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Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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das Gemeinwohl Nützliches und Dauerndes zu schaffen vermögen. . ' Landes-Jnspektor Johann Sierban erklärte, der Ackerbauminister nehme die auf den Ackerbau bezüglichen Intentionen des Vereins mit Befriedigung zur Kenntniß und sei bereit, die bezüglichen patriotischen Bestrebungen des Vereins zu unterstützen. Zum Präsidenten wurde Dr. Armin Neumann einstimmig wiedergewählt, in den Ausschuß, gelangten Dr. Adolf Kohner und Alexander Svnb jr. als neue Mitglieder. Dr. Armin Neumann wurde zum Ehrenpräsidenten, Frau Jakob de Maroth, die Herren Ludwig Adler und Jakob Boschün zu Ehrenmitgliedern gewählt. Zum Schluffe wurden die Vereinszöglinge in drei Gruppen, Meister, Gesellen und Lehrlinge vorgestellt, die aus den Vereinsstiftungen mit Prämien und Stipendien bedacht wurden. V Fran fielch. Paris, 4. Juni. Unter den vielen Wohlfahrtseinrichtungen. die die Einwohnerschaft von Paris und im besonderen die hiesige jüdische Gemeinde der Familie Rothschild verdankt, nimmt ohne Zweifel den Ehrenplatz das hiesige Rothschild-Krankenhaus ein. Es ist eine geradezu großartige Anstalt in des Wortes vollster Bedeutung. Ich habe vor einigen Tagen einen kranken Juden besucht, der sich in diesem Krankenhause aushielt. Ich habe vor Rührung geweint. Eine peinliche Sauberkeit, sorgsame und liebevolle Pflege, reichliche Nahrung, dies alles finden die armen Kranken in diesem Musterkrankenhaus ersten Ranges. Während die Krankenhäuser der Stadt Paris in jeder Beziehung sehr viel zu wünschen übrig lasten, entspricht das Rothschild-Krankenhaus den letzten Anforderungen der Wissenschaft. Herr Loubet, der in diesem Augenblicke die Spitäler von Paris besucht, wird gut thun, auch das Rothschild-Krankenhaus zu besuchen. Da wird er sich Rechenschaft davon ablegen können, was Opferwilligkcit und wahre Menschenliebe zu leisten vermögen. Selbst für unsere Glaubensgenossen, die direkt die Hülfe dieser Anstalt nicht in Anspruch nehmen, wirkt das Rotbschildkrankenhaus segensreich, denn Dank dieser Anstalt haben sie das beruhigende und erhebende Bewußtsein, daß sie im Krankheitsfalle in diesem großen Seine-Babel nicht einsam und verlassen bleiben werden. Im Leben hat man gar oft manch herbe und bittere Enttäuschungen. Doch, wenn man das große Glück hat, solch" schöne und edle Werke menschlicher und jüdischer Solidarität zu sehen, wird der Glaube an den endlichen Sieg des Wahren. Guten und Schönen stärker und mächtiger. Eine arme Frau, eine Christin, die sich einige Zeit im Roihschildkrankenhaus behandeln ließ, sagte mir: .Jls sollt ’Jnife. niais ils sollt bons tout de meine/*' Und ich antwortete der guten Alten: „Liebe Frau, Sie täuschen sich,* sie sind gut, weil sie Juden sind." Pi. , . % tt,t l e L . v.v Tripolis. Von hier wird geschrieben: Bekannt-: lich legt die Türkei ihren nichtmohammedanischen Unter thanen keine persönliche Militärpflicht auf, sondern läßt sich von ihnen dafür, den sog. „Harädsch", die Kopfsteuer, „bezahlen". Seit Einverleibung Tripoli--: taniens in den ottomanischen Reichsverband (1836)' bis auf die Gegenwart wurde von der hiesigen Judengemeinde unter diesem Titel eine Pauschalsumme vow etwa 6000 Franken jährlich eingehoben. Dies eigentlich zu Unrecht. Denn da für die Gesammtbevölkerung der Provinz Tripolis bisher eine Wehrpflicht Liberi Haupt nicht bestanden hatte, so konnte füglich auch, keinerlei Berechtigung vorhanden sein, irgend ein Ablösungsgeld dafür gerade von den Juden 'einzuheimsen. Doch dergl. logische Entgleisungen nimmt man in der türkischen Verwaltungspraxis nicht sonderlich genau, und da auch die Judenschaft selber nichts gegen die ungerechtfertigte Anzapfung einzuwenden hatte, so ging die Leier an die sechzig Jahre lang ruhig ihren Gang. Nun ist aber jüngst endlich auch für Tripolitanien die allgemeine Militärpflicht Gesetz geworden, und hierbei das Verhältniß der israelitischen Unterthanen schriftliche gibt es hier nicht) zur neuen Sach- | läge ebenfalls einer Nachprüfung unterzogen worden. Die Regierung legte hierbei den sonst auch im ganzen übrigen Reiche geltenden Maßstab an. daß von je 136 Individuen der Bevölkerung ein Rekrut zu. stellen sei. Keineswegs gerade viel, ganz erheblich, weniger als in den europäischen Kulturstaaten. Die Kopfzahsi der hiesigen israelitischen Einwohnerschaft auf 6000 geschätzt ssie genau zu zählen, hat sich bisher noch Niemand die Mühe genommen) ergibt demnach ein zu stellendes Gesammtrekrutenkontigent von 36 Mann. Die im ottomanischen Reich seit jeher festgesetzte Militarbefreiungstaxe —: auch für mohammedanische Wehrpflichtige. welche nicht persönlich dienen wollen — beträgt 60 türkische Gold-Lira (1160 Frcs.), Nun for dert die Regierung von der hiesigen Judenschaft demgemäß fortan die sich hieraus ergebende Ablösungssumme in der Höhe von 39,000. Fcs. Das ist freilich, ganz erheblich mehr als ehedem, aber immerhin wäre es, auf eine fünftausendkövfiae Bevölkerung vertheilt, noch keine allzu harte Last — zumal anderweitige direkte Steuerabgaben nicht'bestehen — wenn nur die Mehrzahl der hiesigen. Judengcmeinde aus halbwegs zahlungsfähigen Leuten bestände, was indeß keineswegs der Fall ist. Die wenigen Reichen unter den hier ansässigen Juden haben längst Mittel und Wege, gefunden, irgend eine fremdländische Stclatsangehörigfeit zu erwerben und damit für alle kaiserlich-ottomanischen. Steuererhebungsbestrebungen nnerreichbar zu werden. Von den änderen.sichren, gut gerechnet, an die .76 v. H. bei schwerer Noch und Mühsal von Tag zu Tag den Kampf um ein elendes Jammerdasein.

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