Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1903)
- Date
- 1903-06-10
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10*3itttti 1903.] [Wc. 27 Skizze aus (ithauen von Z. Zchschnowitz) End in gen (Schweiz.) Skizze aus (ithauen von g. Zchschnowitz) Lndingen (Schweiz.) (Schluß aus Nr. 41 L^4LI ' Ihm wollte damals das Herz zerreißen, als er sie von sich lassen sollte, und die arme Channoh weinte und wimmerte, als ob sie damals schon das große Unglück geahnt hatte. Aber, was thut man nicht schließlich für das Glück seiner Kinder? Und was sollte auch hier aus ihr werden? Was konnte hier ein armes Mädchen, ohne Geld und ohne Iichus,*) die Tochter eines Wasserträgers mit ihren blauen Augen und ihrer schönen Gestalt anfangen? Sollte sie etwa sitzen bleiben oder Chonke heirathen, um mit ihm, wie ungefähr ihre Mutter. die Waffereimer zu tragen und zu hungern? — Es war aber auch gar zu schon gewesen, was ihnen das Sckücksal vorspiegelte, um nicht freudig zuzugreifen; ein Glück, um das sie weit und breit beneidet wurden. Ein junger, seiner Mann war plötzlich wie aus der Erde gewachsen auf der Oberfläche von Ersevill erschienen und erregte sowohl durch seine imposante Erscheinung, als auch durch sein weltmännisches Auftreten großes Aufsehen. Er sprach verschiedene Sprachen, lvar hocheuropäisch gekleidet, mischte sich aber, trotzdem gern unter das arme Volk, besuchte auch regelmäßig die Synagogen und setzte mit seinen Spenden und Wohlthätigkeiten das ganze Städtchen in Erstaunen. Man erzählte sich Legenden von seinem fabelhaften Reichthuin und seiner hohen Abstammung. Ein reicher Amerikaner, wußte man bald allgemein, der seine armen Brüder in Rußland aufsucht, umihre Lage zu studiren und sie zu verbessern. Als der vornehme „Amerikaner" zum ersten Mal in das Haus des armen Wasserträgers kam, war es nur Zufall, er wollte sich da über ein Nachbarhaus erkundigen, blieb aber trotzdem eine gute Stunde im Gespräche mit Feigele. Sodann kam er wieder, öfter, immer öfter, und zu längerem Aufenthalte, und das Unglück, wohl das größte ihres Lebens, begann. Er machte erst leise Andeutungen, dann wurde er immer deutlicher und endlich sprach er offen davon, daß er Feigele mit übers große Wasser, nach Amerika, nehmen, sie dort heirathen wollte. Die ganze Familie wollte er glücklich machen. Er, Chazkel, sollte am liebsten die Eimer gleich abstellen, und Channoh den Gänsehande! aufgeben. Auch Schmuel brauchte sich ferner keine Sorge über seine Zukunft, über seine Stellungspflichtigkeit zu machen. Er solle, sobald sie an Ort und Stelle seien, ihnen folgen. Im geräumigen Palaste, der dort ihrer harre, würde sich auch für ihn schon ein Plätzchen finden. Das Wort Amerika hatte auch in Ersevill lange nichts mehr Absonderliches oder Abschreckendes an sich.' Hunderte waren aus dem Städtchen und seiner Umgebung dorthin gewandert, hatten dort ihr Glück gefunden und ihren Verwandten aus dem Elend geholfen. Mehr als alle Drähte und Kabel sind es die lebendigen Fasern und Fäden, die das Ghetto mit allen Theilen der neuen Welt verbinden. Wer schwärmt da *) Hohe Herkunft.