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Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1014 Schändlichkeiten, denen die jüdische Bevölkerung von Kischinew und anderen Plätzen im Südwesten Rußlands, unter den Augen und der Mitwirkung der Regierung unterworfen worden sind, brandmarken.diese Excesse eines Fanatismus, der eine Schande für die moderne Civilisation ist. Sie fordern alle Belgier auf. sich ihrem Proteste anzuschließen, und bitten die französischen Republikaner, insbesondere die Mitglieder der I,igue francaise des droits de Thomme von ihrer Regierung zu erwirken, daß sie im Namen des zivilisirten Europa der „befreundeten Nation" Vorstellungen macht. Sie hoffen, daß der Czar von den Protesten des Auslandes gerührt werden wird und Maßnahmen trifft, um weitere Gemetzel der Juden zu verhindern; und daß er in seiner Stellung als Summepiskopus und Kaiser gegen das Vorurtheil des rituellen Mordes ankämpfenwird, ein Vorurtheil, welches als der hauptsächlichste Vorwand für die Gemetzel gilt."' Zeitungsnachrichten und CorresponDerrzerr. Deutschland. Aus Schlesien. (A u S Bädern und Sommerfrischen.) Wenn die Sefirazeit und mit ihr das Wochenfest vorüber ist, so tritt in den ineisten Familien eine Frage in den Vordergrund, deren Beantwortung durchaus nicht so einfach ist, als es den Anschein hat, und die gerade uns frommen Juden manche Schwierigkeiten bereitet. „Wo reisen Sie diesen Sommer hin?" so hört man dann aller Orten fragen; und wenn die Eventualitäten einer Badereise glücklich erwogen sind, und der Entschluß, eine solche zu unternehmen, gefaßt ist, so wird erst die Frage „wohin" zu einer der brennendsten, an der möglicherweise alles scheitern kann. Nun sollte man glauben, daß diese Frage doch höchstens die Minderbegüterten berührt, die nicht gern die Erholung, welche eine Badereise bietet, missen möchten, und die aber andererseits eine solche mit nur geringem Kostenaufwande ermöglichen können. Doch nein, hier liegt nicht der Brennpunkt unserer Frage, bei uns handelt es sich darum: Wo bekommen wir wirklich koscheres Essen? Ein Ort, an dem kein strengauf diesem Gebiete das jüd. Restaurant von Exner in Bad Grgfenberg (Oesterr. Schlesien) ' zu nennen: Wer auch nur einmal in Gräfenberg war^ der wirdwissen, was es heißt, sich einen längeren Kuraufenthalt in. diesem herrlichen Bade versagen zu müssen. Die meileniveiten prachtvollen Waldungen und die ozonhaltige Höhenluft veranlassen uns schon, Gräfenberg vielen anderen Bädern Oesterreich- und Preußisch-Schlesiens vorzuziehen; überdies ist Gräfenberg mit Naturschönheiten in üppiger Fülle bedacht, wie sie irgend ein anderes Bad im Osten wohl kaum aufzuweisen hat. Und last not least ist es die Weltberühmte Kaltwasserheilanstalt, deren Segen gewiß schon manchem versagt blieb, weil er sich zur Uebertretung der Speisegefetze hätte entschließen müssen, wenn er sich einer Kur in diesem Kurorte unterziehen wollte. So sind wir dem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser ganz besonders zu Dank verpflichtet, daß er es uns ermöglicht hat, dieser Schönheiten und Segnungen des Bades . Gräfenberg auch theilhaftig zu werden. Und wie groß-, artig hat sich der Verein seiner Aufgabe entledigt! Wir finden dort nicht etwa ein Restaurant, welches man sonst schlechtweg mit dem Ausdrucke „polnische Wirtbschaft" bezeichnet, vor. Nein, im Gegentheil, das Erner'sche Restaurant ist ein Etablissement, das sich mit den größten und besten Hotels einer Großstadt messen kann. Die elegante, fast luxuriöse Einrichtung, die peinliche Sauberkeit, die in allen Räumen des Hauses, ganz besonders in der Küche, herrscht, sorgen dafür, daß auch der verwöhnteste Geschmack hier Befriedigung findet.. Wir hoffen gern, daß es auch dem Verein in Zukunft vergönnt sein möge, seine Thätigkeit mach jeder Richtung hin zu entfalten. Nachdem wir so die Verdienste dieses Vereins wieder einmal so eingehend gewürdigt haben, halten wir es für unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit unserer Leser auch auf ein Privat-Etablissement zu lenken, dem von Herzen zu wünschen wäre, daß es pch der Unterstützung der frommen Kreise erfreuen möge. Herr Oscar Friedmann hat es unternommen, in der Nähe der herrlichen Garnisonstadt Neisse, in dein reizenden Rochus, ein streng-rituelles Pensionat zu errichten. Rochus ist ein idyllischer Sommeraufenthalt, der durch die dort bestehende Kaltwasserheilanstalt die Aufmerksamkeit der Aerzte bereits auf wiriucy iGjajeces» vsm ijn, un ucm icm fu.cmij i;cimu|iuu mc oer 'werzre vereirs auf koscheres Restaurant existirt, kann uns vielleicht in I sich gelenkt hat. Die ländliche Ruhe, die hier herrscht. Folge seiner Naturschönheiicn oder sonstiger Vorzüge > ist ganz besonders dazu geeignet, nervös Leidende und einen Aus-ntbalt von 2 oder 3 Taaen bieten — eine Rcconvaleszcnten einen anaenebmen freuten Aufenthalt von 2 oder 3 Tagen bieten — eine Erholungsstätte kann er uns aber nicht werden, und zu längerem Sommeraufenthalt müssen wir ihn meiden. Da ist es um so erfreulicher, wenn der „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg," von dessen Thätigkeit wir schon so viel Rühmenswertstes erfahren haben, sein Augenmerk auch auf die Restaurants in den Bädern gerichtet hat. Als neueste Errungenschaft ist Rcconvaleszcnten einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Umso höher ist es zu schätzen, daß Herr Friedmann gerade in dieser Sommerfrische für eine koschere Pension Sorge getragen hat. und obgleich die Einrichtung der Villa Eichendorff-Höh' eine komfortable ist Md die Preise so mäßig geholfen, daß ein mehrwochentlicher Erholungsaufenthalt daselbst nur mit unerheblichen Kosten verknüpft ist. W. F.

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