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Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Vorläufig wird darüber immer noch hin- und herverhandelt, was deßhalb mit einiger Schwierigkeit verbunden ist, weil der bisherige tüchtige Sachverwalter der hiesigen autonomen Judengemeinde auch in ihren administrativen Angelegenheiten, der Großrabbiner,' vor einiger Zeit gestorben ist, und augenblicklich Niemand vorhanden ist, welcher der Sachlage halbwegs gewachsen wäre. Sehr schön wäre es, wenn die hier ansässigen reichen Juden unbeschadet ihrer fremden Staatsangehörigkeit, freiwillig ein wenig in die eigenen Säckel griffen, um ihren armen. Stammesgenossen aufzuhelfen, doch scheint dazu nicht die geringste Neigung vorhanden zu sein. ~ A e ul I l e t o rr Jerusalem. yiftsvifche Rv;ätzlung von Jsaae Besrrsr—Frankfurt a. M. ' 12]; . ... ,^Da brennt die Burg," flüsterte er, „ich hab's gethan. Weßhalb Hab' ich's denn gethan? Ist mir's doch wie aus dem Kopfe, geschwunden. Ach so. der Ritter hat ja mein Weib in den Tod getrieben und deßhalb habe ich seine Burg angesteckt. Das ist ja nur gerecht! Nur gerecht! Und Gott wollte doch nicht helfen. Was aber jetzt?" Er griff sich an die Brust. Es war ihm so leer darin. „Was aber jetzt? Ja so, ich Hab' ja noch ein Kind, das glücklicher werden soll, als sein armer Vater. Für es habe ich's ja nur gethan. damit, wenn es mich einst nach der Mutter fragt, ich ihm sagen kann: Der Ritter hat sie ermordet, ich aber habe ihn bestraft. Und für mein Kind will ich leben. Für es und für das junge Geschlecht. Ich will es aus seiner Ergebung aufrütteln, die seine Kraft lähmt. Meine That soll ihm voranleuchten. Es soll sich als Volk fühlen, das nicht schlechter ist, als die anderen Völker alle. Hin nach Jerüschalajim soll es schauen und im Gedanken der alten Macht und Siegesherrlichkeit die Brust stählen. Nicht wegen des Glaubens verachtet man sie. Man haßt den Türken und den Mauren. doch man verachtet ihn nicht. Weil sie sich selbst verachten, deßhalb verachtet man sie. — Aber wohin nun?" : . . - .. ' Er überlegte kurze Zeit. : . ' ' V* «Hat nicht der arme Baruch in seiner Sterbestunde mir befohlen, nach Jork zu gehen, die Nachricht von seinem Tode zu bringen, auf daß mgn Kaddisch für ihn sage? Ich hatte es ganz vergessen. , Auf denn nach York." ‘ Noch einmal warf er einen Blick auf die Burg da droben, die nun in hellen Flammen stand. Leise schauderte er. wandte sich und ging. ■. ' IX. V - --V- -- Vor den Thoren des Judenviertels zu York stand David ben Sebulon, sein Kind auf dem Arme, und begehrte Einlaß. - . :; . Sonst pflegten die Thore am Tage offen zu stehen, aber in jenen unruhigen Zeiten hatte man es für gerathen gefunden, sie auch am Tage zu schließen. . Ueber und über waren sie mit Zerrbildern und Spottversen bedeckt, die „witzige" Christenangebracht hatten zu eigenem und Jedermanns Ergötzen.. Anfangs hatte der Thorwächter sich es angelegen sein lassen, diese Verunzierungen mit einem nassen Schwamme zu entfernen. Aber längst schon that er es. nicht mehr. Aus zwei Gründen. Einmal, weil es doch unnütz war und der Volkswitz nimmer rasten mochte in immer neuen Erfindungen. Dann aller auch, weil er einmal von einem erbosten Christen dafür windelweich geprügelt worden war. Wer liebt Prügel und verlorene Mühe? Also gewöhnte er den ihm von Natur innewohnenden Ordnungssinn an den häßlichen Anblick. Ach, sein Ordnungssinn mußte noch manches dulden. Und nicht nur sein Ordnungssinn, sondern auch seine Nase, die so empfindlich. Denn man muß. wissen, daß alle in der Nähe der Thore wohnenden Bürger es für gar verdienstlich hielten, den Unrath ihres Hauses vor's Judenthor zu werfen. Hoch aufgehäuft lag er da, der Menschen hassende Unrath, und hoch hin bis zu den Wolken, den Seglern der Lüfte, wirbelte der Duft, Arabiens Düste beschämend. Das Antlitz des Einlaß Begehrenden war finster. Er pochte wieder. Der Thorwärter öffnete ein Fenster, musterte den Harrenden, und nachdem er sich überzeugt hatte, daß keine Gefahr vorliege, öffnete er. „Friede mit Euch." sprach der Thorwärter.- „Mit Euch sei Friede," antwortete David. „Ich heiße Schmul," sprach der Thorwärter. David antwortete nichts. - Der Thorwärter schloß das Thor. s ..Von Manchester ist schon seit langem kein Fremder mehr gekommen," Hub er dann wieder an. in der Erwartung, jener werde seine etwaige irrige Ansicht einer Korrektur unterziehen. Doch der Angckommene schwieg beharrlich. -. ' Der Thorwärter hustete. Er verzweifelte am Alten. „Ein schönes Kind habt Ihr da." sprach er dann und wandte sich zu diesem. „Wie heißt Du. meini Kindchen," fragte er milde lächelnd und griff dem'

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