoxe MuderrthumÄ •C-M O S E S \f^- [51 15. Juni 1903.] lNr. 28. mm Wr&J SÄS.TL-EA Wev Äu8e Zeitgemälde von I. I. Uraszewslu in autorisirler Uebertragung. „Ich bitte Dich, meine Emusia," erwiderte die j Mutter. „Scheint es Dir, daß er wohl schon an eine Herrath denkt?" „Ich nehme ihn, wenn ich will!" „Nun, so wolle doch! Erbarme Dich!" „Aber, Mama, das verstehst Du nicht. Dazu gehören doch passende Gelegenheiten. Mit ihm ist es nicht anders möglich. Ich muß ihm nur erst zur Gewohnheit werden! Ich sage Dir, Mama, ganz aufrichtig: Bei ihm ist auf Leidenschaft gar nicht zu rechnen, nur auf Herzensgewohnheit. Dazu aber gehört Zeit. Ich werde mich schon bemühen!" „Du? Inwiefern? Du tändelst ja immer nur mit diesem Heinrich, man weiß nicht wozu! Wärst' Du schon junge Frau, so könnte ich mir dies erklären! Aber so! Die wichtigste Sache vernachlässigst Du!" „O, Mamachen, darüber sei ganz ruhig! Ich weiß, was ich thue! Mit ihm muß man langsam Vorgehen. Ich lerne ihn täglich besser fennen, si je brusque le denouement. tout est perdu. „Mach' schon, was Du willst — aber . . So endete diesmal, wie immer, die Unterhaltung. Musa aber benützte die ihr ertheilte Erlaubniß. Ihre Berechnung war in der That durchaus nicht falsch. Jakob verliebte sich nicht in sie, aber er gewöhnte sich an sie. Was die Heirath betrifft, so kam ihm auch nicht einmal ein Gedanke daran in den Kopf. Er liebte Tilda mit ganzer Seele und diese verwelkende Blume erschien ihm täglich schöner. Hierher zog ihn nur j das Verständniß, welches Musa für die Bibel und die israelitischen Traditionen zeigte. . Der Mutter schien dieses Mittel, Jakob anzuziehen, durchaus nicht angenehm zu sein. Sie zuckte darüber die Achseln. Aber was war zu thun, wenn nichts Besseres sich finden ließ< „Wenn, Gott verhllt's, auch dies noch fehlschlägt," sprach sie zu sich, „dann sind wir verloren!" Musa tröstete sie meist lachend damit, oap, dies kein Waterloo oder Austerlitz für sie sein werde. Musa selbst vermochte wohl Niemand zu lieben. Sie liebte auch Jakob durchaus nicht. Für sie war er langweilig. Sie heuchelte Begeisterung für ihn, aber ihre ganze Seele gähnte, wenn er sich näherte. Mit Heinrich war sie in ihrem Elemente, daher vertraulicher, sie verstanden sich besser. Um diese vorgebliche Passion Musa's zu befriedigen, erwärmte sich Jakob für den Gedanken an die Einrichtung jüdischer Vorlesungen. Im Anfänge war es sogar schwierig, dazu ein Haus zu finden. Der doch nur so hingeworfene Gedanke erschien ihm wunderschön; er erfaßte ihn mit Eifer, ohne zu ahnen, daß seine Vertvirklichung auf unbesiegbare Hindernisse stoßen werde. Niemand wünschte diese Vorlesungen in seinem Hause zu haben. Man besorgte, sich lächerlich zu machen. Man fürchtete, die jüdische Färbung, welche sie dem betreffenden Hause geben könnten. . Jeder rühmte die Idee; aber bei Diesem war kein Platz, bei Jenem war Jemand krank, und

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